Die Kreistagsfraktion der Freien Wähler/FDP im Landkreis Sigmaringen äußert sich in einer emotionalen Stellungnahme zur geplanten vorübergehenden Verlagerung der Geburtshilfestation. Man sei von dieser Entscheidung überrascht worden, erklärt der stellvertretende Vorsitzende und Kreisrat Thomas Jacob. Die Begründung, dass sich die personelle Situation im SRH Krankenhaus in Bad Saulgau auf der Geburtenstation zugespitzt habe und es einen Mangel an Hebammen gebe, ist nach Überzeugung der Freien Wähler nichts anderes, als ein „sich Verstecken“ hinter der bundesweit herrschenden Problematik und von der großen Politik verursachten Defizite im deutschen Gesundheitswesen.

Thomas Jacob: „Einen weiteren Klinikstandort aushöhlen“

Thomas Jacob, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands der Freien Wähler
Thomas Jacob, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands der Freien Wähler | Bild: Paul Wislak

Wie in anderen Bereichen auf der Managementebene der Geschäftsführung der SRH-Kliniken schon länger erkennbar und vom Kreistag festgestellt und reklamiert, sei auch das Versagen im Personalbereich nun auch nach außen sichtbar. Die früheren Signale für die Engpässe im Bereich der Hebammen wurden ignoriert und die geeigneten Maßnahmen nicht oder zu spät eingeleitet. „Man kann den Eindruck gewinnen, dass es der Strategie der SRH-Oberen in die Karten spielt einen weiteren Klinikstandort systematisch auszuhöhlen und zu schwächen“, verweist FW-Sprecher Jacob auf Pfullendorf, wo bekanntlich jahrelang die Etablierung einer Geriatrieabteilung postuliert wurde, die dann aber stillschweigend gecancelt wurde. „Der neue Geschäftsführer Dr. Faust hat offensichtlich nur den einen Auftrag, die Standorte Bad Saulgau und Pfullendorf zu schließen“, folgert Jacob namens der Kreistagsfraktion der Freien Wähler und der FDP.

Das könnte Sie auch interessieren

Zuerst hätte man Gremien und Kreistag informieren müssen

Als die Kreisräte die Kliniken GmbH vor etlichen Jahren in die Hände der SRH gaben, sei man voller Hoffnung gewesen, dass die damals durchaus realistischen Erwartungen an den Konzern SRH erfüllt würden. Davon sei man meilenweit entfernt, es regiere der Rotstift und das Bekenntnis, zu allen drei Klinikstandorten sei seitens der SRH in Vergessenheit geraten. „Noch nie wurden wir als Kreisräte so enttäuscht und momentan werden wir auch getäuscht“, kritisiert Jacob, dass zuerst Gremien gehört und der Kreistag hätte informiert werden müssen, auch wenn dies im Gesellschaftervertrag anders geregelt sei.

Freie Wähler: „Das medizinische Konzept muss auf den Tisch.“

Die Freien Wähler glauben zudem nicht, dass reiner Zufall war, diese Meldung just an dem Tag zu veröffentlichen, an dem sich die Bürgermeisterin von Bad Saulgau und Fraktionssprecherin der Freien Wähler in den Urlaub begeben habe. Gerade sie habe wiederholt auf die kritische Situation in der Geburtshilfe und die unattraktiven und nicht konkurrenzfähigen Arbeitsbedingungen der Hebammen hingewiesen und von der Geschäftsführung dringendes Handeln gefordert. Unsere Fraktion erwartet nun eine umfassende Information und eine intensive Diskussion: „Es muss jetzt endlich das lange versprochene medizinische Konzept auf den Tisch, auf dessen Grundlage die zukünftige Ausrichtung der Klinikstandorte beraten werden kann.“