Im Gebiet der Handwerkskammer Reutlingen, zu dem auch der Landkreis Sigmaringen gehört, gibt es 13 600 Handwerksbetriebe, davon bilden knapp 3000 regelmäßig junge Menschen aus. Für viele Betriebe ist es in den vergangenen Jahren grundsätzlich schwieriger geworden, die dringend benötigten Nachwuchskräfte zu gewinnen.

Wachsende Tendenz zu akademischen Bildungsgängen

Demografischer Wandel und die immer stärker werdende Tendenz junger Menschen zu schulischen beziehungsweise akademischen Bildungsgängen könnten nach Auffassung der Kammer Gründe für den erheblichen Rückgang neu abgeschlossener Berufsausbildungsverträge sein.

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Dem widerspreche aber der erneut gestiegene Anteil an Abiturienten, die sich für eine Ausbildung im Handwerk begeistern – der Anteil der Abiturienten bei den neu abgeschlossenen Verträgen ist nunmehr auf 14,7 Prozent angestiegen. „Das regionale Handwerk muss sich dieser Situation stellen“, sagt Christiane Nowottny, Geschäftsbereichsleiterin Berufsausbildung, bei der Handwerkskammer Reutlingen.

Trotz Corona-Krise ist Ausbildungsbereitschaft hoch

„Die Bereitschaft auszubilden ist trotz Corona-Krise da. In diesem Jahr haben wir sogar 200 Lehrstellen mehr in unserer Lehrstellenbörse eingetragen als im vergangenen Jahr. Uns ist auch nicht bekannt, dass Betriebe schon abgeschlossene Ausbildungsverträge wegen der Krise aufgelöst hätten“, erklärt Nowottny, „Was uns und den Betrieben Sorge bereitet, ist, dass das Beratungsangebot in den Arbeitsagenturen und in den allgemeinbildenden Schulen coronabedingt eingeschränkt war und immer noch ist.

Infobörsen konnten in letzter Zeit nicht stattfinden

Auch Berufsorientierungsmessen, Infobörsen und -tage und Veranstaltungen, auf denen wir und die Betriebe für das Handwerk geworben haben, konnten nicht stattfinden. Die größte Herausforderung ist daher aktuell, die Jugendlichen in die duale Ausbildung zu vermitteln“, ergänzt die Bereichsleiterin. Aktuell sind für das Ausbildungsjahr 2020 noch 754 Lehrstellen zu besetzen. Zu den Gewerken mit den meisten offenen Lehrstellen im gesamten Kammergebiet gehören die Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik (73 freie Stellen), die Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk (62 freie Stellen), die Maurer (61 freie Stellen) und die Maler- und Lackierer (59 freie Stellen).

Jugendliche vertrauen Eltern

Ziel der Handwerkskammer sei es, in den nächsten Wochen durch entsprechende Maßnahmen noch intensiver Jugendliche und Betriebe zusammenzubringen. „Darauf fokussieren sich unsere Aktivitäten, denn bis zum Start des Ausbildungsjahres sind es noch einige Wochen, da geht sicher noch so einiges“, sagt Nowottny. Laut einer Studie vertrauen 50 bis 60 Prozent der Jugendlichen ihren Eltern, wenn es um die berufliche Orientierung geht.

Neue Kommunikationsmaßnahmen sollen Jugendliche neugierig machen

„Die Elterneinbindung in der Berufsorientierung darf nicht außer Acht gelassen werden. Deshalb müssen wir die mit ins Boot holen und die Vorzüge einer Ausbildung im Handwerk immer wieder betonen. In vielen Fällen sind die Möglichkeiten, die eine Berufsausbildung im Handwerk bietet, Eltern und Lehrern nicht bekannt. Das müssen wir in Zukunft ändern“, hofft Nowottny, dass durch die zusätzlichen Kommunikationsmaßnahmen noch mehr Jugendliche sich für einen Lehre im Handwerk entscheiden.

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