Die Zahl der Arbeitslosen war 2020 durchschnittlich um 30 Prozent höher als im Jahr zuvor, informiert die Agentur für Arbeit Balingen in ihrem Jahresbericht. Im Jahresmittel 2019 waren rund 5400 Menschen arbeitslos, 2020 waren es durchschnittlich etwas mehr als 7000. Zwar mussten sich mit 18 500 Menschen im Laufe des Jahres 2020 insgesamt vier Prozent weniger Menschen arbeitslos melden als im Vorjahr, aber es konnte auch ein Zehntel weniger die Arbeitslosigkeit beenden.

Tausende Betriebe beantragen 2020 Kurzarbeit

Kurzarbeit hat in der Krise eine Vielzahl von Entlassungen verhindert. Die Zahl der Anzeigen von Kurzarbeit ist mit Beginn der Pandemie explosionsartig gestiegen und erreichte im April den diesjährigen Höchststand. Mehr als 2400 der 8500 heimischen Betriebe hatten in diesem Monat eine Anzeige für insgesamt fast 42 000 theoretisch Betroffene eingereicht.

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Ab Mai war die Zahl der Anzeigen zunächst wieder deutlich und kontinuierlich gesunken. Im vierten Quartal stieg sie angesichts der zunehmenden Infektionszahlen und der damit einhergehenden Beschränkungen wieder an. Im Dezember gingen rund 150 neue Anzeigen für bis zu 2180 Personen ein. Insgesamt wurden im Jahr 2020 fast 4300 Kurzarbeit-Anzeigen für über 77 200 Beschäftigte eingereicht. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor waren es rund 120 Anzeigen für etwa 7200 Personen.

Höchste Zahl an Kurzarbeitern im Mai 2020

Mit einer Anzeige von Kurzarbeit signalisieren Betriebe zunächst nur, dass ein Arbeitsausfall geplant ist. Deshalb umfasst eine Anzeige oft eine weit höhere Anzahl an Personen als die spätere Abrechnung der tatsächlich angefallenen Kurzarbeit. Tatsächlich abgerechnet wurde Kurzarbeit im April später von rund 2300 Betrieben für knapp 24 000 Beschäftigte. Die höchste Zahl tatsächlich von Kurzarbeit Betroffener lag im Mai bei rund 26 000. Nach den vorläufigen Hochrechnungen befanden sich im August noch etwa 12 000 Beschäftigte in Kurzarbeit. Besonders stark betroffen von Kurzarbeit sind in der Krise das verarbeitende Gewerbe, die Metall- und Elektroindustrie, Handel und Gastgewerbe.

Corona überlagert strukturelle Dämpfer

Corona hat dabei die ohnehin schon vor der Krise spürbaren konjunkturellen und strukturellen Dämpfer überlagert. Nachlassende Konjunktur, internationale Handelskonflikte, die Transformation in der Automobilindustrie und die strukturellen Änderungen im verarbeitenden Gewerbe hätten sich aber auch ohne Corona in der Jahresbilanz 2020 bemerkbar gemacht. Schon mit dem leichten Anstieg im Jahresdurchschnitt 2019 hatte sich nach jahrelangem Rückgang der Arbeitslosigkeit ein bereits schwächer werdender Arbeitsmarkt angedeutet.

Nachfrage nach Arbeitskräften ist spürbar gesunken

2020 haben die heimischen Unternehmen weniger neue Arbeitskräfte gesucht als im Jahr zuvor. Sie meldeten dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit und der beiden Jobcenter Landkreis Sigmaringen und Zollernalbkreis rund 7.800 Stellen, fast 27 Prozent weniger als 2019. Dadurch hat sich auch der Bestand freier Stellen um fast 18 Prozent auf knapp 3000 verringert. Unbesetzt waren zum Jahresende 2020 vor allem Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe, darunter insbesondere im Maschinenbau und der Herstellung von Metallerzeugnissen, im Baugewerbe, im Groß- und Einzelhandel sowie im Gesundheitswesen.

Mit Umorganisation auf Antragsflut reagiert

„Wir haben in Balingen sehr schnell auf die ganz neue Situation reagiert. Die Teams in der Leistungsgewährung, sei es Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld, wurden gestärkt. Dafür mussten viele Kolleginnen und Kollegen kurzfristig im neuen Aufgabengebiet eingearbeitet werden. Für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war es selbstverständlich, engagiert und flexibel dort auszuhelfen, wo es am dringendsten war. Sie haben mitgeholfen, die hohen Antragszahlen zu bewältigen und so die Not von Betrieben, Beschäftigten und Arbeitslosen zu lindern. Wir werden diese Unterstützung auch 2021 fortsetzen und die zügige Auszahlung von Geldleistungen sicherstellen“, Arbeitsamtschefin Anke Traber.

Weniger Menschen in Beschäftigung

Seit vielen Jahren ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gestiegen. Aber auch hier macht sich Corona bemerkbar. Erstmals seit mehr als zehn Jahren war die Entwicklung rückläufig, wenn auch nur in geringem Umfang. 118 400 Beschäftigte im Agenturbezirk bedeuten einen Rückgang um 0,2 Prozent. Landesweit hat sich die Zahl der Beschäftigten um 0,5 Prozent verringert. Der Rückgang beruht im Wesentlichen auf Stellenabbau im verarbeitenden Gewerbe, Handel und Gastgewerbe.

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Ausblick 2021

Wie sich die Lage angesichts der pandemischen Situation entwickeln wird, weiß auch Arbeitsamtschefin Anke Traber nicht. „Mit Prognosen für 2021 halte ich mich zurück“, sagt sie, „denn alle Vorhersagen für 2020 lagen deutlich daneben. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir die Herausforderungen meistern werden. Wir setzen weiter auf die Unterstützung der heimischen Betriebe mit Kurzarbeitergeld und die rasche Auszahlung von Geldleistungen an unsere Kundinnen und Kunden, um die Corona-Folgen zu mildern. Nach und nach werden wir auch die persönlichen Kontakte wieder intensivieren. Es wird wichtig sein, jetzt schon an die Zeit nach der Krise zu denken. Dann wird wieder von Fachkräftebedarf die Rede sein. Unsere Weiterbildungsförderung bleibt daher ein wichtiger Baustein, um Arbeitslosigkeit zu verhindern und Fachkräftebedarfe zu decken. Zudem werden wir wegen der ungewissen Situation auf dem Ausbildungsmarkt auch die Jugendlichen mit ihrem Beratungsbedarf ganz gezielt in den Blick nehmen.“