Mit spürbaren Stimmungsschwankungen haben aktive Verantwortliche unterschiedlich auf die jüngsten Nachrichten zum Thema Verkehr reagiert.

So wertete es Landrätin Stefanie Bürkle bei einer Sitzung mit Kreistagsmitgliedern des Umwelt-, Kultur- und Schulausschusses als gute Nachricht, dass die Zollernalbbahn bis Sigmaringen im Elektrifizierungskonzept des Landes in den vordringlichen Bedarf gerückt ist. Dass hierbei der Abschnitt zwischen Albstadt und Sigmaringen hinzu kommt, dürfte wohl bei einer Sitzung des Landeskabinetts in Stuttgart am 10. April beschlossen werden. Bürkle sagte, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann da im Sinne der Kreisverwaltung mitgeholfen hätte. Sie sprach von einer großen Notwendigkeit, zumal in der Umsetzung von Stuttgart 21 somit Durchgängigkeit auf den Bahnlinien zwischen Reutlingen/Tübingen nach Albstadt bis Sigmaringen gewährleisten würde. Auch Kreuzungsverkehre könnten somit ermöglicht werden. Bislang fahren die Züge mit Dieselantrieb. „Wenn wir die 1,52 Stunden von Sigmaringen nach Stuttgart halten wollen, geht das nur über die Elektrifizierung“, bekräftigte die Landrätin bei der Sitzung in der Bad Saulgauer Gewerbeschule. Sobald der Kabinettsbeschluss stehe, wolle man mit Hochdruck einsteigen.

„Nun herrscht Klarheit – der Landkreis bleibt nicht im Dieselloch stecken“, sagte Andrea Bogner-Unden, die Landtagsabgeordnete der Grünen. Sie freue sich sehr, dass er ihr gelungen sei, das Projekt gemeinsam mit der Landrätin auf den Weg gebracht zu haben. Auch Johannes Kretschmann, Kreisrat der Grünen, zollte der Landrätin seinen Respekt und nannte es „saustark“, mit welcher Vehemenz und hoher Priorität sie dieses Anliegen angepackt hätte.

Sehr viel zurückhaltender reagierte Stefanie Bürkle auf das Ergebnis der Straßenbaukonferenz des Verkehrsministeriums in Stuttgart, in der natürlich die im vordringlichen Bedarf stehende Bundesstraße 311-neu/B 313 im Fokus stand. Sie wurde bekanntlich nicht in die erste Tranche zum Planungsbeginn bis 2025 aufgenommen, sondern erst in der nachfolgenden ab 2025. „Es kam, wie wir es erwartet haben“, meinte die Landrätin, die auf Nachfrage dieser Zeitung präzisierte: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir in einer Kategorie davor landen, das mit den Planungen zeitnah begonnen werden kann.“ Gleichwohl hätten Vorabgespräche mit den Landesverantwortlichen angedeutet, dass die Straßenplanung hier im Kreis nach hinten geschoben würde. Was sich bewahrheitet hätte. Jedenfalls erklärte Bürkle, über eine eigene Planungsgesellschaft in die Umsetzungskonzeption einsteigen zu wollen.

Noch deutlicher taten dagegen der Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß und der Landtagsabgeordnete Klaus Burger, beide CDU, ihre Enttäuschung über die Einordnung der sogenannten „Nordtrasse“ kund. Die beiden Parlamentarier hätten sich mehrfach für dieses Bundesfernstraßenprojekt eingesetzt und könnten es beide nicht nachvollziehen, dass die B 311 im vorgestellten Fahrplan des Landes nunmehr in die zweite Gruppe eingeordnet worden sei. „Die zügige Umsetzung der Nordtrasse auf der Achse Freiburg-Tuttlingen-Ulm bei Sigmaringen ist absolut entscheidend für den Standort und die Verkehrsanbindung der Region“, so Bareiß in einer schriftlichen Stellungnahme. Die Einordnung als zweitrangig in der Umsetzung könne er, wie sein Kollege Burger, nicht verstehen. Er erinnerte an die große gemeinsame Kraftanstrengung, dass die B 311 überhaupt in den vordringlichen Bedarf im Bundesverkehrswegeplan 2016 hochgestuft worden sei. Was damals als Erfolg der daran beteiligten Städte und Gemeinden, der Wirtschaft und der Bürger vor Ort gewertet wurde. „Es kann jetzt nicht sein, dass das Land durch ihre Priorisierung die Umsetzung verzögert“, kritisierte Bareiß.

Verkehre

  • Zollernalbbahn: Tübingen bis Sigmaringen, Donautalbahn fährt von Sigmaringen nach Herbertingen und von Herbertingen bis Aulendorf. Hohenzollerische Landesbahn von Tübingen nach Sigmaringen und von Hechingen über Gammertingen nach Sigmaringen.
  • Bundesstraßen: B 311-neu, B 32 und B 313