Die Sigmaringendorfer Waldbühne ist ein Naturtheater, das 1928 gegründet, sein nunmehr 90. Jubiläumsjahr feiern kann. Es besitzt mit seiner Freilichtbühne ein Alleinstellungsmerkmal im Landkreis Sigmaringen. "Und wir sind fit für die neue Spielzeit", verkündet der Vorsitzende der Waldbühne, Walter Kordovan.

Thematisiert wird zum Jubiläumsreigen die Geschichte des berühmten “Robin Hood”, dem Rächer der Enterbten, Witwen und Waisen, eingebettet in reale historische Hintergründe von England unter König Richard. Die Version von Robin Hood, die auf der Waldbühne von 7. Juli bis 2. September gezeigt wird, habe es so zuvor noch nie gegeben, versichern die Waldbühne-Organisatoren. Sie orientiert sich dennoch an einer der vielen Charaktervorlagen, die es zu dem Helden des Mittelalters gibt. Auch dieser Robin wird aus seiner privilegierten Welt herausgerissen und er durchlebt die Geschichte des als Outlaw, eines gesetzlosen, geächteten und gebrandmarkten Helden. In den Wirren der Politik und Intrigen des mittelalterlichen Englands muss er seinen Weg finden und hilft schließlich sogar dabei, die Geschichte seines Landes entscheidend mitzugestalten.

Bei “Dornröschen – Heckenkampf im Feenland” (Aufführungen von 16. Juni bis 29. Juli) handelt es sich um eine klassische Märcheninszenierung. Die Erzählung von Dornröschen findet sich bereits in der ersten Fassung der Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm und gehört im deutschen Sprachraum gewiss zu den bekanntesten Märchen. Besucher würden dabei in die fabelhafte Welt der Märchen und Sagen entführt, tanzende Feen, bildschöne Prinzessinnen und kampfeslustige Recken sollen für unterhaltsame Stunden auf der Waldbühne garantieren.

Die Regisseure Luna Selle (Robin Hood) und Alexander Speh (Dornröschen) haben die Texte passend zur Bühne und zur jeweiligen Spielerschar verfasst und so können die Zuschauer am 16. Juni (Kinderstück) und am 7. Juli (Erwachsenenstück) zwei waschechte Uraufführungen erleben, die für Familien und Märchenfreunde jeden Alters geeignet sein dürften.

Blickt man in die Historie zurück, so hat es vor der Inbetriebnahme der Waldbühne einige Skeptiker gegeben, die erst überzeugt werden mussten. So ist überliefert, das der damalige Bürgermeister von Sigmaringendorf, August Stecher, ernste Zweifel hegte: "Des goht doch it, wo wellet ihr au do da Vorhang na macha?" Nun, auch er ließ sich umstimmen. Denn schon die Aufführung des Rütlischwurs aus Schillers Wilhelm Tell auf einer Festwiese anlässlich des 51. Gauturnfestes des Turngaus Hohenzollern weckte 1926 das Interesse der Bevölkerung. 1000 Zuschauer waren begeistert. Und so konnte zwei Jahre später die Waldbühne mit der Aufführung des Stücks "Der arme Heinrich" von Gerhart Hauptmann eingeweiht werden. Vorrang räumten die Verantwortlichen den klassischen Theaterstücken ein, die bekanntesten waren "Die Braut von Messina" von Schiller oder Goethes "Faust" und der "Götz von Berlichingen".

Einschnitte brachten die Nazidiktatur und die Kriegszeit bis 1945. So ist der Verein 1934 gleichgeschaltet worden, das geplante Stück "Die versunkene Glocke" von Gerhard Hauptmann wurde verboten. Als es dennoch ein Jahr später zur Aufführung gelangte, brachen interne Querelen und heftige Wortgefechte im Theaterverein los – mit Vereinsaustritten und Amtsniederlegungen. 1938 herrschte Sendepause. Die neuformierte Spielerschar betrat 1939 zwar vor neuer Rekordkulisse wieder die Waldbühne, doch ein Stellungsbefehl für einige Schauspieler in die Wehrmacht bedeutete das endgültige Aus. Und die Waldbühne wurde zerstört durch Demolierungen und Plünderungen (auf der Suche nach Brennholz).

Den Neuanfang ab 2. Juli 1949 ermöglichte die Genehmigung der französischen Militärverwaltung. Noch im selben Jahr nahm der Theaterverein seinen Spielbetrieb wieder auf und zeigte in Anlehnung an seinen Beginn das Stück "Wilhelm Tell". Seit den 1950er Jahren erlebte die Waldbühne einen großen Aufschwung und erfreut sich bis heute einer wachsenden Beliebtheit.

Der heutige Zuschauerraum bietet Platz für 670 Zuschauer, kann aber seine Kapazitäten auf 750 Plätze erweitern.

Karten für beide Stücke: Erwachsene zahlen 11 Euro, Kinder bis 15 Jahre 7 Euro, ermäßigte Karten zu 10 Euro, die Familienkarte für zwei Erwachsene und zwei Kinder kostet 32 Euro. Zu bestellen über die Internetseite der Waldbühne unter http://www.waldbuehne.de, telefonisch montags und donnerstags, 18 bis 19 Uhr unter 0 75 71/35 20.