1988 richtete der Caritasverband im Landkreis Sigmaringen eine Beratungs- und Begleitungsstelle ein. Grund waren die gewonnenen Erfahrungen aus dem Pflegeheim Conrad-Gröber-Haus in Meßkirch. „Damals hat man festgestellt, dass Betroffene schon vor einer möglichen Heimaufnahme Hilfe und Begleitung brauchen“, erläutert Caritas-Geschäftsführer Alexander Sperl.

Fälle werden immer komplexer

„Früher habe ich eher gelegentlich einen Antrag ausgefüllt, da stand die Begleitung von älteren Menschen und pflegenden Angehörigen im Vordergrund“, erinnert sich Inge Sieber. Sie ist seit dem Juni 1992 „mit im Boot“. Und das habe in den vergangenen Jahren einen wahren Erfolgskurs gesteuert, so das Resümee der Caritas. Insgesamt habe die soziale Institution auf die 10 000 Menschen zugehen dürfen, die einmal auf die Beratungsstelle für ältere Menschen und pflegende Angehörige zugekommen seien. Und im Laufe der Zeit habe sich herausgestellt, dass die Fälle immer komplexer geworden seien. „Heute geht es auch um schnelle Unterstützung in Notsituationen“, sagt Dörthe Schmidt. Sie ist seit knapp sieben Jahren bei der Beratungsstelle. Dritte im Bund ist Pamela Brecht. Sie berät und begleitet seit 15 Jahren die älteren Leute. Sie stimmt mit ihren Kolleginnen überein, indem sie deutlich macht, wie wichtig es ist, dass die Menschen ihre Fragen stellen können und befriedigende Antworten erhalten, mit denen sie in ihrer persönlichen Situation weiterkommen.

Oft gehe es darum, auf welche Leistungen die betroffene Person wirklich Anspruch habe und wie sie diese dann auch bekommen könne. Immer neue Gesetze, immer neue Verwaltungsvorschriften und immer neue Vorgaben: Für Betroffene sei es oft schwer, bei diesem Wust von unterschiedlichen Erklärungen und Regelungen den Durchblick zu behalten. Und so seien viele Menschen froh, dass sie bei den drei Sozialarbeiterinnen beim Caritasverband Hilfe bekämen. Die sei übrigens völlig unabhängig von der religiösen Konfession oder der Staatsangehörigkeit und sei auch unabhängig von der Wahl des Pflegedienstes. „Häufig geht es auch darum, pflegenden Angehörigen ein Gespräch anzubieten, um über die belastende Pflegesituation zu sprechen“, sagt Pamela Brecht.

Die Beratungsstelle war auch an vielen Neuerungen innerhalb des Verbandes beteiligt. So auch 1999 bei der Einrichtung des Caritas-Pflegenetzes, zu dem neben der Beratungsstelle auch die vier stationären Pflegeeinrichtungen des Caritasverbandes in Ostrach, Meßkirch und Herbertingen, die vier kirchlichen Sozialisationen in Gammertingen, Meßkirch, Sigmaringen und Pfullendorf und die Tagespflege des Verbandes in Sigmaringen gehören. Auch am Aufbau mehrerer Hospizgruppen war man beteiligt.

Ein wichtiges Angebot sind seit 30 Jahren die Gesprächskreise für pflegende Angehörige, die es mittlerweile in Sigmaringen, Gammertingen, Meßkirch, Stetten a.k.M. und Pfullendorf gibt. In Sigmaringen gibt es eine zusätzliche Gruppe für Angehörige von Demenzkranken. Für diese Personengruppe wird im Frühjahr auch immer eine Schulungsreihe angeboten. „Die Arbeit geht uns nicht aus“, sagen die drei Frauen, denen man anmerkt, dass sie nicht nur mit Verstand und Wissen, sondern auch mit dem Herz bei der Arbeit sind.

Außensprechstunden gut genutzt

Das erleichtert auch die Pflege der vielen Kontakte in den Pfarrgemeinden. „Die Verwurzelung vor Ort ist eine ganz wichtige Sache“, sagt Inge Sieber. Deshalb würde es seit einigen Jahren die Außensprechstunden geben, weil es für viele Menschen etwas beschwerlicher geworden sei, bis in die Kreisstadt nach Sigmaringen zu kommen. Die entsprechenden Angebote in Meßkirch, Ostrach, Herdwangen-Schönach und Gammertingen seien sehr gut frequentiert. „Das macht deutlich, dass dieser Schritt richtig war“, sieht sich Caritas-Geschäftsführer Alexander Sperl im vollsten Maße bestätigt. Es sei wichtig, zu den Menschen zu gehen. Und das machen die Caritas-Pflegenetz-Mitarbeiter auch noch ganz direkt. Denn Hausbesuche seien längst keine Ausnahme mehr. Vor allem dann, wenn Hilfesuchende ihre Wohnung nicht mehr verlassen können.

Und wie sieht die Zukunft aus? „Es wird sicherlich nicht weniger Arbeit geben. Denn die Forderung, dass ambulante Betreuung vor stationären Hilfen gehen soll, die bringt immer mehr Beratungsbedarf mit sich“, sind sich die Sozialarbeiterinnen der Beratungsstelle in ihrer Einschätzung einig.