Das erste Wochenende im Juni 2013 wird man in Veringenstadt wohl nicht so schnell vergessen. Die Lauchert war über die Ufer getreten. Ein Jahrhunderthochwasser bedrohte die Altstadt, die Häuser, die Menschen. 420 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Technischem Hilfswerk (THW) aus dem gesamten Landkreis Sigmaringen und benachbarten Regionen kämpften gegen die Fluten. Und mit dabei natürlich die unermüdlichen Helfer des Deutschen Roten Kreuzes. 120 waren im Einsatz. Sie wurden jetzt mit der Fluthilfe-Medaille des DRK-Kreisverbandes Sigmaringen ausgezeichnet. Es war eine schlichte Feier in der Turn- und Festhalle in Veringenstadt. Beim DRK ist man bescheiden. Nicht aber, wenn es um Hilfeleistung für Menschen in Not geht. So in den Tagen, als Veringenstadt in den Fluten zu versinken drohte.

"Ich weiß, dass wir spät dran sind", betonte Rolf Vögtle, Präsident des DRK-Kreisverbandes Sigmaringen. Er erinnerte an die großen Unwetter in diesem Jahr in Bayern und Baden-Württemberg. "Wenn man an Braunsberg denkt, dann kommen schon mulmige Gefühle." Und es werde deutlich, dass man nirgends vor Katastrophen sicher sei. Zwar hab es schon Ehrungen für Einsatzkräfte auf Landesebene gegeben, aber es sei dem DRK wichtig gewesen, auch vor Ort eine Ehrung für die eigenen Kräfte zu machen. Derzeit überlege man beim Kreuzverband, ob man solche Auszeichnungen nicht als feste Einrichtung installieren solle.

Die Geschehnisse der Katastrophentage würden bestimmt allen Beteiligten im Gedächtnis bleiben. Großes Lob sprach Vögtle dem damaligen Kreisbereitschaftsleiter Mario Rilli aus Herbertingen aus. Der sei sofort in Aktion getreten und habe mit seinen Helfern dafür gesorgt, dass Notunterkünfte eingerichtet wurden. Im DRK-Heim in Herbertingen wurden 144 Essen gekocht. Denn die Einsatzkräfte der Feuerwehr, des THW und der Polizei mussten verpflegt werden. Zwei Pflegebedürftige aus der Innenstadt mussten abtransportiert werden und auch sonst standen die Frauen und Männer mit dem roten Kreuz auf der Einsatzweste allen zur Seite, die Hilfe brauchten. Manchmal genügte schon ein aufmunterndes Gespräch, um deutlich zu machen: Ihr seid nicht alleine. Vögtle: "Ich bin stolz auf ihre Arbeit und sage ihnen ein herzliches vergelt's Gott."

Das kam auch von Bürgermeister Armin Christ: "Sie waren sehr wichtig für die Bürger in Not." Das Thema Hochwasser sei in Veringenstadt noch nicht abgehakt. Er komme gerade von einer Besprechung, wo es um mögliche Maßnahmen des Hochwasserschutzes ging. Bislang sei man von Überflutungen wie im Jahr 2013 verschont geblieben. Grund sei auch die Entscheidung des Landratsamtes, dass die Lauchert ausgebaggert werden durfte. Christ: "Wenn es Starkregen gibt, dann wachen die Menschen nachts auf und überlegen, ob wieder Hochwasser kommt."

Die psychische Belastung sei noch immer sehr hoch. Im Namen der Bürger von Veringenstadt sagte er vielen Dank für die Hilfe und betonte: "Die Organisation DRK hat sich in einem guten Licht dargestellt. Danke, macht so weiter. Helft Menschen in Not. Wir brauchen euch."

Die Auszeichnung von 120 Rotkreuzlern übernahmen dann Rolf Vögtle, Armin Christ, Kreisbereitschaftsleiterin Alexandra Warne, ihre Stellvertreterin Anja Mezger und der stellvertretende Landesbereitschaftsleiter Klaus Schlitz. Er machte im Gespräch mit dem SÜDKURIER deutlich, dass solche Einsätze wie in Veringenstadt nur dank des hohen Ausbildungsstands perfekt ablaufen könnten. "Da hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan. Es wird aber auch von den Führungskräften deutlich mehr gefordert."

Fluthelfer

Aus nachfolgenden Bereitschaften wurden Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes ausgezeichnet: Veringenstadt, Neufra, Sigmaringen, Gammertingen, Heuberg-Donautal, Meßkirch, Hohentengen, Bad Saulgau, Ostrach, Herbertingen, Bingen, Sigmaringendorf, Mengen, Scheer und Inzigkofen. Dazu kommen Einsatzkräfte des überregionalen Auskunftsbüros Zollern-Alb und des Kreisauskunftsbüros Sigmaringen. (kf)