In einem finanziellen Desaster endete für ein Duo der Versuch, in einer Gemeinde im südlichen Landkreis ein Restaurant gehobener Güte zu etablieren. Hinzu kommt jetzt noch eine Verurteilung durch das Amtsgericht. Richterin Kristina Selig sanktionierte mit Geldstrafen von 5400 und 2700 Euro für den beschuldigten Koch und die Konzessionsinhaberin in zwei Fällen das Inverkehrbringen von Lebensmitteln, die nicht für den menschlichen Verzehr geeignet waren. Die formale Restaurantbetreiberin wohnte 200 Kilometer entfernt und kam nach Auffassung des Gerichts ihrer Kontrollfunktion nicht nach.

Erste Kontrolle nach der Eröffnung

Schon drei Wochen nach der Eröffnung im Sommer 2016 tauchten erstmals Kontrolleure des Fachbereichs Veterinärdienst und Verbraucherschutz des Landratsamtes in dem Restaurant auf, und stellten Nachlässigkeiten bei der Betriebshygiene fest, monierten die unzureichende Lagerung von Lebensmitteln und generell Mängel bei der Eigenkontrolle, wie der als Zeuge geladene Lebensmittelkontrolleur bei der Verhandlung aussagte.

Betrieb wird für drei Tage geschlossen

Bei einer Kontrolle im Januar 2017 habe man festgestellt, dass sich nichts geändert habe und ein Zwangsgeld angedroht. Am 20. Juni machte sich die Sachgebietsleiterin selbst ein Bild. „Wir haben einen Betrieb vorgefunden, den wir schließen mussten“, berichtete die Zeugin von bedenklichen hygienischen Zuständen, stinkendem Fleisch und viel zu hohen Temperaturen in der Tiefkühltruhe. Die Betreiber sollten eine Grundreinigung vornehmen und nach drei Tagen war die Leiterin nachmittags wieder vor Ort, versagte den Betrieb allerdings, weil die „Reinigung noch nicht ausreichend war.“

Sie bot an, nochmals vorbeizuschauen, und drei Stunden später erteilte sie die Freigabe. Die Proben, die die Behörde bei den Kontrollen mitgenommen hatten, wurden im Labor untersucht, und die Gutachterin attestierte bei Fleisch und Tortellini deutliche Auffälligkeiten, erhöhte Keimzahlen und Verderbniserreger. „Ekelerregend“, charakterisierte sie den Befund.

„Angegriffene Lebensmittel„

Die Beschuldigten, ein 59-jähriger Krankenpfleger, der schon jahrzehntelang in der Gastronomie tätig war, und eine 68-jährige Rentnerin, gestanden ein, dass manche Lebensmittel „angegriffen“ waren, aber nie die Absicht bestand, diese auch zu verwenden und an einen Gast zu verkaufen. Beide monierten, dass die Kontrollen stets am Dienstag nach dem montäglichen Ruhetag stattfanden, wobei der Zeuge erklärt hatte, dass diese Kontrollen durch das System, das Computerprogramm festgelegt werden.

Technische Mängel als Ursache

Mit Leib, Herzblut und Liebe bekochte der Beschuldigte seine Kunden, wobei die Küche inmitten des Gastraumes stand, „und man ihm bei der Arbeit auf die Finger schauen konnte“, wie sein Verteidiger erklärte, der selbst häufig als zufriedener Gast die Speisen genossen hatte. Mehrfach erklärte der Beschuldigte, dass technische Mängel ursächlich für die angegriffenen Lebensmittel waren.

Es gab keine Klimaanlage, die Fenster konnte man nicht öffnen und während des heißen Sommers 2017 versagten die Kühlgeräte. Alle Gespräche mit dem Vermieter, diese Mängel auf eigene Kosten zu beheben, seien gescheitert, versicherte die Betreiberin, die letztlich nach zwei Jahren Insolvenz anmelden musste und heute von einer kleinen Rente sowie Grundsicherung lebt.

„Eine Fliege in der Eistruhe“

900 Liter Eis entsorgte der zornige Koch, als die Kontrolleure in seiner Eistruhe eine Fliege entdeckten. „Wenn in einer Bäckerei hunderte Wespen über den Kuchen sind, macht das nichts. Bei mir war eine Fliege im Inneren der Eistruhe“, sah er sich von den Kontrolleuren durchaus schikaniert. In seinem 38 Jahren als Koch, habe nie eine verdorbene Speise seine Küche verlassen, berichtete er von zufriedenen Gästen, von denen monatlich 3000 das Restaurant aufgesucht hätten.

Bei einer Kontrolle wurde nach seinen Angaben ein Lachs bemängelt, der einen Tag über dem Mindesthaltbarkeitsdatum lag. Sein Vorwurf, dass bei den Proben die Kühlkette unterbrochen und deshalb im Labor verdorbene Lebensmittel ankamen, wurde vom Kontrolleur entkräftet, der erläuterte, dass man stets Kühlboxen dabei habe.

Staatsanwältin: „Beschuldigte teilweise uneinsichtig“

In ihrem Plädoyer attestierte die Staatsanwaltsvertreterin, dass die Beschuldigten teilweise uneinsichtig seien und äußere Umstände und Kontrolleure für ihre Vergehen verantwortlich machten. Wenn man schon wisse, dass die Kühlung nicht funktioniere und man dort tagelang Lebensmittel aufbewahre, dann doch mit der Absicht, diese auch zu verkaufen.

Sie wiederholte bei der Strafzumessung die Summe des Bußgeldbescheides, gegen den die Beschuldigten Widerspruch eingelegt hatten. Richterin Kristina Selig schloss sich der Forderung an und verurteilte den Koch zu einer Strafe von 5400 Euro und die ehemalige Pächterin zu 2700 Euro und beide zahlen die Verfahrenskosten.