Kreis Sigmaringen – Bei einer Sitzung des Umwelt-, Kultur- und Schulausschusses des Kreistags stellte Edwin Ernst Weber, Leiter des Stabsbereichs Kultur und Archiv im Landratsamt, dem Gremium seine Arbeitsplanung für den Kulturschwerpunkt 2018 vor.

Bei der Tagung in der Willi-Burth-Schule von Bad Saulgau nannte Weber das Thema: "Demokratie und Freiheit". Anknüpfend an die November-Revolution von 1918 würde die erstmalige Begründung einer demokratischen und republikanischen Ordnung in Deutschland zum Anlass genommen, nach der Bedeutung und Akzeptanz der demokratischen Werte und Konsensformen in der heutigen Gesellschaft zu fragen. Dabei leiste der Veranstalter nicht nur einen historischen Rückblick, angefangen mit dem Bauernkrieg von 1525, mit den revolutionär-demokratischen Erhebungen von 1848/49, von der Novemberrevolution und der Weimarer Reichsverfassung von 1919 bis hin zum Aufbau der zweiten deutschen Demokratie nach der NS-Gewaltherrschaft. Es soll auch eine kritische Auseinandersetzung mit aktuellen Fragestellungen und Herausforderungen geführt werden.

Eine Projektgruppe dürfte bis Anfang Mai ein wiederum vielfältiges und kreisüberspannendes Veranstaltungsprogramm auf die Beine stellen, sagte Edwin Ernst Weber. In bewährter Form soll dazu eine gedruckte Broschüre veröffentlicht werden.

Der Stabsstellenleiter ging hierbei ins Detail. So kündigte er eine Exkursion "Pioniere der Freiheit aus dem Landkreis" für den 28. Juli an, mit diversen Stationen. Dabei soll in Kreenheinstetten an den Pfarrer Hans Mauk erinnert werden, welcher Feldprediger der aufständischen Bauern im Meßkircher Raum von 1525 war. In Sigmaringen wird der 1848/49 tätige hohenzollerische Demokrat und Paulskirchenabgeordnete Carl Otto Würth gewürdigt. In Krauchenwies rückt die 1941 ins Reichsarbeitsdienstlager verfrachtete Widerstandskämpferin Sophie Scholl ins Blickfeld. In Marbach (bei Herbertingen) ist der Lehrpfad auf den Publizisten und Zentrumspolitiker Matthias Erzberger zugeschnitten, der in Marbach als Volksschullehrer tätig war. Nach seiner Ermordung 1921 durch Rechtsterroristen galt er als Märtyrer der Weimarer Republik. In Stetten a.k.M. geht es um Marie Baum. Sie war badische Sozialpolitikerin und Ideengeberin für das Kindererholungsheim Heuberg in den 1920er-Jahren.

In der Kreisgalerie Schloss Meßkirch ist eine deutsch-französische Fotoausstellung unter dem Namen "Mutations-Wandlungen" geplant, mit Aufnahmen der französischen Fotografin Nathalie Savey und des deutschen Fotografen Tobias Kern vom Hartmannsweilerkopf, der heute noch von Kriegsnarben des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren gezeichnet ist.

In einer Gemeinschaftsveranstaltung soll am 10. Oktober in Krauchenwies der bekannte Kommunalexperte Hans-Georg Wehling über die "Zukunft der kommunalen Demokratie" sprechen.

Landrätin Stefanie Bürkle lobte den umfassenden Bericht von Edwin Ernst Weber als ein "Feuerwerk an Aktivitäten". Auch sämtliche Ausschussmitglieder der Fraktionen zollten ihm und seinen Mitstreitern große Anerkennung. Johannes Kretschmann (Grüne), Wilfried Köpfer (SPD) oder Viktoria Gombold-Diels (CDU) artikulierten hierbei den Wunsch, das Kulturprogramm dem Gesamtgremium vorzutragen.

Rückblick auf 2017

Im Tätigkeitsbericht zum Kulturschwerpunkt "Religion und Spiritualität" werden 64 Veranstaltungen an 23 Orten quer durch den Landkreis genannt. Ziel der Veranstalter und Kooperationspartner sei es gewesen, den Blick auf das religiöse und frömmigkeitsgeschichtliche Erbe mit einer kritischen Befragung zu verknüpfen. Die Bevölkerung besaß die Möglichkeit, sich in Begegnung und Dialog mit den im Landkreis vertretenen Glaubensausrichtungen austauschen. Das Thema sollte einen Beitrag für ein friedliches und tolerantes Zusammenleben unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Überzeugen leisten, in einer zunehmend multireligiösen und zugleich säkularen Gesellschaft. An den vielfältigen Angeboten von Mitte Mai 2017 bis Ende Januar 2018 seien knapp 7000 Besucher gezählt worden, so Edwin Ernst Weber, in seinem Rapport. (jüw)