Helmut Bosler ist der neue Leiter des Finanzamts, er folgt auf Gerhard Zwick. Rund 250 Gäste waren zur Amtsübergabe beim Finanzamt Sigmaringen in die Buwenburghalle nach Hundersingen gekommen. Und die Feier widerlegte alle Vorurteile, die der Normalbürger gegenüber einer Behörde hat. Es war kein trockener Ablauf von unzähligen Grußworten, sondern eine Feier, die deutlich aufzeigte: Das Finanzamt hat eine enorme Entwicklung gemacht. Da war von „Kunden“ die Rede und nicht von „Steuerschuldnern“ und dass die Behörde sogar über ein eigenes Bläserensemble verfügt war sicher vielen Gästen neu. Mehr noch: Extra für diesen Tag hatte sich auch noch ein Männerchor gebildet.

Beim Finanzamt darf auch gelacht werden. Zumindest hatte man diesen Eindruck bei der Amtsübergabe in der Buwenburghalle in Hundersingen.
Beim Finanzamt darf auch gelacht werden. Zumindest hatte man diesen Eindruck bei der Amtsübergabe in der Buwenburghalle in Hundersingen. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Oberfinanzpräsidentin Andrea Heck dankte dem mittlerweile im Ruhestand befindlichen Amtsvorsteher Gerhard Zwick für sein großes Engagement. An die Landtagsabgeordneten Andrea Bogner-Unden (Bündnis90/Grüne) und Klaus Burger (CDU) richtete sie die Bitte, bei den anstehenden Haushaltsberatungen doch daran zu denken, dass „jeder Cent, der in die Finanzverwaltung investiert wird, auch sehr gut angelegt ist“. Denn schließlich sorgen die Finanzämter für die Einnahmen des Staates. Ohne zeitgemäße Technik und entsprechendes Personal sei das aber schwierig.

Finanzstaatssekretärin Gisela Splett dankte Zwick für 37 Jahre Engagement in der Steuerverwaltung des Landes. Mit ihm gehe eine „herausragende Vorsteherpersönlichkeit“ in Pension. Im Laufe seines Arbeitslebens hat er drei verschiedene Finanzämter geleitet. Zuletzt war er fast sieben Jahre Vorsteher des Finanzamts Sigmaringen – einem Finanzamt, in dem Tag für Tag „hervorragende Arbeit“ geleistet wird, wie die Staatssekretärin betonte. 30 000 Einkommensteuerfälle aus dem gesamten Kreis werden hier bearbeitet. Dazu kommen mehr als 20 000 Arbeitnehmerfälle, rund 13 500 Unternehmen, die zur Umsatzsteuer und mehr als 6000 zur Gewerbesteuer veranlagt werden.

Bosler ist auch für die Außenstelle Bad Saulgau zuständig. Das Finanzamt Sigmaringen ist eines von landesweit acht Finanzämtern mit einer Erbschaftsteuerstelle. Die Beschäftigten bearbeiten nicht nur die Erbschaft- und Schenkungsteuerfälle aus dem eigenen Zuständigkeitsgebiet, sondern auch für die Finanzämter Balingen, Biberach, Ehingen, Friedrichshafen, Ravensburg, Überlingen und Wangen.

Eine Kapitänsmütze hatte der Personalratsvorsitzende Wolfgang Reck als Geschenk für den neuen Amtsvorsteher mitgebracht. „Sorgen Sie als Mann auf der Brücke, dass wir die Sandbänke umschiffen, immer guten Wind in den Segeln haben und immer die richtigen Ziele erreichen“, wünschte sich Reck in seiner humorvollen Ansprache. Die Situation mit der Außenstelle in Bad Saulgau sei „nicht zu verachten“. Es seien zwei Gebäude an zwei Orten und es funktioniere trotzdem. Reck wünschte sich, dass Bosler immer gut gelaunt von der Arbeit nach Hause kommt und auch umgekehrt. Dafür sei aber die Frau des neuen Amtsvorstehers zuständig.

Eine Kapitänsmütze schenkte Wolfgang Reck dem neuen Leiter Helmut Bosler.
Eine Kapitänsmütze schenkte Wolfgang Reck dem neuen Leiter Helmut Bosler. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Dass „manche Bürger kein gutes Gefühl mit dem Finanzamt verbindet, denn es geht dabei um des Schwaben Bestes, nämlich sein Geld“, bemerkte Herbertingens Bürgermeister Magnus Hoppe. Doch auch für die Gemeinden sei das Finanzamt eine wichtige Behörde. Ohne dessen Erhebungen, könnten die Kommunen keine Steuern einnehmen. Uwe Schramm, Präsident der Steuerberatungskammer Stuttgart, bot dem neuen Amtsleiter einen konstruktiven Dialog an. Er sieht auf die Finanzämter große Herausforderungen zukommen. Die zunehmende Digitalisierung und die Gewinnung von Nachwuchs seien keine leichten Aufgaben.

Der Überlinger Gerhard Zwick hatte nach Riedlingen und Ehingen ab Herbst 2010 das Finanzamt in Sigmaringen geleitet. Bis er im Sommer dieses Jahres in den Ruhestand trat, war Zwick insgesamt fast 28 Jahre Finanzamtsvorsteher. Er dankte allen Mitarbeitern für die gute Zusammenarbeit und stellte fest: „Ich bin stolz auf alles, was wir gemeinsam erreicht haben.“

Helmut Bosler stammt aus Ehingen und übernahm im April 2014 die Leitung des Finanzamts Friedrichshafen. Seit September 2017 steht der Leitende Regierungsdirektor an der Spitze des Finanzamts Sigmaringen, das er als neue Herausforderung sieht. Das Amt sei deutlich größer.

 

Sigmaringer Finanzamt

Das Finanzamt Sigmaringen ist zuständig für den Landkreis Sigmaringen sowie das Gebiet des ehemaligen Landkreises Saulgau soweit es im Landkreis Ravensburg liegt. Außerdem ist Sigmaringen zentral zuständig für die Erbschafts- und Schenkungssteuer der Finanzamtsbezirke Balingen, Biberach, Ehingen, Friedrichshafen, Ravensburg, Sigmaringen, Überlingen und Wangen. Die Behörde ist ein sogenanntes "Fusionsamt". Im Zuge der Verwaltungsreform 2004 wurde zum 1. Januar 2005 das ehemalige Finanzamt Bad Saulgau mit damals 85 Mitarbeitern mit dem Finanzamt Sigmaringen, damals 115 Mitarbeiter, zusammengelegt. Bad Saulgau ist seitdem Außenstelle. Der Zuständigkeitsbereich des Finanzamts Sigmaringen ist flächenmäßig recht groß. Er beginnt im Norden auf der Schwäbischen Alb, grenzt im Westen an den Schwarzwald und reicht im Süden bis nahe an den Bodensee. Das Finanzamt Sigmaringen erzielt ein ansehnliches Steueraufkommen. Dieses entwickelte sich seit Jahren kontinuierlich und erheblich nach oben und betrug 2016 immerhin 867,2 Millionen Euro. (kf)