Die gemeinsame Übung der Bergwacht Sigmaringen, der Freiwilligen Feuerwehr Sigmaringen und der Gutensteiner Abteilungswehr war für alle Beteiligten eine Herausforderung. In einer gemeinsamen, kurzen Lagebesprechung bei der Bergwachthütte in Dietfurt gaben die beiden Einsatzleiter der Bergwacht, Gerhard Grom und Lutz Kuchelmeister, das Szenario bekannt: Nach einem Kletterunfall an einem Felsen an der Donau bei Gutenstein hängt eine Person mit einer Knieverletzung und Prellungen im Seil über der Donau, ist aber ansprechbar.

Das sei ein realistisches Szenario und nicht an den Haaren herbeigezogen, erläuterte Bergwachtleiter Dieter Sorg, es gebe drei bis vier Kletterrouten an dem Fels, auch könnten sich Wanderer oder Mountainbiker in diesem Felsengebiet verletzen und Hilfe benötigen. Eine solche Übung sei schon länger angedacht gewesen. „Neuland für jeden, eine interessante Sache“, sagte Dieter Sorg.

Rettungsboot mit Außenbordmotor

Die Feuerwehr werde mit einem Rettungsboot mit Außenbordmotor, zum Schieben mit Rollen ausgestattet, den Verletzten an Land bringen und den Einsatzort bei einsetzender Dunkelheit ausleuchten, führte Kommandant Jürgen Bossert aus. Zum besseren Austausch sei der Einsatzleitwagen mit einem Vertreter der Bergwacht und einem der Feuerwehr besetzt.

Ein Retter legt der Verletzten einen Kongsitz an, um gemeinsam dann in das Rettungsboot abgeseilt zu werden.
Ein Retter legt der Verletzten einen Kongsitz an, um gemeinsam dann in das Rettungsboot abgeseilt zu werden. | Bild: Bergwacht

Kletterer Leszek Lomnitz und die „Verletzte“ Judith Schönebeck mussten zunächst auf den Felsen beim Gutensteiner Donauwehr, durch den der Straßentunnel führt und bis an die Donau reicht, gebracht werden und in die Ausgangsstellung einnehmen. Nach der Alarmierung durch die virtuelle Leitstelle rückte die Bergwacht mit dem Bergwachtfahrzeug aus. Ein Trupp sichtete die Lage und gab Meldung über die Situation an die Einsatzleitstelle der Bergwacht. Diese forderte die Feuerwehr Sigmaringen zur Bergung der Verletzten mit einem Boot über die Donau und die Gutensteiner Abteilungswehr zur eventuellen Ausleuchtung des Einsatzortes an.

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Bootsfahrt mit Hindernissen

Bergretter Tobias Sieger, mittlerweile durch Rolf Schönebeck zur Verletzten abgeseilt, legte ihr einen Kongsitz (Rettungswindel) an. In der Zwischenzeit wurde das Feuerwehrboot bei der Holzbrücke zu Wasser gelassen und steuerte den Einsatzort an. Der starke Algenbewuchs und das Donauwehr an der Mühle stellten Hindernisse dar. Wegen des Niedrigwassers konnten die Feuerwehrmänner nicht einfach das Wehr hinunterfahren, zwei Wehrmänner mussten aussteigen und das Boot begleiten.

Wegen des Niedrigwassers müssen zwei Feuerwehrleute das Boot fußläufig über das Wehr begleiten.
Wegen des Niedrigwassers müssen zwei Feuerwehrleute das Boot fußläufig über das Wehr begleiten. | Bild: Helmut Stroppel

Algen, Strömung und eine gewisse Tiefe machten es nicht ganz einfach, das Wasserfahrzeug direkt unterhalb der Verletzten direkt am Fels zu platzieren, die Donau umspült an dieser Stelle den Fels. Es kamen auch die Paddel zum Einsatz. Schließlich wurde die Verletzte auf das Boot abgelassen, auf der befestigten Trage gelagert, erstversorgt und mit dem Boot an das andere Ufer gefahren, mit der Gebirgstrage die Uferböschung hinaufgetragen und in Sicherheit gebracht.

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Einsatzort wird ausgeleuchtet

In der Zwischenzeit sorgte die Gutensteiner Wehr für die Stromversorgung und leuchtete den Einsatzort mit Strahlern aus. Schließlich holte die Bootsbesatzung auch noch den Kletterpartner von der Wand.

Bergwachtleiter und Kommandant hoben die Bedeutung von gemeinsamen Übungen hervor. Hand in Hand arbeiteten die Hilfsorganisationen ruhig und ohne Hektik zusammen, sprachen sich immer wieder ab und mussten auch spontane Entscheidungen fällen, wenn es die Situation erforderte. Mit den Erkenntnissen aus dieser Übung werde im Herbst eine weitere, ähnliche Übung geplant.

Abseilen von der Felswand ist für die Bergwachtler eine Routine, die nahezu im Schlaf beherrscht wird.
Abseilen von der Felswand ist für die Bergwachtler eine Routine, die nahezu im Schlaf beherrscht wird. | Bild: Stroppel