Der heiße Sommer ist zu Ende. Auch bei den Mineralbrunnen wird etwas mehr Ruhe einkehren. Dort mussten Sonderschichten eingelegt werden, weil der Absatz an Mineralwasser enorm war. Denn viel Hitze bedeutet auch viel Durst. Und auch bei den Wasserversorgern stiegen die Verbrauchszahlen. Schließlich fürchteten viele Gartenbesitzer um ihre Pflanzen und es wurde mehr Wasser aus der Leitung getrunken. Schließlich heißt das kühle Nass ja auch Trinkwasser. Aber ist es das auch?

„Auf jeden Fall“, sagt Gerhard Thielert. Der Lebensmittelchemiker ist Laborleiter im CVUA in Sigmaringen. Hinter dem Kürzel verbirgt sich das Chemische- und Veterinäruntersuchungsamt Baden-Württemberg. Solche Einrichtungen gibt es auch in Stuttgart, Freiburg und Karlsruhe. Sigmaringen ist in Bezug auf das Trinkwasser für den Regierungsbezirk Tübingen zuständig. Bis zu 600 Trinkwasserproben pro Jahr werden hier untersucht. Dazu kommen noch rund 170 Mineralwässer.

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Das Fazit von Oberchemierat Thielert ist eindeutig: „Das Trinkwasser der öffentlichen Trinkwasserversorgung im Bodenseekreis und im Kreis Sigmaringen ist unbedenklich und für den menschlichen Verzehr geeignet.“ Diese Aussage bezieht sich auf die mikrobiologische und chemische Beschaffenheit. Problematisch kann ab und zu der Nitratgehalt sein, wenn der von der Trinkwasserverordnung vorgegebene Grenzwert überschritten wird. Doch das komme nur selten vor.

So kommen die Proben in der Untersuchungsanstalt CVUA in Sigmaringen an.
So kommen die Proben in der Untersuchungsanstalt CVUA in Sigmaringen an. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Mikrobiologische Grenzwerte

Die Qualitätsanforderungen an Trinkwasser sind in der Trinkwasserverordnung über eine Vielzahl von physikalischen, chemischen und mikrobiologischen Grenzwerten definiert. „Diese Grenzwerte werden auch danach unterschieden, ob es sich dabei um Parameter handelt, deren Konzentration sich im Verteilungsnetz einschließlich der Trinkwasser-Hausinstallation nicht mehr erhöht, wie Nitrat, oder ob deren Konzentration im Verteilungsnetz einschließlich der Trinkwasser-Hausinstallation ansteigen kann“, betont Thielert. Im Klartext: Untersucht wird das, was in den Zuleitungen transportiert wird. Was hinter dem Hausanschluss passiert, das ist üblicherweise nicht Bestandteil regelmäßiger Untersuchungen. So könne es innerhalb von Gebäuden durchaus zu erhöhten Konzentrationen an Blei, Kupfer und Nickel kommen. Ursächlich für erhöhte Gehalte an diesen Metallen können das Leitungsmaterial und/oder die Betriebsbedingungen, wie beispielsweise die Verbrauchsmenge an Trinkwasser, sein. Längere Stagnationszeiten des Wassers in der Leitung infolge geringer Wasserabnahme können bei metallischen Leitungsmaterialen durch Wechselwirkungen zwischen Wasser und Leitungsmaterial zu erhöhten Metallgehalten im Wasser führen.

Das Labor für das wichtigste Lebensmittel Wasser ist mit modernster Technik ausgestattet. Bis zu 600 Trinkwasserproben pro Jahr werden in Sigmaringen untersucht.
Das Labor für das wichtigste Lebensmittel Wasser ist mit modernster Technik ausgestattet. Bis zu 600 Trinkwasserproben pro Jahr werden in Sigmaringen untersucht. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Erhöhte Bleigehalte resultieren übrigens nicht aus Bleileitungen, die in Baden-Württemberg seit Langem verboten sind, sondern aus technisch unvermeidbaren Bleianteilen in der Verzinkungsschicht der früher weit verbreiteten verzinkten Stahlleitungen. In moderneren Gebäuden komme das nur ganz selten vor.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser ist in Deutschland laut einer Statistik des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) durch einen bewussten Umgang mit Wasser seit 1990 kontinuierlich gesunken. „Und der geringste Anteil an Trinkwasser wird tatsächlich getrunken“, sagt der Laborleiter schmunzelnd. So würden rund 40 Liter pro Tag für die Körperhygiene verwendet und etwa 35 Liter lässt jeder Bundesbürger durch die Klospülung sausen. 30 Liter Trinkwasser werden von Waschmaschinen verbraucht. Da schlagen dann das Geschirrspülen (sieben Liter) oder die Wohnungsreinigung mit Blumengießen mit etwa sieben Litern pro Tag kaum noch zu Buche.

Gerhard Thielert ist Oberchemierat und dafür zuständig, dass Trinkwasser genauestens unter die Lupe genommen wird.
Gerhard Thielert ist Oberchemierat und dafür zuständig, dass Trinkwasser genauestens unter die Lupe genommen wird. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Das Prinzip aller Dinge

Der Mann vom Untersuchungsamt macht aber noch auf etwas aufmerksam, was dem Normalbürger wohl nur selten bewusst ist: „Wir verbrauchen kein Wasser, sondern wir gebrauchen es nur.“ Das bedeutet: Alles Trinkwasser, das irgendwie benutzt wird, landet im Endeffekt, auch über den Umweg Kläranlage, wieder im Wasserhaushalt der Erde. Deshalb sollte man auch keine Medikamente in der Toilette entsorgen. „Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser; aus Wasser ist alles, und ins Wasser kehrt alles zurück“, wusste schon der griechische Naturphilosoph Thales von Milet, der bereits vor Sokrates sinnvolle Gedanken äußerte.

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In Deutschland gilt Trinkwasser als das am besten untersuchte Lebensmittel. Also kann man es bedenkenlos trinken und auch mit Kohlensäure etwas aufpeppen, oder? „Die handelsüblichen Wassersprudler, bei denen ganz normales Leitungswasser in Flaschen mit Kohlensäure aus Patronen versetzt wird, sind vollkommen unbedenklich“, macht Gerhard Thielert deutlich. Allerdings gilt auch hier das Gebot der Hygiene. Man sollte die Flaschen vor jeder Neubefüllung reinigen und auch darauf achten, dass die Schraubverschlüsse einwandfrei sauber sind. Glasflaschen könne man leichter reinigen und brauche dazu auch nur selten Spezialreinigungsmittel, weiß der Laborleiter.

Gerhard Thielert entnimmt eine Probe aus dem Transportbehälter. Schon gekühlt.
Gerhard Thielert entnimmt eine Probe aus dem Transportbehälter. Schon gekühlt. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Und wie ist das mit den Wassertanks, die in modernen Kühlschränken eingebaut sind und das Zapfen von gekühltem Wasser auch bei geschlossener Kühlschranktür ermöglichen? „Auch hier gilt der Grundsatz der Sauberkeit: regelmäßiges und sorgfältiges Reinigen aller mit Wasser in Kontakt kommenden Flächen, gegebenenfalls auch unter Gebrauch von Spezialreinigungsmitteln oder dem alten Hausmittel Essig, mit gründlichem Nachspülen“, stellt der Chemiker fest.

Wer morgens Wasser trinken möchte, der sollte übrigens erst einmal etwas Flüssigkeit entweichen lassen. Denn nur das fließende Wasser ist wirklich frisch.

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