Der Sigmaringer Kreisvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Rudolf Christian, hatte bei der örtlichen Veranstaltung im Bürgersaal des Rathauses Laiz zum Tag der Arbeit seine Stimme deutlich erhoben. Ihn treibe die Sorge über die fast 19 000 Wähler im Landkreis um, die die AfD gewählt haben. Denn die AfD stehe für Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung am Arbeitsmarkt. Ihre Wortführer vom Schlage Gauland, Weidel und Meuthen, und die mit ihnen ideologisch nahestehende, gewaltbereite rechte Aktionsgruppen hätten mitzuverantworten, dass es ausländische Firmen kaum noch wagten, sich hier niederzulassen, geschweige denn neue Arbeitsplätze zu schaffen. Eine solche fatale politische Ausrichtung sei keine Alternative, weder für Deutschland, noch für die Welt, sagte der Kreis-DGB-Chef. Er verwies darauf, dass Menschenrechte weder Farbe, noch Religion oder Politik kennen würden. „Neonazis, AfD-Politiker und deren Sympathisanten haben in den Gewerkschaften nichts zu suchen. Lieber haben wir weniger Mitglieder als eine gefährliche Saat in den eigenen Reihen“, positionierte sich der Gewerkschafter in überdeutlicher Abgrenzung gegen jede Form rechter Gesinnung.

Christian griff die aktuelle Gewerkschaftslosung auf, in der neben der Vielfalt und Gerechtigkeit auch die Solidarität verankert sei. Er brach eine Lanze für unterschiedliche Lebensbedürfnisse. Konform gehe er deshalb auch mit den ausländischen Werktätigen, die zu 90 Prozent genau jene Jobs erledigen würden, die Deutsche nicht machen wollten. „Wir brauchen diese Menschen, ihre Arbeitskraft, ihr Wissen, aber auch ihre Kultur“, bekräftigte Christian. Er ist überzeugt davon: „Wenn die ausländischen Kolleginnen und Kollegen bei Zollern, beim Gühring, bei der Firma Eisele, beim Steidle, bei Kramer und bei Geberit nicht da wären, sieht es um die deutsche Industrie ganz finster aus!“

Fairer Umgang mit Geflüchteten

Rudolf Christian verteidigte ebenso die 370 Geflüchteten, die in der Erstaufnahmestelle in Sigmaringen untergebracht sind – auch wenn sich einige darunter befänden, die sich nicht benehmen könnten. Kritisch griff er aus seiner Sicht fixe Ideen und Vorschläge aus den politisch konservativen Kreisen zur Vorgehensweise und den Umgang mit den Flüchtlingen auf. „Solidarität habe ich mir da auch anders vorgestellt“, sagte der Kreis-DGB-Chef. Klar sei, dass die Behörden eingreifen müssten, wenn Menschen in der Kreisstadt straffällig geworden seien und die deutsche Gastfreundschaft ausnützten: „Aber nach rechtsstaatlichen Prinzipien, bitte schön!“

Dass straffällig gewordenen Bewohnern das Mobilgerät entzogen oder sie gar unter Hausarrest gestellt werden sollten, wie es Sigmaringens Bürgermeister Thomas Schärer in einem offenen Brief an Bund, Land und Landrätin Stefanie Bürkle gerichtet, zur Prüfung anheim stellte, hält der Gewerkschaftsführer für maßlos überzogen: „So etwas geht gar nicht!“ Würden beispielsweise die Rechtspopulisten an ihrer verächtlichen Meinungsmache und Hetze gegen Minderheiten gemessen, dürfte ein „Herr Meuthen und seine Kumpane von der AfD auch nicht frei herumlaufen“, merkte der DGB-Kreisvorsitzende süffisant an.