15 Zeugen geladen

Einblicke in die detailierte Justizarbeit bietet die Verhandlung gegen einen 29-jährigen Asylbewerber, die am 27. August fortgesetzt wird. 15 Zeugen hatte Richterin Kristina Selig zum ersten Prozesstag geladen, dazu einen Dolmetscher, den Verteidiger, die Anklagevertreterin und zwei JVA-Beamten bringen den Beschuldigten vom Gefängnis nach Sigmaringen, in Fußfessel. Der Marokkaner sorgt gleich für eine Überraschung, als er angibt, in Frankreich verheiratet zu sein. Dann folgt die Verlesung von vier Anklageschriften, die der Dolmetscher simultan übersetzt, darunter mehrfacher Diebstahl, unerlaubter Aufenthalt des Asylbewerbers außerhalb des zugewiesenen Bezirks, Sachbeschädigung und in der Landeserstaufnahme habe er mehrere Feuerlöscher unbrauchbar gemacht.

Asylbewerber verstößt gegen Residenzpflicht

Der schlanke Mann verfolgt das Geschehen ziemlich regungslos und genauso gesteht er die Diebstähle. „Ich hatte nichts zu rauchen, zu trinken, kein Geld oder keine Klamotten“, gibt er jeweils als Grund für das Klauen an. Dass er die Kreisstadt nicht verlassen durfte, habe er nicht gewusst, erklärt er seine Ausflüge nach Balingen, Albstadt oder Stuttgart. Lebhaft, ja energisch wird der Beschuldigte immer dann, wenn er etwas ganz genau weiß, obwohl Zeugen, Richter oder Staatsanwaltschaft das Gegenteil beweisen.

Viele Ladendiebstähle

Etliche Ladendiebstähle werden von der Anklagevertreterin aufgelistet, zumeist sind es Zigaretten oder Klamotten. In einem Fall beobachtet ein Ehepaar, das in der Security-Branche arbeitet, wie der Beschuldigte einige Päckchen Zigaretten aus dem Regal nimmt, aber später nicht auf das Kassenband legt, berichtet die als Zeugin geladene Frau. Sie informiert die Verkäuferin, die konfrontiert den Mann mit dem Vorwurf, der aus dem Einkaufsmarkt flüchtet. Schnell ist die Fahndung im Gang und eine halbe Stunde später wird er beim Betreten der Erstaufnahmestelle festgehalten. Bei der Durchsuchung seines Rucksacks entdeckt der diensthabende Polizist das Diebesgut, wie er dem Gericht schildert.

Randale in Gaststätte

Ein gravierender Vorfall ereignete sich kurz vor Weihnachten in einer Gaststätte. Mit zwei weiteren Asylbewerbern war der Beschuldigte beim Sisha-Rauchen, wobei das Trio ziemlich laut war. Eine Gruppe fühlte sich gestört und ein junger Mann bittet um etwas mehr Ruhe. „Ich f.... deine Mutter“, erhielt er als Antwort, sagt der Zeuge aus. Er sei dann zu dem Betreffenden gegangen und habe ihm erklärt: „So was sagt man nicht.“ Wenige Sekunden später prallte ein Bierkrug gegen seinen Hinterkopf, und es wurde tumultartig. Die Kumpels kümmerten sich um den Verletzten, der eine Platzwunde hatte, und die Bedienung verwies das randalierende Trio aus dem Lokal. Vor der Gaststätte nahm einer ein Werbeschild und zertrümmerte damit zwei Fenster und die Eingangstür. „Warum werde ich befragt? Ich habe dort nichts gemacht“, versichert der Beschuldigte.

Fortsetzungstermin anberaumt

Weil einige Zeugen fehlten, und noch nicht jeder Sachverhalt bis ins Kleinste beleuchtet werden konnte, hatte Richterin Selig schon vorab einen Folgetermin anberaumt. Die Justiz wird auch im Anschluss an diese Mammutverhandlung noch Gelegenheit haben, sich mit dem Beschuldigten zu beschäftigen. Ein als Zeuge geladener Kommissar informierte, dass man derzeit dabei sei, alle offenen Fälle des Mannes zu sammeln und dann an die Staatsanwaltschaft zu schicken. Aktuell habe man 30 Fälle, darunter Diebstahl, Beleidigungen und zwei Verdachtsfälle wegen exhibitionistischer Handlungen. In etwa einem Monat werde sie das Material auf ihrem Schreibtisch haben, erfuhr die Anklagevertreterin auf Nachfrage.