Um es salopp zu formulieren: Die gute alte Tante SPD hat mittlerweile schwer zu kämpfen in ihrer öffentlichen Warnehmung. Gerade mal drei Hände voll an Genossen aus dem Kreisgebiet sind der Einladung ihres Sigmaringer SPD-Kreisvorsitzenden Michael Femmer gefolgt, um mehr von der Landtagsabgeordneten Sabine Wölfle über die Halbzeitbilanz ihrer Partei zu erfahren. Die 59-Jährige ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Sprecherin für Sozial- und Frauenpolitik, für Integration und Inklusion sowie Tourismuspolitische Sprecherin.

Eigentlich wollte sich die Abgeordnete in dicken Lettern bilanzhalterisch auch mit der Landesregierung auseinandersetzen, die mehr Schein als Sein sei, in punkto Gemeinschaftsschulen und Inklusion die Rolle rückwärts mache. Doch bei ihrem Vortrag in der Alten Schule in Sigmaringen widmet sie sich doch mehr jenen Themenbereichen, für die ihre "Bildungspartei" steht: "Wir wollen vier bis fünf Schwerpunkte sehr konzentriert vermitteln." Es steht aus sozialpolitischer Sicht viel Kluges und Erstrebenswertes im Positionspapier drin. Da setzt die SPD ihre Forderungen auf nach beitragsfreien Kindertagesstätten, zum massiven Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs, einer flächendecken ärztlichen Versorgung und der Pflege – alles, was die Leute aktuell besonders umtreibt.

Ein Megathema sei auch der Wohnungsbau, hierzu will sich die SPD-Fraktion für eine halbe Million neuer Wohnungen bis 2025 stark machen. "Ein Riesenproblem", sagt Wölfle. Sie wisse, dass 22 Prozent aller Obdachlosen Frauen sind, weil sie ihre Miete nicht mehr bezahlen könnten. Auch sehr viele ältere Menschen seien davon betroffen. "Da rollen Probleme auf uns zu. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander!"

Und da hakt der SPD-Ortsvereinsvorsitzende von Pfullendorf, Hans Halder, ein. Wieso könne die Partei sich nicht auf einen Schwerpunkt verlegen und beispielsweise massiv für den Wohnungsbau trommeln, der hochaktuelle Brisanz besitzt. Es käme zuwenig aus dem Landtagsbetrieb auf die Kommunen zurück: "Der SPD gelingt es nicht, mehr PS auf die Straße zu bringen." Ein anderer Genosse klagt: "Es kommt nichts nach." Ihn stimmt der stagnierende Erneuerungsprozess in der SPD in Bund und Land unzufrieden.

Für Sabine Wölfle sind das total berechtigte Fragen, die Wahrnehmung ihrer Partei in den Medien sei natürlich geringer. Beinahe entschuldigend verweist sie darauf, dass die AfD, die sie für unsäglich hält, und nicht die Sozialdemokraten Oppositionsführer seien, ja, sich die SPD-Fraktion seit der Landtagswahl 2016 halbiert habe: "Wir haben nur noch 19 Abgeordnete." Gleichwohl kommt auch Sabine Wölfle, die selbst früher Stadträtin in Waldkirch war, zu dem Schluss: "Wir müssen kleinteiliger in die Gruppen reingehen. Wir müssen wieder eine richtige Graswurzelarbeit machen!"