Kreis Sigmaringen – Hobbygärtner und Ostbauern befinden sich im Augenblick wohl in der stressigsten Zeit des Jahres: Es ist Erntezeit. Die Bäume und Sträucher in unserer Region haben sich in diesem Jahr besonders wohl gefühlt bei warmen Wetter und ausgebliebenem Frost. So sind aus der im Frühjahr schön anzusehenden Blütenpracht in den letzten Wochen unzählige Früchte entstanden. Marktstände und auch Einkaufsläden können derzeit mit vollen Regalen auftrumpfen.

Für manchen Freizeitgärtner dürfte die große Menge an reifem Obst und saftigen Beeren aber auch zu viel sein, um die schmackhafte Pracht selber zu verbrauchen. Glücklicherweise gibt es noch andere Lösungswege, um überzählige Früchte verarbeiten lassen zu können. "Bei uns ist zurzeit viel los", erzählt Katharina Pfister von der ZG-Raiffeisen-Niederlassung in Krähenried auf SÜDKURIER-Anfrage. Die meisten kommen mit Traktoren oder bringen einen Hänger mit, aber es kommen auch jede Menge Privatpersonen, um eine Fülle geernteter Äpfel abzugeben. Hier würden die Äpfel dann auf die im Hof stehenden Boxen gefüllt. Mindestabnahmemenge sind jedoch zehn Kilogramm. Ihre Kunden erhalten dafür ein Safttauschkärtchen, das sie im ZG-Raiffeisenmarkt in Pfullendorf zum Erzeugerpreis einlösen können oder sie erhalten auf Wunsch auch eine Barauszahlung.

In verschiedenen Regionen werden auch Seminare zum klassischen Einwecken angeboten, dass in diesem Jahr wieder eine Renaissance erlebt. Da bieten auch Landfrauen, die sich mit dem Einkochen bestens auskennen, ihre Tipps an, wie man die Ernte quasi auf ewig haltbar machen kann. Denn das Ergebnis, sofern alles richtig bei 90 Grad gekocht ist, könne wenigstens zwei bis drei Jahre oder gar noch länger halten, verrät uns eine Expertin. Im Landfrauen-Bezirk Überlingen ist das aktuell kein Diskussionspunkt. "Zum Thema Marmelade- und Brotaufstriche haben wir nichts auf dem Tisch", witzelt Karin Duelli aus Hilpensberg beim Telefonat. Sie hat in Pfullendorf den Vorsitz bei den Landfrauen inne und ist im Bezirk die stellvertretende Vorsitzende. Gleichwohl ist das Marmelade machen ihr gewiss nicht fremd: Sie verarbeitet Äpfel, Brombeeren, Himbeeren, Kirschen und Zwetschgen – "aber nur für den Eigenbedarf", wie sie betont. Dafür verweist Karin Duelli gerne auf einen legendären Hof im Hochschwarzwald: Claudias Früchteküche in Löffinger Ortsteil Unadingen wird von Gästen sehr geschätzt, in deren Laden 90 verschiedene Produkte aus Obst und Gemüse hergestellt und verkauft werden.

Hans Straub ist Vorsitzender des Obst- und Gartenvereins Ablach, einem Teilort von Krauchenwies. Der Verein betreut Streuobstwiesen entlang der Wege. Und er kann aus dem Stegreif sagen, dass im Vergleich zum Vorjahr in etwa ein Drittel mehr an verschiedenen Sorten von Äpfeln und Birnen angefallen ist.

Sibylle Klingenberg, Leiterin des nicht minder rührigen Obst- und Gartenbauvereins Göggingen, spricht sogar von einem "überragenden Ergebnis". Konkrete Zahlen könne sie aber erst am Obstlesetag im Herbst verkünden. In ihrer Anlage am Ortsausgang in Richtung Menningen gibt es über 20 Sorten querbeet zu entdecken: Es stehen Äpfel-, Birnen-, Walnuss-, Zwetschgen- und Kirschenbäume auf der Plantage, aber auch jede Menge Beerenobst. Überwiegend sind die Sträucher mit Himbeeren, Johannisbeeren und Stachelbeeren behangen. Verwertet wird vom Verein alles, was an Früchten zu ernten ist. Wie groß die Unterschiede zum Vorjahr sind, lässt sich für Sybille Klingenberg schon darin bemessen, dass sie das Mostfest mangels Ernteertrag absagen musste. Jetzt könne sie damit wieder durchstarten – und zwar am 26. September.

Die Obst- und Gartenbauberatung im Landkreis Sigmaringen fällt indes für Landratsamt-Mitarbeiter im Grünen Zentrum in Laiz nicht so schwer ins Gewicht, da es sich im Streuobstbereich nur um kleinere Bestände handeln würde, heißt es aus der Behörde.