Die jüngste Konjunkturumfrage stimmt Harald Hermann, Präsident der Handwerkskammer Reutlingen, positiv. „Die Stimmung im regionalen Handwerk ist gut, wenn auch nicht so euphorisch wie im Vorjahr“, fasst er das Ergebnis zusammen. Danach legten Auftragseingänge, Auslastung und Umsätze im ersten Quartal dieses Jahres zu, allerdings sei die Stimmung der Betriebe im Vergleich zum Vorjahr etwas gedämpfter ausgefallen.

Knapp zwei Drittel der befragten Betriebe in den fünf Landkreisen der Kammer bewerteten die Geschäftslage mit „gut“, jeder zehnte als schlecht. Vor zwölf Monaten lag der Anteil der negativen Bewertungen bei 4,6 Prozent. „Die Umfrageergebnisse liegen für ein Winterquartal eher im oberen Bereich“, analysiert Herrmann. Am stabilen wirtschaftlichen Umfeld habe sich nichts geändert, möglicherweise aber bei der Einschätzung der Risiken, wie etwa steigende Zinsen oder Folgen von Handelsbeschränkungen. Jedes vierte Unternehmen würde mehr Bestellungen verzeichnen. Der durchschnittliche Auftragsbestand liege mit 9,65 Wochen über dem Vorjahreswert. Im Bauhauptgewerbe seien es 16,2 Wochen, zweieinhalb Wochen mehr als vor einem Jahr. Auch die gewerblichen Zulieferer hätten ein Auftragspolster aufbauen können, ihr gemeldeter Bestand läge bei 9,6 Wochen – im Vorjahr waren es acht.

"Wir sind voll bis Ultimo, so etwas hat es noch nie gegeben", bestätigt Maurermeister Marco Graf aus dem Pfullendorfer Weiler Litzelbach im Gespräch mit dem SÜDKURIER volle Auftragsbücher bei einer extrem hohen Arbeitskonjunktur. Er hat 22 Beschäftigte. Doch auf dem Arbeitsmarkt gebe es so gut wie keine Facharbeiter mehr. Und ob die aktuelle Lage auf Dauer so gut sei, da äußert er leichte Zweifel.

Im Kammerbezirk wird die deutliche Zunahme in der Auslastung der Unternehmen bestätigt. 42 Prozent hätten ihre Kapazitäten im Winterquartal nahezu vollständig genutzt und 9,3 Prozent über der 100-Prozent-Marke gearbeitet. Deutlich über dem Kammerdurchschnitt lägen die Metall- und Elektrobetriebe: jeder zweite Betrieb sei zu 90 Prozent ausgelastet, jeder vierte gehe über die Volllast hinaus. Die hohe Auslastung der Betriebe führe mitunter zu längeren Wartezeiten. Wofür nicht jeder Verbraucher Verständnis zeige.

Ebenfalls verbessert habe sich die Umsatzlage. Sie führe dazu, dass der saisonal bedingte negative Saldo geringer ausfalle: 22,3 Prozent der Handwerksbetriebe hätten ein Plus (im Vorjahr: 19,5 Prozent) erzielt.

Die Frühjahrsprognose der Betriebe falle zuversichtlich aus, so die Einschätzung der Handwerkskammer. Rund die Hälfte der Betriebe, nämlich 49,1 Prozent, würde mit einer stabilen Entwicklung rechnen, fast genauso viele, 47,2 Prozent, zögen ins Kalkül, dass sich ihre Geschäftslage im zweiten Quartal verbessert. Dies dürfte zu neuen Arbeitsplätzen führen. Mehr als 15 Prozent der Betriebe bekundeten ihre Absicht, in den nächsten Wochen zusätzliches Personal einzustellen.

Handwerkskammer

Der Kammerbezirk vertritt die Landkreise Freudenstadt, Tübingen, Reutlingen, Zollernalb und Sigmaringen. Die 13 600 Handwerksbetriebe in den Landkreisen erwirtschaften einen Umsatz von 9,2 Milliarden Euro. Sie beschäftigen über 78 000 Mitarbeiter und bilden rund 4 900 junge Menschen aus. Rund 200 Personen sind bei den Meister- und Sachkundeprüfungen tätig, etwa 60 Personen arbeiten ehrenamtlich in den Fortbildungsausschüssen mit sowie 890 in den Zwischen-, Abschluss- und Gesellenprüfungskommissionen. Die Handwerkskammer hat aktuell 101 Mitarbeiter, der Frauenanteil liegt bei 61 Prozent Es werden Beratungen zur Betriebswirtschaft, Technik und Innovation, zur Umwelt und Energie, zum Recht und zur Ausbildung angeboten. (jüw)