Sie sind umschwärmt, begehrt und haben schier die Qual der Ausbildungs- und Berufswahl – die 1000 Schüler der Gymnasien im Landkreis Sigmaringen, die 2019 ihr Abitur machen. Bei der 17. Auflage der Bildungsmesse "Visionen" in der Fachhochschule Sigmaringen erhielten die Jugendlichen gestern viele Informationen, Tipps und Anregungen "für eine der wichtigsten Weichenstellungen des Lebens", wie Hochschulprofessor Markus Lehmann erklärte.

Der Schulabschluss sei der Schlüssel zum künftigen Erfolg, ermunterte er die Jugendlichen ausdrücklich, für sich selbst eine Vision zu entwickeln, den eigenen Zukunftsweg zu gehen und ohne Angst Entscheidungen zu treffen und diese eventuell auch wieder zu korrigieren. Materielles Sach- und Finanzvermögen könne verschwinden, "aber die eigene Qualifikation und Persönlichkeit kann ihnen niemand wegnehmen", wies Lehmann daraufhin, dass es im von Wohlstand, Frieden und Sicherheit geprägten Deutschland vielfältige Möglichkeiten gebe, sich in Studium und Ausbildung zu verwirklichen.

An den Universitäten, Hochschulen und sonstigen Bildungsstätten gebe es 19 600 Möglichkeiten für eine Immatrikulation. Ausdrücklich ermunterte er die Schülerinnen, ein technisches Studium zu absolvieren, auch weil Mädchen in der Schule in Fächern wie Physik oder Mathematik häufig gute Noten hätten, sich später aber das Studium nicht zutrauten.

"Kein Heizungsbauer wird aus China einfliegen", erklärte Ausbildungsberater Michael Wittich von der Handwerkskammer Reutlingen in seinem Kurzvortrag, dass Handwerker, anders als die IT-Branche, sich nicht vor weltweiter Konkurrenz fürchten müssen. Er sprach von den besten Zeiten, die das Handwerk erlebe und die Wirtschaft brauche junge Menschen. Gleichzeitig biete das Handwerk viele Fortbildungschancen, die letztlich mit akademischen Abschlüssen gleich gesetzt würden, nannte er den Bauingenieur plus, der seit Jahren von den Baufirmen Reisch und Stocker angeboten wird.

Während der fünfjährigen Ausbildungs- und Studienzeit gibt es eine Ausbildungsvergütung, und der Monatsverdienst im dritten Lehrjahr beträgt 1450 Euro. Die Lehrzeit von Abiturienten in Handwerksberufen wird von drei auf zwei Jahre reduziert und wenn es in der Schule gut läuft, könne die Abschlussprüfung früher gemacht und die Lehrzeit um weitere sechs Monate verringert werden, vergaß Wittich nicht zu erwähnen, dass allein im Kammerbezirk 3000 Nachfolger für Handwerksbetriebe gesucht werden.

Sein Kollege Udo Roth von der Industrie- und Handelskammer ergänzte, dass es deutschlandweit 350 Ausbildungsberufe gebe. "Manche Berufe verschwinden, werden angepasst oder es gibt neue Berufe", nannte Roth den früheren Technischen Zeichner als Beispiel, der zum Technischen Produktdesigner modifiziert wurde. Seit August gibt es den Ausbildungsgang "Flachglastechnologie".

Dann klapperten die Schüler die Ausstellungsstände von Firmen und Behörden ab, wo sie vornehmlich von Auszubildenden und Studenten über die Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten informiert wurden. Dass alle Absolventen beim Radladerhersteller Kramer nach dem Abschluss ein Übernahmeangebot für mindestens ein Jahr erhalten, erzählten Nicole Schwab und Melanie Damrath, die beim Pfullendorfer Unternehmen eine Ausbildung als Industriekauffrau mit Zusatzqualifikationen absolvieren. Dass die Arbeit beim Finanzamt abwechslungsreich ist, berichteten die frisch gebackenen Finanzinspektorinnen Diana Geiselhart und Lena Burth. "Habt ihr auch was mit Geldwäsche zu tun?", fragte Jonas Storrer, der mit Kumpel Jan Keckeisen an der Willi-Burth-Schule im nächsten Jahr die Fachhochschulreife erwerben will. Ob Geldwäsche, Steuerfahndung oder Pfändung – die Inspektorinnen haben während ihres dualen Studiums, das mit monatlich 1200 Euro vergütet wurde, schon alles kennengelernt und bleiben dem Finanzamt auch treu.