Jugendliche haben derzeit enorm gute Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Das Angebot der Lehrstellen übersteigt die Nachfrage deutlich. Diese positive Bilanz zogen Vanessa Appeltauer (Geschäftsführerin operativ bei der Agentur für Arbeit Balingen), Markus Brunnbauer (Bereichsleiter Ausbildung bei der IHK Bodensee-Oberschwaben) und Karl-Heinz Goller, der bei der Handwerkskammer Reutlingen Abteilungsleiter für den Bereich Ausbildung ist, bei einem Pressegespräch. Im Verlauf des Berufsberatungsjahres von Oktober 2018 bis September 2019 waren im Agenturbezirk, zu dem die Landkreise Zollernalb und Sigmaringen gehören, 1790 junge Leute gemeldet, die gerne eine betriebliche Ausbildung machen wollten. Das waren 25 weniger als im Jahr vorher. Gesunken ist aber auch das Angebot an Ausbildungsstellen.

Aktuelle Zahlen zur Ausbildung

Rund 3100 Auszubildende wurden von Betrieben und Verwaltungen gesucht. Das waren nahezu 300 weniger als im Vorjahr. Während im Zollernalbkreis die Bewerberzahl um knapp sechs Prozent und die Zahl der Ausbildungsstellen um fast 14 Prozent gesunken sind, steht der Landkreis Sigmaringen mit einer um sieben Prozent auf 680 Bewerber gestiegenen Zahl sehr positiv da. Auch das Minus von nur drei Prozent auf etwa 1500 Ausbildungsteilen ist aus Sicht der Experten sehr erfreulich. Am Ende des Berufsberatungsjahres blieben nur 60 Jugendliche im Agenturbezirk unversorgt. Etwas mehr als 130 Bewerber entschieden sich letztendlich für ein Arbeitsverhältnis oder die Ableistung eines sozialen Dienstes.

Plus von 7,4 Prozent

Mit einem Plus von 7,4 Prozent neu eingetragener Ausbildungsverhältnisse ist die IHK Bodensee-Oberschwaben Spitzenreiter in Baden-Württemberg. Mark Brunnbauer hat eine Umkehr in der Denkweise junger Leute ausgemacht. „Die wollen wieder mehr in der Region blieben und hier eine Ausbildung machen. Und sie wollen später auch hier arbeiten“, ist der Mann von der IHK überzeugt. Offensichtlich spiele die Lebensqualität im ländlichen Raum eine immer größere Rolle und auch die Familie gewinne wieder an Stellenwert. Dass die Betriebe sich sehr um den Nachwuchs bemühten, das sei ein zusätzliches Signal, dessen positive Auswirkungen bereits zu spüren seien. Bei den Ausbildungsberufe führen die gewerblich-technischen Berufe noch immer die Hitliste an.

Das könnte Sie auch interessieren

Im Bereich des Handwerks herrscht ebenfalls Zufriedenheit. Als einziger Landkreis im Kammerbezirk Reutlingen, zu dem Freudenstadt, Reutlingen, Tübingen und Zollernalb gehören, kann Sigmaringen ein Plus an neu geschlossenen Berufsausbildungsverhältnissen aufweisen. Es sind zwar nur 0,4 Prozent, aber alle anderen Landkreise weisen ein deutliches Minus aus. Reutlingen sogar 16,4 Prozent. Mit 240 Verträgen dominieren die gewerblichen Berufe eindeutig. Und hier sind Elektro-Metall und das Baugewerbe die Spitzenreiter. In 190 Fällen wurde im Jahr 2018 das Ausbildungsverhältnis bereits in der Probezeit aufgelöst. Karl-Heinz Goller hofft, dass diese Zahl im laufenden Ausbildungsjahr niedriger sein wird.

Das könnte Sie auch interessieren

„Übrigens sind 80 Azubis erst gar nicht zum Ausbildungsbeginn erschienen“, fügt er hinzu. Er und auch IHK-Mann Brunnbauer loben die Bemühungen der Schulen. Und wie sieht es mit den Flüchtlingen aus? Goller kann da Positives berichten. Von 21 hätten 17 dieses Jahr die Prüfungen geschafft. Vier seien in der Theorie durchgefallen. Das liege aber nicht am Willen oder der Motivation, sondern an der mangelnden Vorbildung. Vanessa Appeltauer rät jungen Leuten, sich möglichst bald mit Berufswünschen zu beschäftigen. Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz in dem Beruf, den man am meisten mag, würden mit jeder ungenutzten Woche sinken.