Der Hilferuf aus dem Süden des Ländles ist nicht unbedingt erhört worden: Mit der Planung der Umgehungsstraße B311-neu/B 313 soll frühestens ab dem Jahr 2025 begonnen werden. In einer Straßenbaukonferenz des Verkehrsministeriums in Stuttgart sind Am Dienstagnachmittag auch die Neu- und Ausbaumaßnahmen für den Regierungsbezirk Tübingen, zu dem der Landkreis Sigmaringen gehört, auf einer Prioritätenliste in ihrer Neueinstufung präsentiert worden.

Im Landkreis zählen zu den priorisierten Straßenprojekten die Bundesstraßen B 311-neu zur B 313 von Sigmaringen nach Mengen (Gesamtkosten: 70 Millionen Euro, nunmehr an dritter Stelle geführt) und von Vilsingen nach Engelswies (Gesamtkosten 36 Millionen Euro, an zehnter Stelle). Dafür hatten der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß, die Sigmaringer Kreisverwaltung, aber auch die Nachbarkreise lautstark getrommelt. Diese Straßen waren nach parlamentarischen Beratungen im neuen Bundesverkehrswegeplan in der Einstufung in den vordringlichen Bedarf gerückt. Die Maßnahme von Mengen nach Sigmaringen und von Vilsingen nach Engelswies soll eine etwa 13,6 Kilometer lange Strecke umfassen, die Trassenführung ist bereits am 30. Juli 2013 grob festgelegt worden. Sie stellt im Straßenkonzept von Baden-Württemberg eine wichtige Ost-West-Hauptverbindungsstraße zwischen den Räumen Ulm und Freiburg dar. Die jetzige Verbindung zwischen Mengen und Sigmaringen führt durch größere Orte und wird deshalb als umständlich und zeitaufwändig empfunden.

In einem ersten Bauabschnitt der Umgehungsmaßnahme sollen nun die Ortsdurchfahrten entlang der B32 entlastet werden. Das zweite Teilprojekt soll zum spürbaren Rückgang des Verkehrs in Engelswies und Vilsingen an der B 311 führen. Im Verbund beider Teilprojekte würde auch in Leitishofen, Göggingen, Krauchenwies und Rulfingen der überörtliche Durchgangsverkehr merklich zurückgehen. Hier quält sich der Verkehr durch die Ortschaften, schleichen Autofahrer hinter Schlangen von Lastern her. Wenn die Umgehungsstraße realisiert wird, soll das Verkehrsaufkommen durch diese Kommunen um 11 000 Fahrzeuge reduziert werden, pro Tag versteht sich. Und die großräumige Bündelung und Verlegung der Verkehrsströme könnte den Verkehrsfluss verbessern. Des Weiteren würden sich neue Möglichkeiten für die innerörtliche Gestaltung bieten. Diese Ziele könnten aber nur erreicht werden, wenn beide Teilprojekte umgesetzt würden, heißt es zur Begründung der Dringlichkeitseinstufung.

Zur Stützung dieser Argumentation hatte Landrätin Stefanie Bürkle für die Region schon im Vorjahr eine Verkehrs- und Räumlichkeitsentwicklungsanalyse anfertigen lassen. Ein Ergebnis war, dass die Verkehrsinfrastruktur mit der Wirtschaftskraft und deren Entwicklung nicht übereinstimmt. "Es gibt eine große Unzufriedenheit in der Unternehmerschaft mit der verkehrlichen Anbindung!", hatte auch Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm, die aktuelle Verkehrssituation bemängelt. Der Bau einer geplanten Umgehungsstraße, deren exakte Trassenführung noch umstritten und noch zu verhandeln ist, würde neun Ortschaften im Landkreis vom Verkehr entlasten, heißt es im Bundesverkehrswegeplan.