Die Christdemokraten im Landkreis stehen einer Großen Koalition (GroKo) weitaus zuversichtlicher gegenüber, als die SPD, die in einer SÜDKURIER-Umfrage vor ihrem Parteitag in Bonn ihre tiefe innere Zerrissenheit offenbarte. Für den Sigmaringer CDU-Kreisvorsitzenden und Sigmaringer Landtagsabgeordneten Klaus Burger ist dies logisch erklärbar. "Wenn der Spitzenkandidat der SPD, Martin Schulz, schon am Wahlabend verkündet, dass er in die Opposition gehen will und eine Regierung mit der Union ablehnt und dann wochenlang braucht, um für Sondierungsgespräche bereit zu sein und diese zu verhandeln, und jetzt, obwohl die Koalitionsverhandlungen noch kaum begonnen haben, schon einen Ministerposten fordert, dann braucht man sich über eine Zerrissenheit der SPD nicht wundern", sagt Burger. Er verstehe die Befürchtung der SPD, durch eine weitere Regierungsbeteiligung "quasi verzwergt" zu werden. Trotzdem gelte für ihn der alte Satz des früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel: "Erst das Land, dann die Partei. Es können nicht alle davonlaufen."

In seiner Partei würde auf Kreisebene sehr sachlich und auf allen Ebenen über dieses Thema diskutiert. "Mir wird zurückgespiegelt, dass eine Wahl keine Wunschveranstaltung der Parteien ist. Die Wähler haben ein Votum abgegeben und erwarten, dass dieser Auftrag umgesetzt wird." Dass eine Koalition nie dazu geeignet sei, huntertprozentige Forderungen einer Partei durchzusetzen, liege in der Natur der Sache. Klaus Burger hält die Große Koalition aber für unabdingbar – zumal Neuwahlen unterm Strich nach allem, was Umfragen von Instituten verheißen würden, kein anderes Ergebnis erbrächten.

Das Für und Wider einer GroKo haben auch die CDU-Mitglieder im Oberen Linzgau (Pfullendorf, Aach-Linz, Wald, Herdwangen-Schönach und Illmensee) im Pfullendorfer Gasthaus "Lamm" im Dezember vergangenen Jahres ausführlich intern diskutiert, so Roland Brucker. Er ist seit 1998 Pfullendorfs CDU-Stadtverbandsvorsitzender und berichtet, dass 60 Parteimitglieder sich unter Mitwirkung des CDU-Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen in dieser Lokalität versammelten. Bei einer Probeabstimmung hätte sich kaum einer für Neuwahlen ausgesprochen, etwa die Hälfte votierte für eine GroKo oder eine Minderheitsregierung. Letzteres hält Roland Brucker aber für überhaupt nicht praktikabel, da bei jeder Entscheidung eine eigene Mehrheit gefunden werden müsste. Von daher sei es, so holprig der Weg dahin führe, die einzig verbliebene Alternative, um eine Regierung auf die Beine zu stellen. "Die sollen sich hart reiben und dann eine vernünftiges Kabinett bilden", empfiehlt Brucker den Verhandlungsführern von Union und SPD.