Unter den Verbänden, die sich kreisweit dem Umweltschutz widmen, gilt, wie es der Name schon verrät, der Bund für Umweltschutz und Natur (BUND) als einer der aktivsten. Die Akteure in Sigmaringen tun sich als besonders rührig hervor. Sie hatten sich nicht nur vor sieben Jahren mit dem Jubiläumsvortrag anlässlich seines 25-jährigen Bestehens mit „Visionen für eine zukunftsfähige Kommune“ befasst. Für die Umweltschützer galt der Bau der Hohenzollernstraße als Entlastungsstraße der Kernstadt als eines der wichtigsten kommunalen Projekte der vergangenen Jahre. Da hatten der Vorsitzende Gerhard Stumpp und dessen Mitstreiter vom Sigmaringer BUND im Einklang mit der Stadtverwaltung dazu beitragen können, dass die Trassenführung in Teilbereichen geändert wurde und somit weniger umweltschädlich sei, ebenso seien auf zufriedenstellende Weise die Ausgleichsmaßnahmen realisiert worden.

Für alle dem Klimaschutz zugewandt handelnden Personen sei klar, dass die Menschen insbesondere in den Industrieländern nicht mehr so tun könnten, als hätten sie vier Erden und deren Ressourcen zur Verfügung. Dieses Denken sei weder nachhaltig noch zukunftsfähig. Klimaschutz sei das Thema des 21. Jahrhunderts schlechthin. „Es ist eine Überlebensfrage für die Menschheit“, betont Gerhard Stumpp, der grüner Stadtrat ist und als Oberstudienrat an der Liebfrauenschule die Solar-AG leitet. Stumpp setzt sich zudem engagiert für den fairen Handel ein, das jetzt Thema eines Vortrags am kommenden Montag ist (siehe Infokasten).

Dem Dogma eines ständigen Wirtschaftswachstums stellen die dem Umweltschutz verpflichteten Kreisverbände eine eigene Zukunftsvision entgegen: Ihr kosmopolitisches Leitbild fordert ein Gastrecht für alle ein. Ihr ökologisches Leitbild setzt auf Stichworte wie besser, anders, weniger. Der Schwerpunkt liege auf „gut leben, statt viel zu haben“. Beim wirtschaftspolitischen Leitbild favorisieren die Umweltschützer die ökosoziale Marktwirtschaft. Für die Kommunen im Landkreis würde dies bedeuten, dass für eine Wende zur Solarwirtschaft sich neue Versorgungsstrukturen bilden müssten, wobei dezentralen Akteuren wie den Stadtwerken eine zentrale Rolle zukommen müsse. Großes Potenzial wird in der Solarenergie gesehen. Energiesparen müsse zum Volkssport werden, was Schwaben und Badener im Landkreis ja nicht so schwerfallen dürfte, so die Hoffnung der Akteure. Sie treten für ein kommunales Energiemanagement ein und fordern generell eine Professionalisierung in der Gebäudeplanung. Es dürfe keine Renovierung einer Immobilie mehr ohne energetische Sanierung geben. Nicht Wutbürger, sondern Mutbürger seien gefragt.

Eine gewichtige Rolle spielt für die Sigmaringer Ortsgruppe auch der Natur-, Arten- und Biotopschutz. So verfüge die Gemarkung Sigmaringen noch über etliche nährstoffarme Biotope mit einer reichhaltigen Ausstattung mit seltenen Arten der Flora und Fauna, wie Orchideen, Enzianarten und Schmetterlinge. Besondere Erwähnung findet hierbei ihre Pflege der Wacholderheiden Guibstein und Hungerbühl in Kooperation mit den Jägern des Hegerings Sigmaringen sowie der Feuchtgebiete Wasenried und Brunnenäderle.

Maßgeblich beteiligt haben sich die Sigmaringer an der Ausweisung und Umsetzung der Pflege- und Entwicklungspläne für das Naturschutzgebiet Untere Au in Laiz. Darüber hinaus engagieren sie sich auch bei den Regelungen für das Bootfahren auf der Donau und an der Kletterregelung am Schaufelsen.

Die BUND-Aktivisten setzen sich deshalb schon lange auf verschiedenen Ebenen für die Artenvielfalt ein: Mit politischem Druck und rechtlichem Widerstand wenden sie sich gegen jede Form der Naturzerstörung. Mit dem praktischen Einsatz vieler Freiwilliger sollen im Kreis wertvolle Lebensräume erhalten und betreut werden. Bei ihrer Biotoppflege-Aktion in Oberschmeien weisen die Sigmaringer auf den ökologischen Wert der Wachholderheiden hin, wozu die zum 111-Artenkorb des Landes zählende Elsbeere, der Frauenschuh, die Küchenschelle und die Zauneidechse gehören.

In Orts- und Kreisgruppen bauen Mitglieder, wie zuletzt aus Pfullendorf berichtet, Krötenzäune. Sie organisieren Schmetterlingszählungen oder pflegen die lokale Orchideenwiese. Vereint in Landesverbänden, kämpfen sie für Schutz und Ausweitung wichtiger Rückzugsgebiete heimischer Tiere und Pflanzen. In bundesweiten Projekten soll das „Rettungsnetz für die Wildkatze“ geschaffen werden – eines der größten Artenschutzprojekte Europas.