Vor zweieinhalb Monaten hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) die eigene Dachmarke für den Schienenverkehr feierlich präsentiert. Sie heißt "bwegt" und steht für Mobilität im Ländle, verbunden mit einer Angebots- und Qualitätsoffensive. Womit der Öffentliche Personennahverkehr in eine Ära geführt werden soll. "Alle können Teil einer Bewegung werden. Mit den neuen Zügen und kundenfreundlichen Angeboten können wir Baden-Württemberg zum Wegbereiter nachhaltiger Mobilität machen", sagte der Minister. Die neue Dachmarke löst den seit 20 Jahren bestehenden "3-Löwen-Takt" ab.

Die neuen, in hellerer und moderner Farbgebung im landeseigenen Design gehaltenen Züge sind tatsächlich schon auf der regionalen Strecke unterwegs. „Toll, dass die neuesten Neigetechnikfahrzeuge der Baureihe 612 im Landkreis Sigmaringen bereits im Einsatz sind. Bisher fahren landesweit die neuen Züge nur auf zwei weiteren Strecken. Das kostenlose WLAN in den Zügen ist für mich als Pendler beispielsweise ein echter Vorteil", stellte die Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden fest, die viel auf der Bahnstrecke nach Stuttgart unterwegs ist.

 

Hat die Modernisierung tatsächlich einen Einfluss auf die Pünktlichkeit der Züge?

 

Ein vom SÜDKURIER befragter Lokführer, der aus Gründen des Selbstschutzes anonym bleiben möchte (sein Name ist der Redaktion bekannt), sagte indessen, dass die Fahrzeuge der Reihe 612 nur umgebaut worden seien. Es hätte keine Änderung der Fahrzeugtechnik gegeben, daher gebe es auch keinen Einfluss auf Pünktlichkeit. Eingesetzt würden die Züge im Neigetechnikbereich Stuttgart-Sigmaringen-Aulendorf und auf der Südbahn von Ulm nach Friedrichshafen.

Der Komfort ist gleichwohl deutlich gesteigert. Ein Kriterium ist die nunmehr garantierte Barrierefreiheit: Zwei Hublifte pro Fahrzeug dienen zum Aufnehmen von Rollstuhlfahrern. Die Neufahrzeuge sind voll klimatisiert. Am Ende des Fahrgastraums sind Monitore angebracht, um den Fahrtverkauf zu verfolgen. Die Toilette ist neu und freundlicher gestaltet. Die Erste-Klasse-Abteile sind auf acht Plätze reduziert und am Fahrzeugende platziert worden, erklärte der Lokführer, der allerdings auch einen kleinen Nachteil erkannt haben will: Der nun entstehende Durchgangsverkehr vom Einstieg zum Zweite-Klasse-Bereich. Die neue Zielanzeige an der Seite verdeckt ein halbes Fenster, sie befand sich zuvor unterhalb des Fensters. Der Innenraum ist so angepasst, dass zusätzliche und somit ausreichende Fahrrad-Mitnahmekapazitäten vorhanden sind.

Links: Die Sitzbezüge sind ebenfalls im Landesdesign gehalten und die Plätze weiträumig gestaltet. Allerdings befanden sich bei dieser Fahrt kaum Passagiere im Abteil.
Links: Die Sitzbezüge sind ebenfalls im Landesdesign gehalten und die Plätze weiträumig gestaltet. Allerdings befanden sich bei dieser Fahrt kaum Passagiere im Abteil. | Bild: Reinhard Rapp

Neue Standards für den ÖPNV – damit wirbt die Landesregierung mit ihrem Zielkonzept 2025. Flächendeckend würde damit der Stundentakt landesweit eingeführt. Zudem käme ab Dezember nächsten Jahres ein einheitlicher Baden-Württemberg-Tarif hinzu, der es dem Fahrgast ermöglichen werde, nur mit einem Ticket vom Start bis zum Ziel gelangen. Gleichgültig wie oft er dabei umsteigt oder von der Bahn in den Bus wechselt.

 

Verbesserte Taktung

Regionalexpress Ulm, Montag bis Freitag, um 7.06 Uhr nach Sigmaringen und damit Schließung einer Zweistundenlücke.

Interregio-Express Ulm, täglich 20.15 nach Sigmaringen neu weiter bis Donaueschingen mit direktem Anschluss nach Villingen. Damit eine zwei Stunden spätere Fahrmöglichkeit als heute.

Interregio-Express Sigmaringen, neu um 22.34 Uhr nach Ulm und damit zwei Stunden spätere Fahrmöglichkeit als heute.

Interregio-Express Sigmaringen, um 5.42 Uhr nach Tübingen und Stuttgart fährt neu auch am Wochenende bereits ab Sigmaringen statt ab Tübingen, Damit am Wochenende zwei Stunden früher eine schnelle Fahrmöglichkeit aus der Zollernbahn nach Stuttgart. (jüw)