Das Hobby der Modelleisenbahnen fasziniert nach wie vor nicht nur Jung und Alt, sondern inzwischen auch Angehörige des weiblichen Geschlechts. Dabei geht es nicht nur um die Ehegattinnen oder Großmütter, die eben ihren Mann, die Kinder oder Enkel zu den Ausstellungen begleiten. Mittlerweile findet man in dieser Männerdomäne auch Frauen, die begeistert sind und mit viel Geschick die Gestaltung der Gleisanlagen übernehmen. Seltener jedoch basteln Frauen an der Technik oder lassen Züge fahren. Nicht so jedoch die 27-jährige Julia Nuss. Bei der Modelleisenbahnschau der Eisenbahnfreunde Tuttlingen in der Mengener Ablachhalle stand sie abwechselnd mal als Fahrdienstleiterin am Regiepult des Abstellbahnhofs, dann wieder mit dem Steuergerät als Lokführerin an der imposanten Anlage des Tuttlinger Vereins. Trotz Digitaltechnik wird alles per Knopfdruck, Schalterstellung oder Mausklick geregelt, wie im richtigen Eisenbahnbetrieb. Die Liebe habe sie zur Modelleisenbahn gebracht, verrät Julia. Ihr Freund leitet die Jugendgruppe im Verein. Schließlich wollte sie nicht nur bei Bau und Betrieb zuschauen, sondern auch mal probieren. Beim Probieren ist es nicht geblieben. Sie fand Gefallen und ist seit zwei Jahren voll bei der Sache. Ihr zur Seite steht Franz Wernz, ein altgedienter Hobbyeisenbahner. Zusammen lassen beide die Züge in den mehrgleisigen Abstellbahnhof ein- und ausfahren, rangieren hin und her und dies geschieht in aller Ruhe und ohne Hektik.

Im Vergleich zu anderen Modellbahnanlagen, auf der Loks und Waggons aus mehreren Epochen gleichzeitig verkehren, hält sich die Tuttlinger Anlage an die Epoche 3 bis 4, also an das Zeitalter des Übergangs vom Dampf- zum Dieselbetrieb. Keine einzige Lokomotive mit Stromabnehmer ist auf der Anlage zu sehen, nur Dampf- und Dieselloks. Die Zusammenstellung der Module erlaubt den Besuchern die Betrachtung von beiden Seiten und dadurch herrscht bei einem Andrangvon Besuchern auch kein Gedränge.

Seit 53 Jahren besteht der momentan 50 Mitglieder zählende Verein der Eisenbahnfreunde Tuttlingen, darunter ein Dutzend Jugendliche, verrät dessen Vorsitzender Robert Dolata. Das alte Stellwerk in Wurmlingen dient als Vereinsheim. Zum Aufbau der Anlage mit 100 von insgesamt 130 Modulen und zum Testen aller Funktionen benötigten die Mitglieder übrigens gut fünf Stunden. Nicht wenige der Besucher sind gleich mehrere Stunden geblieben oder gar ein zweites Mal gekommen.