Die Zahl der Corona-Infizierten hat im Kreis Sigmaringen gestern erstmals die 100er-Marke überschritten. 104 Infizierte sind dem Gesundheitsamt bekannt, wobei zwei Personen, darunter ein 50-Jähriger ohne Vorerkrankung, im Krankenhaus Sigmaringen auf der Corona-Intensivstation behandelt werden, allerdings noch nicht beatmet werden müssen.

Professor Georg von Boyen: „Die Ruhe vor dem Sturm“

Professor Georg von Boyen.
Professor Georg von Boyen. | Bild: Julia Waßer

Auf der Station A im Erdgeschoss wurde nach Angaben des ärztlichen Direktors, Professor Georg von Boyen, die zentrale Intensivstation eingerichtet, die über 22 Betten für Verdachtsfällle und 20 Betten für Intensivpatienten verfügt. Für die Behandlung stehen zehn Beatmungsgeräte zur Verfügung, wobei drei Geräte kurzfristig über den SRH-Klinikverbund aus dem thüringischen Gera beschafft werden konnten, wie die Interimsgeschäftsführerin Christine Neu bei einer Telefonkonferenz gestern erläuterte.

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Größtes Problem sind begrenzte Laborkapazitäten

Dr. Susanne Haag-Milz
Dr. Susanne Haag-Milz | Bild: Tobias Kolbeck

Das aktuell größte Problem sind die begrenzten Laborkapazitäten, sodass es bis zu vier Tagen dauert, bis die Ergebnisse von Corona-Tests vorliegen. „Wir haben noch viele offene Ergebnisse“, erklärte dazu Susanne Haag-Milz, Leiterin des Gesundheitsamtes. Deshalb werde eine Priorisierung getroffen, wer getestet wird. Handelt es sich um eine enge Kontaktperson eines bestätigten Falles, hat der Patient typische Symptome und weist er Risikofaktoren auf?

Ein Kriterium ist auch, ob der Betroffene in einem systemrelevanten Bereich arbeitet, wie etwa bei Polizei oder Feuerwehr. „In den nächsten Wochen werden wir mehr Infizierte haben“, ist Landrätin Stefanie Bürkle überzeugt, wenngleich sie gestern auch mitteilen konnte, dass drei Patienten wieder aus der Quarantäne entlassen werden konnten.

Regelungen für Besucher, Patienten und Mitarbeiter am Krankenhaus Sigmaringen

An den SRH-Krankenhäusern ist wegen des Corona-Virus der Besucherverkehr stark eingeschränkt.
An den SRH-Krankenhäusern ist wegen des Corona-Virus der Besucherverkehr stark eingeschränkt. | Bild: Julia Lutz

Im Krankenhaus Sigmaringen betreten Mitarbeiter und Besucher das Gebäude durch den Haupteingang, während jeder Patient einen separaten Eingang nutzen muss, wobei er von einem Arzt auf eine eventuelle Corona-Erkrankung gesichtet wird, erläuterte Professor von Boyen die neuen Abläufe.

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Im Krankenhaus Bad Saulgau wurde eine Station geschlossen, um ausreichend Personal zu haben, wobei Ärzte und Pfleger in Crashkursen ihre Kenntnisse für die Betreuung von Corona-Patienten auffrischen. Mit den Kliniken der Landkreise Ravensburg und Bodenseekreis hat der Kreis Sigmaringen quasi den Verbund „BOS„ gebildet, der sich gegenseitig mit Intensivkapazitäten unterstützt. Die Reha-Kliniken Waldburg-Zeil werden unbürokratisch Reha-Patienten aufnehmen, die nicht am Coronavirus erkrankt sind.

„Gefährdet sind Ältere mit Vorerkrankungen„

„Wenn ich die Entwicklung in anderen Ländern sehe, ist das bei uns die Ruhe vor dem Sturm“, erwartet Professor von Boyen in den nächsten Wochen eine Steigerung der Fallzahlen. Dennoch könne niemand eine seriöse Prognose über die Entwicklung abgeben, denn 70 bis 80 Prozent aller Infizierten hätten einen absolut milden Verlauf. Bei unter 30-Jährigen gebe es fast keine schweren Erkrankungen, gefährdet seien Ältere mit Vorerkrankungen.

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