Deutlich mehr Windpocken-Fälle als im Vorjahr gibt es im Kreis Sigmaringen. Vergangenes Jahr waren es 29 Fälle. Dieses Jahr gab es bis Mitte April bereits 44 Fälle, 23 davon im Raum Mengen. Hier waren nach Angaben des Landratsamtes unabhängig voneinander drei Familien mit Kindern betroffen. Seit Mitte April sind im Landkreis noch elf Fälle dazu gekommen. Die Medizinerin Dr. Susanne Haag-Milz, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit des Landratsamts, haben wir zum Thema Windpocken befragt:

  1. Wie gefährlich sind Windpocken? Schwere Verläufe gibt es vor allem bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr und bei Neugeborenen. Erkrankt eine werdende Mutter um den Geburtstermin, kann es zu einer schweren lebensgefährlichen Infektion des Neugeborenen kommen. Bei Kindern heilen Windpocken meist ohne schwerwiegende Komplikationen aus, durch starkes Kratzen können aber Narben zurückbleiben. Erwachsene haben ein höheres Risiko für Komplikationen, wie zum Beispiel eine Lungenentzündung. Sie tritt bei Erwachsenen in bis zu 20 Prozent aller Erkrankungen auf und beginnt gewöhnlich drei bis fünf Tage nach dem Ausbruch der Krankheit.
  2. Wann ist der beste Zeitpunkt (Lebensalter) für eine Impfung? Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt die zweimalige Impfung im Kleinkindalter: Die erste Dosis der Windpocken-Impfung sollte im Alter von 11 bis 14 Monaten erfolgen und die zweite Dosis im Alter von 15 bis 23 Monaten.
  3. Wer bezahlt die Impfung? Bei Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr wird die Windpocken-Impfung von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Das gleiche gilt für Personen, bei denen eine medizinische Notwendigkeit für die Impfung besteht, wie zum Beispiel nicht immune Frauen mit Kinderwunsch oder Patienten, bei denen die Körperabwehr stark geschwächt ist.
  4. Wie lange schützt eine Impfung? Über die konkrete Dauer der Schutzwirkung kann derzeit noch keine sichere Aussage getroffen werden, man geht von einem mehrjährigen Schutz aus. Die Impfung wird in Deutschland erst seit 2004 zunächst mit einer Impfdosis empfohlen, seit 2009 besteht die offizielle Empfehlung der zweimaligen Impfung. Langzeitergebnisse liegen daher noch nicht vor.
  5. Wie ist das Krankheitsbild? Windpocken (Varizellen) beginnen in der Regel mit unspezifischen Symptomen wie Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen. Ein bis zwei Tage später treten typische Hautveränderungen auf, begleitet von mäßigem Fieber, in der Regel unter 39 Grad Celsius. Aus juckenden kleinen Knötchen (Papeln) entwickeln sich Bläschen, die verschorfen. Da diese sehr charakteristischen Hauterscheinungen gleichzeitig in den verschiedenen Stadien zu sehen sind, werden sie auch als „Sternenhimmel“ bezeichnet. Nach etwa drei bis fünf Tagen verkrusten die Bläschen und heilen in der Regel fünf bis sieben Tage nach Auftreten des Hautausschlages ab. Eine Ansteckungsfähigkeit beginnt einen bis zwei Tage vor Auftreten der Hautveränderungen und besteht bis zum vollständigen Verkrusten aller Bläschen.
  6. Wie können Windpocken erkannt werden? Im Anfangsstadium der Krankheit ist ein sicheres Erkennen der Windpocken in der Regel nicht möglich. Erst mit Auftreten des Hautausschlages wird die Diagnose aufgrund des typischen Erscheinungsbildes gestellt.
  7. Sind Windpocken eine reine Kinderkrankheit? Auch Erwachsene können an Windpocken erkranken, wenn sie die Erkrankung nicht bereits in der Kindheit durchgemacht haben oder dagegen geimpft wurden. Der Verlauf ist bei Erwachsenen oft schwerer.