Seit Jahrzehnten war die aus den USA stammende durchwachsene Silphie in Deutschland bekannt, wegen der schwierigen Kultivierung blieb ihr Anbau aber unbedeutend. Erst neue Methoden, entwickelt von den Ostracher Landwirten Thomas Metzler und Ralf Brodmann, führten zu einer vermehrten Aussaat. So gelang es, die bisherigen Aussaatkosten von 5000 bis 8000 Euro je Hektar für die Setzlinge auf etwa 1000 Euro zu verringern. Gelöst wurde auch das Problem, dass die Landwirte im ersten Jahr keine Erträge der Silphie erhalten, denn aus den bodenständigen Rosetten des Korbblütlers treiben erst im zweiten Jahr mehrere Stängel aus, die bis zu drei Meter hoch werden. Zwar liefert die Dauerkultur im Anschluss für 20 bis 25 Jahre Erträge, doch die hohen Kosten und der einjährige Ertragsausfall machten die Silphie als Alternative zum Mais uninteressant. Brodmann und Metzler kamen dann auf die Idee, die Silphie als Untersaat im Mais auszubringen, sodass der Landwirt im ersten Jahr 75 Prozent Ertrag aus dem Mais bekommt.

„Das Beste ist, dass die Silphie auch am Waldesrand oder schlechten Böden wächst“, nennt Thomas Metzler als weiteren Vorteil, dass die Silphie weniger Stickstoffgaben benötigt als der Mais. Im Herbst wird sie abgeerntet, im Frühjahr treibt sie wieder aus. „Jährlich produziert die Plfanze rund acht Tonnen Humus je Hektar und sorgt so für eine immense Verbesserung des Bodens“, erzählt der begeisterte Landwirt, der sich deutschlandweit einen Namen als Silphie-Pionier gemacht hat. Da auf den Einsatz von Maschinen auf den Flächen verzichtet werden kann, erhöht sich die Zahl von Bodenlebewesen wie Regenwürmer um ein Vielfaches und durch die Humusbildung wirkt der Boden wie ein Schwamm, der bei Regenfällen das Wasser hervorragend aufnimmt.

Josef Weißhaupt, der mit zwei Kollegen in Pfullendorf eine Biogasanlage betreibt, hat erstmals auf fünf Hektar die Silphie angebaut. „Wir wollen es ausprobieren“, erklärt der 56-jährige Landwirt, dass man aber auch nach anderen Alternativen Ausschau halte. Bislang habe man noch keine Erfahrungen mit der Pflanze, sondern müsse erst die Ernte im September abwarten. Die drei Landwirte sind bescheiden in das Projekt eingestiegen, auch weil die Aussaatkosten je Hektar mit 1900 Euro sehr hoch seien.

Bundesweit sind nach Angaben von Thomas Metzler in diesem Jahr schon rund 700 Hektar im Anbau, davon allein 480 Hektar in Baden-Württemberg, zum größten Teil initiiert von dem Duo aus Ostrach. Derzeit ist er mit seinem Kollegen Ralf Brodmann dabei, Anbau und Ertrag möglichst effizient zu gestalten. Dazu gehört zum einen die Gewinnung von Saatgut, zum anderen muss die Samenruhe aufgebrochen werden, der bei Silphie ein relativ hoher Prozentsatz unterliegt. Die Ostracher Landwirte sehen mit dem erhöhten Silphieanbau auch die Chance, bislang für Landwirte ungeeignete Flächen wirtschaftlich nutzbar zu machen. „Jeder Landwirt hat mindestens zehn Prozent an solchen Arealen“, ist Metzler überzeugt.

Er selbst bewirtschaftet in Hahnennest einen Betrieb mit 175 Hektar Ackerbau und 250 Muttersauen in einem geschlossenen System. Dieser Betrieb nimmt teil an der Initiative Tierwohl und produziert gemäß den entsprechenden Kriterien. Mit seinem Silphie-Partner Ralf Brodmann hat er die Metzler & Brodmann KG gegründet, die 150 Hektar Ackerland und einer Schweinemast mit 500 Plätzen konventionell bewirtschaftet. Desweiteren betreibt der umtriebige Landwirt mit einem Mitgesellschafter die Bio-Agrar GbR mit 110 Hektar Gründland, die biologisch bewirtschaftet werden.

Glücklich sind auch die Imker, denn die Völker finden von Juli bis September Nahrung in den gelb blühenden Feldern. Mit ihrer Hauptblüte passt die Pflanze bestens in den Nahrungskalender der Bienen und die fleißigen Insekten finden länger Nektar und liefern Honig, zudem können sich die Winterbienen fit für die kalte Jahreszeit machen. Damit Interessierte das Gebrumme und Gewumsel in den Silphie-Äckern live miterleben können, hat Thomas Metzler in den Hauptanbaugebieten in Baden-Württemberg und Bayern etwa 100 Hochsitze aufgestellt.