Kennen Sie Garfield? Grumpy Cat? oder Findus? Es handelt sich um berühmte Katzen, echte Stars. Allein das Internetphänomen Grumpy Cat hat auf Instagram Millionen Abonnenten. Ergo: Katzen werden innig geliebt. Das Haustier Nummer eins der Deutschen ist laut Umfragen von Marktforschern die Katze und die große Frage, die die Gemeinde der Katzenhalter dabei oft spaltet, lautet: Sollte unser Stubentiger eine Hauskatze sein oder auch draußen herumstromern dürfen?

Video: Johanson, Kirsten

Die Meinungen dazu gehen seit jeher auseinander. In der Praxis hängt es oft stark von der Wohnsituation der Halter ab, ob ihr Vierbeiner Freigang hat – und natürlich von den Ängsten, die damit verbunden sind, wenn das Haustier draußen herumspaziert und womöglich Gefahr läuft, überfahren zu werden. Schnurrende Fellpakete mit Samtpfoten sind dabei das eine, abgemagerte Streuner das andere. Wenn Besitzer ihre Katzen nicht kastrieren und diese frei herumlaufen, vermehren sie sich rasant – und nicht immer findet der Nachwuchs ein neues Zuhause. Manche Gemeinden versuchen daher, der unkontrollierten Vermehrung und Verwahrlosung Herr zu werden, indem sie etwa Kastrationsverordnungen für Katzen erlassen. Kommunen können Halter sogar zur Kastration ihrer Katzen zwingen. Andere Gemeinden zahlen Katzenbesitzern, die ihre Tiere kastrieren lassen, einen Zuschuss zu den Tierarztkosten.

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Angelika Huth aus Pfullendorf hält ihre Katzen drinnen. Muppet und Fraggle sind im wahrsten Sinn des Wortes Stubentiger. Gelegentlich dürfen sie unter Aufsicht auf den Balkon. „Sie kennen nichts anderes. Hätte ich sie als Freigänger-Katzen bekommen, wäre das etwas anderes. Aber als ich die beiden 2011 aufgenommen habe, waren sie gerade mal eine Handvoll“, erinnert sich Angelika Huth. Katzen begleiteten sie schon sehr lange. „Als ich noch in Aach-Linz wohnte, hatten wir immer wieder Katzen, die auch draußen waren. Mehrere sind einfach verschwunden und mein Timmy wurde überfahren.“ Muppet und Fraggle untertags nach draußen zu lassen, wäre indes schon deshalb schwierig, weil Angelika Huth dann eine lange Katzenleiter am Haus anbringen müsste, um den Vierbeinern die Rückkehr in die Wohnung im zweiten Stock des Mehrfamilienhauses zu ermöglichen. Oder aber, die beiden müssten solange draußen bleiben, bis Huth von der Arbeit zurückkehrt. „Ich hätte keine Ruhe. Zu viele Menschen können Katzen nicht leiden, legen Giftköder aus oder tappen noch mal extra aufs Gas. Ich hätte auch Angst, dass sie in die Hände von Katzenfängern geraten und als Rheumadecken enden“, sagt sie. Einen Hund als Haustier fände sie zwar auch schön, aber den könne sie nicht alleine zu Hause lassen. „Bei Katzen ist das anders, sie schlafen viel und bellen nicht. Nur ab und zu dekorieren sie die Wohnung um. Einmal kam ich heim, da hatten sie alle Jacken aus dem Garderobenschrank geräumt.“

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Weil Angelika Huths Katzen nicht im Freien jagen und Beute machen können, der Jagdinstinkt aber dennoch befriedigt werden sollte, sorgt ihre Besitzerin für Ersatz. Hierfür steht eine ganze Kiste mit Spielzeug parat. Gerne spielen die beiden mit Raschelkissen und Stoffbällen. „Die apportieren sie geradezu“, lacht Huth. Auch Kartons seien beliebte Spielobjekte. Zum Krallenwetzen stehen den beiden ein großer Kratzbaum und Kratzbretter aus Wellpappe zur Verfügung. „Um sie zu beschäftigen, während ich weg bin, fülle ich manchmal Trockenfutter in Plastikflaschen, die sie dann herumkicken können.“ In der Wohnung stehen zwei Katzenklos mit Streu und Spender mit Wasser sowie Trockenfutter und ein Töpfchen mit Katzengras.

Gizmo darf nach draußen

Anders geht es bei Familie Knorr aus Aach-Linz zu: Der acht Jahre alte Gizmo darf im Gegensatz zu Muppet und Fraggle nach draußen. Dem blauäugigen, kastrierten Siamkater gefällt es, Herrchen oder Frauchen schon vor sechs Uhr am Morgen aus dem Bett zu beordern. Dann knurrt sein Magen und er möchte eine Runde nach draußen. „Wir finden es wichtig, dass Gizmo raus kann. Ich habe zwar keinen Vergleich zu einer Drinnen-Katze, aber es liegt doch in der Natur einer Katze, an der frischen Luft zu sein, Insekten hinterherzujagen oder Vögel aufzulauern“, sagt Ute Knorr. Die Knorrs kauften die Rassekatze, als sie fünf Monate alt war. „Früher hatten wir mal ein schwarzes Kätzchen, das sich allerdings seltener bei uns, als bei den Nachbarn aufhielt. Die haben den Kater nämlich regelmäßig gefüttert und beschmust, was uns gar nicht gefiel. Unsere Tochter war tieftraurig, dass der Kater ständig weg war.“

Kater Gizmo darf nach draußen. <em>Bild: Kirsten Johanson</em>
Kater Gizmo darf nach draußen. Bild: Kirsten Johanson | Bild: Johanson, Kirsten

Der Siamkater sei da um einiges treuer. „Wir füttern ihn am Morgen, damit er keinen großen Bedarf hat, sich woanders satt zu fressen. Er stromert auch nicht den ganzen Tag herum, sondern kehrt nach kleinen Ausflügen zurück. Der Radius, in dem sich Gizmo bewegt, ist überschaubar“, so Thomas Knorr. Das Einfamilienhaus der Familie hat einen großen Garten und grenzt an ein Grundstück mit Streuobstbäumen, ein tolles Gelände für die Katze. Im Wohngebiet fahren kaum Autos und die Angst, Gizmo könnte unter die Räder geraten, hält sich in Grenzen. Was ihm gefährlich werden kann, sind offene Türen und Tore und dass er in Garagen oder Kellern eingesperrt wird.

Bei Nachbarn auf der Terrasse

„Wenn der Paketdienst bei uns in der Straße hält, hoffe ich, dass Gizmo nicht in den offenen Transporter springt.“ Ärger mit Nachbarn, die sich über Kot im Blumenbeet aufregen, gibt es selten. Und ja, Gizmo fange Vögel und lege sie als Geschenk vor die Tür. Für Knorrs ist die Katze ein Familienmitglied. Wenn Ute Knorr nach ihm ruft, dann hallt schon mal das hessisch eingefärbte „Wo isser denn, der Bub?“ durch den Garten. In den Urlaub wird der Kater indes nicht mitgenommen. Dann kümmert sich eine Nachbarin um Gizmo. „Ich füttere ihn, säubere sein Katzenklo und lasse ihn mindestens zweimal täglich raus. Natürlich bekommt er auch Streicheleinheiten von mir und unseren Kindern“, erzählt sie. „Anfangs vermisst er seine Familie, aber dann kommt erauch öfters zu uns und liegt bei uns auf der Terrasse, wenn wir draußen sitzen.“

 

 

Ein implantierter Microchip kann helfen, Katzen wiederzufinden

Wie können Katzen gekennzeichnet werden?

Dazu gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Allerdings rät Corinna Rauser von der Tierarztpraxis Kullen in Meßkirch schon gleich von denjenigen Varianten ab, bei denen die Katzen ein Halsband umbekommen. Schließlich bestehe dabei immer auch die Gefahr, dass die Tiere irgendwo hängen bleiben und ersticken. Dabei geb es die Möglichkeit, einen GPS-Sender an einem Halsband zu befestigen oder ein Plombe, in der die Anschrift der Katzenhalter, auf einem Papier aufgeschrieben, verwahrt ist. Negativ bei diesen Lösungen sei auch, dass die Behälter verloren gehen könnten und die Katzen es nicht mögen, wenn sie etwas um den Hals tragen müssen. Als bestes Mittel der Wahl, seinen Stubentiger zu kennzeichnen, bezeichnet Rauser einen Microchip, der implantiert wird. Das koste 15 Euro. Das Tier werde dann bei der Organisation Tasso registriert und in Tierarztpraxen und auch bei Gemeindeverwaltungen könnten die Informationen darauf ausgelesen und der Halter so bestimmt werden. Eine weitere Möglichkeit, seine Hauskatze zu kennzeichnen und so für den Fall vorzusorgen, dass sie verloren geht und wiedergefunden werden soll, sei ein Tatoo am Ohr, wiederum verbunden mit einer Registrierung bei Tasso. Allerdings gebe es da den Nachteil, dass das Tatoo im Lauf der Zeit ausbleicht, sagt Rauser.

Dürfen Katzen von Jägern geschossen werden?

Nein, das dürfen sie nicht. Armin Hafner, Leiter des Hegerings Meßkirch, verweist in dem Zusammenhang auf das Jagdwildtiermanagement-Gesetz, das seit 2015 gilt und seitdem der Abschuss von Hunden und Katzen verboten ist. Früher sei es dagegen so gewesen, dass man Schießen durfte, wenn sich die Tiere mehr als 300 Meter vom nächsten bewohnten Haus selbstständig entfernt hatten. Bei Hunden gebe es auch nach der Gesetzesänderung noch immer die Möglichkeit, über das Ordnungsamt der Gemeinden, eine Sondergenehmigung zum Abschuss eines Hundes zu erhalten. Dies allerdings nur, wenn dem Tier Wilderei nachgewiesen werden kann und der Halter nicht zu ermitteln ist. "Das sind aber absolute Ausnahmefälle", sagt der erfahrene Jäger. Katzen dürften generell nicht geschossen werden. Nach dem Gesetzestext dürften sie aber gefangen werden und müssten dann als Fundsache behandelt werden. "In der Praxis macht das natürlich niemand." In seiner Zeit als Jäger habe er auch vor der Gesetzesänderung selbst noch nie eine Katze geschossen. Dafür habe es noch nie die Notwendigkeit gegeben. Wilde Katzen gebe es im Wald in Einzelfällen, doch auf das Wild würden diese Tiere keinen Einfluss nehmen. Anders, gibt er zu bedenken, verhalte es sich bei der Vogelpopulation und Singvögel ständen mit oben auf dem Speiseplan der Haustiger. Auf die großen Katzen in der Region angesprochen sagt Hafner, der zugleich auch Luchsbeauftragter des Landes ist, dass erst kürzlich wieder ein im Donautal einen Luchs gesichtet wurde. Das sei insofern eine Besonderheit, als es im übrigen Baden-Württemberg keine weiteren Luchssichtungen mehr gegeben habe.

Wie verhält es sich mit der Bezuschussung einer Kastration oder einer Sterilisation von Katzen beispielsweise in Pfullendorf und Meßkirch?

In Meßkirch gibt es seit Jahren ein Programm, über das die Kosten für die Kastration und für die Sterilisation von wilden Katzen durch die Stadtkasse übernommen wird. Wie Hauptamtsleiter Matthias Henle sagt, sei die Bedingung dafür, dass die Katzenhalter im Vorfeld des Eingriffs an dem Tier zum Standes- und Ordnungsamt der Stadt kommen und die entsprechende Maßnahme abklären und anmelden. "Wenn jemand im Nachhinein kommt, geht es nicht", sagte Henle. Habe es noch vor ein paar Jahren Schwerpunktgebiete in der Stadt gegeben, in denen es eine große Zahl wild lebender Katzen gab, wie etwa an der Schnerkinger Straße oder in der so genannten "Siedlung" unterhalb des Jahnstadions, sei es in der Vergangenheit da eher wieder ruhig geworden, was das Thema betrifft, stellt der Hauptamtsleiter fest. Für Pfullendorf hält Simon Klaiber, Leiter des städtischen Ordnungsamts, fest, dass wilde Katzen immer wieder einmal ein Thema in der Stadt seien. Und zum Problem könne es dann werden, wenn jemand die Katzen anfüttert und es ihm irgendwann dann zuviel wird mit den Tieren. Auch bei der Stadtverwaltung Pfullendorf ist es die gängige Praxis, die Kosten für eine Kastration oder eine Sterilisation zu übernehmen. Gegen Vorlage einer Tierarztrechnung werden die Kosten erstattet. Bedingung ist, dass der betreffende Antragssteller die Katzen selbst eingefangen und zum Tierarzt gebracht hat und, dass er die Katzen nach dem ärztlichen Eingriff, wieder an ihrem Fundort rauslässt, sagt Klaiber.

Gregor Moser