Über eine lebhafte Nachfrage nach Bauleistungen hat Obermeister Wolfgang Lieb beim Treffen mit Vertretern der Mitgliedsbetriebe der Bau-Innung Sigmaringen berichtet. Trotz witterungsbedingter Ausfälle im Februar zeige sich die Landesvereinigung Bauwirtschaft zuversichtlich, dass sich die Nachfrage weiterhin gut entwickeln werde. "Alle diesbezüglichen Signale sind positiv", sagte Karl Griener, Geschäftsführer der Bau-Innung, bei einer Tagung im Gasthaus Adler in Mengener Ortsteil Ennetach.

Begrüßt wurde die ansteigende Zahl der Lehrlinge, die sich im Kreis Sigmaringen im Vergleich zum Ausbildungsjahr 2016/17 von 17 auf 24 im Jahr 2017/18 erhöht hat. Dass der Bedarf dadurch nicht gedeckt werden könne, zeige sich daran, dass vor zehn Jahren 39 Lehrlinge die Ausbildung begonnen hatten und dort bereits eine Lücke erkennbar war, wie Karl Griener erläuterte. Insgesamt sei die Lehrlingsentwicklung für die süddeutsche Region – dem Einzugsgebiet Ausbildungszentrum Bau Sigmaringen – in den vergangenen zehn Jahren von 253 auf 180 zurückgegangen, wobei in den 180 die Ausbildung zum Bau-Ingenieur mit 24 Personen enthalten ist.

Die guten Zukunftsaussichten hätten die Situation bei der Ausbildung verbessert. Die Bildungspolitik habe erkannt, dass es volkswirtschaftlich schlecht sei, einseitig auf akademische Bildung zu setzen, zu Lasten der dualen beruflichen Ausbildung. Letztere müsse "im gleichen Maße gefördert werden, da der Mangel an Fachkräften in Zukunft zehnmal höher sein wird als in den akademischen Berufen", prognostizierte Lieb. Er verwies auf die nächsten zehn Jahre, in denen auf dem Bau ein Viertel der augenblicklichen Arbeitskräfte sich in den Ruhestand verabschieden würde. Trotz angestiegener Lehrlingszahlen könne gerade die Hälfte der frei werdenden Stellen mit entsprechenden Nachwuchskräften besetzt werden.

Gerhard Obert, Leiter des Ausbildungszentrums Bau in Sigmaringen, brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, über die Zunahme bei den Lehrlingszahlen den Abwärtstrend noch stoppen zu können. Nachholbedarf sieht Obert für die Region gerade im Fortbildungsbereich. Da die Kurse vorwiegend in den Wintermonaten abgehalten werden, sind für ihn entsprechende Freistellungen von Mitarbeitern vorstellbar. "Nachwuchs- und Fachkräftesicherung erfordert eine gute Ausbildung und eine zielgerichtete Fortbildung", bekräftigte Obert. Dies sei durch die Ausbildungszentren der Bauwirtschaft im hohen Maße gewährleistet.

Eine hohe Nachfrage konstatieren die Protagonisten im Wohnungsbau und bei Bauten, die öffentlichen Zwecken dienen. Ebenso deutlich zugelegt habe der Wirtschaftsbau, der den gewerblichen, industriellen und landwirtschaftlichen Bau umfasst. Bei den Baupreisen – hierzu liegen vom Statistischen Landesamt neueste Zahlen vor – sei eine Steigerung um etwa vier Prozent gegenüber dem Vorjahr festzustellen. Gleichwohl beklagte Obermeister Lieb eine vermehrt negative Berichterstattung über Baubetriebe in der Öffentlichkeit und in den Medien, sodass es in deren Folge wegen anscheinend deutlich überhöhter Baupreise und zu hoher Kosten es zur Aufhebung von Ausschreibungen gekommen sei. "Dies ist nicht zutreffend", sagte Lieb. Es wäre falsch, wenn Firmen unterstellt würde, sie nützten die konjunkturelle Lage aus, um überhöhte Preise durchsetzen zu können. Entgegen solcherlei Behauptungen hätten sich vielmehr die Baupreise nur moderat erhöht. "Die Kostenüberschreitungen resultieren meist aus unrealistisch niedrigen Kostenschätzungen und teilweise auch veränderten kostentreibenden gesetzlichen Vorgaben", argumentiert Lieb.

Anhand von landesweit ermittelten Betriebsergebniszahlen legte Lieb dar, dass die Marktpreise keineswegs zu hoch ausgefallen seien. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels würde bei den derzeit laufenden Lohnverhandlungen mit einer Erhöhung der Baulöhne gerechnet, um im Vergleich zu anderen Gewerken nicht noch weiter ins Hintertreffen zu geraten. "Wenn nicht in der derzeitigen Situation, wann dann sollten wir für unsere Mitarbeiter bessere Bedingungen, aber auch eine bessere Bezahlung bieten", schlussfolgerte Lieb.

Kreishandwerkerschaft

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