Von einem „historischen Moment“ für den Landkreis Sigmaringen sprachen die Beteiligten, als Landrätin Stefanie Bürkle mit Vertretern der DB Netz und des Landes die Planungs- und Finanzierungsverträge für die Elektrifizierung der Zollernalbbahn von Albstadt nach Sigmaringen unterzeichnete.

Planung kostet rund 4,76 Millionen Euro

Rund 4,76 Millionen Euro investiert der Landkreis in die Vorplanung für die geplante Elektrifizierung der 27 Kilometer langen Bahnstrecke, wobei das Land sich mit 1,19 Millionen Euro an den Planungskosten beteiligt. „Wir machen uns an die Arbeit, der erste Schritt in Richtung Elektrifizierung ist getan“, machte Landrätin Stefanie Bürkle deutlich.

Ergebnisse werden für Frühjahr 2022 erwartet

Bis September 2020 wird nun eine sogenannte Betriebsprogrammstudie erstellt. „Ziel dieser Untersuchungen ist es festzulegen, welche infrastrukturellen Maßnahmen für das vorgesehene Betriebskonzept erforderlich sind und ob durch die geänderten Fahrpläne neue Kreuzungsmöglichkeiten für die Züge geschaffen werden müssen“, erläuterte Markus Demmler, Leiter Großprojekte Südwest der DB Netz AG. Die Ergebnisse der Vorplanung inklusive der Kostenschätzung sollen im Frühjahr 2022 vorliegen.

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Berechnung der Wirtschaftlichkeit ist entscheidend

Im Anschluss an diese Planungen der Leistungsphasen 1 und 2 erfolgt die Nutzen-Kosten-Analyse, eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, in der der volkswirtschaftliche Nutzen, wie Reisezeitverringerung, eingesparte Fahrten mit dem Auto oder auch eine geringere Umweltbelastung, den entstehenden Kosten gegenüber gestellt werden. „Nur wenn der Nutzen die Kosten übersteigt, werden der Bund und das Land die Maßnahme fördern. Erst dann entscheidet sich, ob die DB das Projekt in eine Realisierung bringt“, kündigte Landrätin Bürkle an.

Landrätin hofft auf „kluge Betrachtung“ der Berechnungen

Wenn sich das Projekt dabei als wirtschaftlich erweist, stehen die Chancen für den Ausbau sehr gut. Sie wünsche sich von der Politik eine „kluge Betrachtung dieser Nutzenanalyse“, blickte die Kreischefin Richtung Thomas Bareiß, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundeswirtschaftsministerium. Man dürfe den Nutzen nicht nur an den Fahrgastzahlen festmachen und müsse bei der Bewertung das gesamte Netz bis nach Aulendorf einbeziehen.

Bund übernimmt bei Umsetzung 90 Prozent der förderfähigen Baukosten

„Der Bund verfünffacht die Fördermittel. Wir meinen es ernst beim Klimaschutz und möchten den Landkreis Sigmaringen an das Bahnnetz der Zukunft anbinden“, erklärte Bareiß, der sich von der Elektrifizierung und besonders dem Mega-Projekt Stuttgart 21 eine enorme Schubkraft besonders für den Kreis Sigmaringen erwartet. Einig war sich Bareiß mit DB-Vertreter Markus Demmler in der Einschätzung, dass die Klimawende eine Verkehrswende erfordere, die nur gelinge, wenn man den Menschen ein attraktives ÖPNV-Angebot mache.

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Attraktives ÖPNV-Angebot für Verkehrswende nötig

Demmler machte deutlich, von welch großer Bedeutung die Strecke für die Bahn ist: „Damit wird auch die Voraussetzung zur Verknüpfung mit der Regionalstadtbahn Neckar-Alb sowie für eine spätere Anbindung an den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof geschaffen, der zukünftig nur noch elektrisch befahrbar sein wird. So schaffen wir die starke Schiene in der Region.“ Bis zu 90 Prozent der zuwendungsfähigen Baukosten und eine pauschale Förderung der darin enthaltenen Planungskosten in Höhe von zehn Prozent gibt es vom Bund, wenn das Vorhaben umgesetzt wird.

Lückenschluss stärkt die Anbindung von Sigmaringen

Erstmals beteiligt sich das Land auch an den Kosten einer Vorplanung wie Gerd Hickmann, Abteilungsleiter im Ministerium für Verkehr, erklärte: „Es ist dem Land ein Anliegen, dass die Elektrifizierung der Zollernalbbahn über Albstadt-Ebingen hinaus bis Sigmaringen zeitnah erfolgen kann, idealer Weise zeitlich zusammen mit dem Rest der Strecke ab Tübingen. Dieser Lückenschluss stärkt die gesamte Verbindung und die Anbindung Sigmaringens.“

Ziel: Bessere Verbindungen nach Stuttgart

Bis 2026 fährt die DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH noch mit Dieselneigetechnikzügen. Ob auch danach die in die Jahre gekommenen und störanfälligen Neigetechniktriebwagen eingesetzt werden können, ist zumindest fraglich. Zudem wird die Befahrung des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs nur mit elektrischen Zügen möglich sein.

Landrätin Bürkle: „Dem Landkreis droht ein Dieselloch“

„Um aus dem Landkreis Sigmaringen nach Fertigstellung von Stuttgart 21 umsteigefrei und mit attraktiven Fahrzeiten nach Stuttgart fahren zu können, ist eine Elektrifizierung der Zollernalbbahn unumgänglich“, machte Landrätin Bürkle klar. Andernfalls drohe der Landkreis im „Dieselloch“ mit verlängerten Fahrzeiten zwischen Stuttgart und Sigmaringen und Umsteigezwängen in Tübingen, Ulm oder Aulendorf zurückzubleiben.

160 Millionen Euro für 27 Bahnkilometer

Kostenschätzung: Ein erster grober Überschlag seitens DB Netz geht derzeit von Gesamtkosten von etwa 160 Millionen Euro für die Elektrifizierung des 27 Kilometer langen und topographisch anspruchsvollen Abschnittes von Albstadt nach Sigmaringen aus. Geschätzt 127 Millionen Euro entfallen auf die Baukosten, ca. 32 Millionen Euro sind für die Planungen aller Leistungsphasen notwendig.

Kostentreiber: Um eine Bahnstrecke zu elektrifizieren, sind neben dem Errichten der eigentlichen Oberleitung noch weitere Arbeiten zu erledigen. Um genügend Platz für die Oberleitungen zu haben, müssen Tunnel vergrößert, Brücken neu gebaut oder Gleise abgesenkt werden. Auch Bahnübergänge und die Leit- und Sicherungstechnik werden erneuert. Durch geänderte Fahrpläne sind teilweise auch neue Kreuzungsstellen notwendig, so dass bestehende Bahnhöfe oder Haltepunkt erweitert werden müssen.

Kostenträger: Bis zu 90 Prozent der zuwendungsfähigen Baukosten und eine pauschale Förderung der darin enthaltenen Planungskosten in Höhe von 10 Prozent leistet der Bund, wenn das Projekt verwirklicht wird. Auch das Land Baden-Württemberg hat eine Übernahme von 25 Prozent der Planungskosten für die Leistungsphasen 1 (Vorplanung) und 2 (Kostenschätzung) zugesagt, sprich 1,19 Millionen Euro. Der Landkreis investiert in die Vorplanung 3,57 Millionen Euro.