„Keinen freien Platz“

Für viele Betroffene und Familienangehörige ist die Suche nach einem Pflegeplatz eine schiere Odyssee an Enttäuschung, Wut und Frust. Bei Anfragen in Pflegeheimen hören sei fast immer dieselbe Antwort: „Leider haben wir keinen freien Platz.“ Bundesweit organisierte der Paritätische Wohlfahrtsverband nun von März bis Mai eine Umfrage bei Einrichtungen ihrer Mitglieder für die stationäre Dauer- und Kurzzeitpflege. Der Erfassungsrahmen je Einrichtung umfasste jeweils einen Zeitraum von fünf Tagen, und die Auswertung zeigt die dramatische Situation, auch im Landkreis Sigmaringen.

Bundesweit stuften 42 Prozent der Einrichtungen die Versorgungssituation in der Dauerpflege als ausreichend und 45 Prozent als schlecht ein. Im Kreis Sigmaringen liegt diese Einschätzung mit 50 Prozent etwas höher. Dramatisch ist die Situation im Landkreis bei der Kurzzeitpflege. Hier gaben 100 Prozent aller Heimbetreiber auf die Frage, wie sie die Versorgungssituation einschätzten mit schlecht an. Bundesweit beträgt dieser Wert 83 Prozent.

„Fünf Anfragen am Tag“

Diese Einschätzung bestätigt Wolfgang Scheitler, Leiter des spitälischen Altenpflegeheims. „Aktuell bekommen wir jeden Tag fünf Anfragen für einen Kurzzeitpflegeplatz von Angehörigen und den Sozialdiensten der Krankenhäuser. Wegen fehlender Kapazität müssen wir meistens eine Aufnahme ablehnen“, bezeichnet Scheitler die Situation bei den Kurzzeitpflegeplätzen im Landkreis Sigmaringen als angespannt und schlecht.

Land hat Heimförderung 2010 eingestellt

Aktuell gibt es im Kreis Sigmaringen 885 Dauerpflegeplätze in 18 Einrichtungen, darin sind 61 eingestreute Kurzzeitpflegeplätze enthalten, die bei Bedarf auch als Dauerpflegeplätze genutzt werden können, erklärt dazu Karin Stroppel, Leiterin der Stabsstelle Sozialplanung im Landratsamt. Echte Kurzzeitpflegeplätze gibt es im Landkreis nur 20, dazu 143 Tagespflegeplätze in zwölf Einrichtungen, davon ein Nachtpflegeplatz.

Die Dauerpflegekapazität wurde durch die Schließung des Altenpflegeheimes „Haus Löwen“ in Sigmaringendorf zum 28. Februar um 26 Plätze reduziert, und zum 31. Dezember fallen weitere 68 Plätze, inklusive einem eingestreuten Kurzzeitpflegeplatz, aufgrund der Betriebsaufgabe des Ameos-Altenpflegeheimes Haus Silberdistel in Stetten a. k. M. „Wir bedauern das sehr“, verweist Stroppel darauf, dass das Land Baden-Württemberg die Pflegeheimförderung im Jahr 2010 komplett eingestellt habe.

Bedarf an Kurzzeitpflegeplätzen steigt weiter

„Insbesondere der Bedarf an Kurzzeitpflegeplätzen ist hoch und wird weiter steigen“, sagt Stroppel, dass Kurzzeitpflegeplätze dringend erforderlich seien, um die somatische sowie rehabilitative Nachsorge im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung zu gewährleisten und um pflegende Angehörige in Krisensituationen zu entlasten. Erfreulich sei, dass der Ausbau der Tagespflegeplätze sukzessive voran schreitet, auch weil durch neue Anbieter das Angebotsnetz dichter wird.

Kreis Sigmaringen erstellt Seniorenplan

Der Verwaltungs- und Sozialausschuss des Kreistages hat bekanntlich im Mai die Verwaltung beauftragt mit dem Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg einen Seniorenplan zu erstellen. Für den gesamten Planungsprozess, der auf einem breiten Beteiligungsverfahren sowie umfangreichen Erhebungen basieren wird, sind rund zwei Jahre vorgesehen. Der Start ist im Frühjahr 2020 geplant.

Pflegestützpunkt und Pflegenetzwerk

Im Januar 2012 konstituierte sich das „Pflegenetzwerk Landkreis Sigmaringen“ unter der Federführung des Pflegestützpunktes des Landkreises. Ziel war und ist es, Menschen und Dienste, die vor Ort zusammenarbeiten an einem „Runden Tisch“ zusammenzubringen. Das Pflegenetzwerk hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, regelmäßig Informationen auszutauschen, · die unterschiedlichen Angebote zu vernetzen und Lücken zu schließen, die Versorgung Hilfsbedürftiger zu verbessern und gemeinsam Aktionen zu organisieren.

Dem Pflegenetzwerk gehören unterschiedlichste Dienste und Einrichtungen an, die im Vor- und Umfeld der Pflege agieren. Mitglieder sind professionelle und ehrenamtliche Dienste wie ambulante Dienste, Pflegeheime, SRH-Kliniken, Nachbarschaftshilfen, Sozialdienste, Hospizgruppen sowie Beratungsstellen und Verbände, die die Versorgung von Pflegebedürftigen im Landkreis sichern. Das Pflegenetzwerk bietet alle zwei Jahre Aktionswochen an. Hier finden innerhalb kurzer Zeit viele verschiedene Aktionen statt, sodass das Thema Pflege stark in den Fokus der Öffentlichkeit rückt.