Ein nach seinen eigenen Angaben einmaliges Kunstprojekt initiiert der Autor und Künstler Jeremias Heppeler am Samstag, 11. Mai, im Faust-Studio in Scheer. Dann steigt um 20 Uhr die Premiere von „das gegenteil“. Musiker aus ganz Deutschland arbeiten an diesem außergewöhnlichen Experiment, wie Heppeler schildert.

Normalerweise funktionierten die bildende Kunst und die Popmusik in klar voneinander getrennten Bereichen. Mehr noch: Die beiden Genres werden nicht selten als gegenteilig und widersprüchlich wahrgenommen. Einerseits die Kunst, hochgestochen, komplex und kompliziert, andererseits der Pop, eingängig, einfach und direkt ins Ohr schleichend. Bei genauem Hinsehen und Hinhören werde aber schnell deutlich, dass Kunst und Musik eben doch und ganz entscheidend zusammengehörten und mit dem gleichen Arsenal an Möglichkeiten hantieren würden, sagt Heppeler. „Im Kraftfeld unseres digitalisierten Zeitalters rücken vor allem zwei Faktoren sowohl bei der Musik, aber auch in der Kunst ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Der (Schaffens-)Prozess zum einen und das Zitat, das an die jeweiligen Vorgänger anknüpft, zum anderen.“

Diese Überschneidungen will das neu gegründete Bandexperiment „das gegenteil“ nun nutzen, um innerhalb einer Woche Musik einzuspielen, die sich explizit an künstlerischen Vorgängen orientiert. Die beiden zentralen Pole des einzigartigen Projekts sind der in Tübingen geborene und mittlerweile in Berlin agierende Indie-Musiker Magnus Hesse aka Bayuk und die in Konstanz und im Donautal verwurzelte Band „Die Hunde“ mit Christof Heppeler, Boris Petrovsky und Jeremias Heppeler.

Das Experiment sieht folgendes vor: Die beiden konträren musikalischen Ansätze (Bayuk spielt sehr eingängigen Indie-Pop, Die Hunde arbeiten mit Krach, Noise und experimentellen Sounds) sollen im Faust-Studio in Scheer auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden. Dort arbeitet Krautrock-Urgestein Hans-Joachim Irmler seit Jahren mit nationalen und internationalen Größen an avantgardistischen Soundprojekten – der ideale Ort also, um “das gegenteil“ zum Leben zu erwecken. Unter der Produktion von Irmler und seinem Produzenten Jan Wagner sollen innerhalb kürzester Zeit Stücke entstehen, die künstlerische Prozesse mit den Strukturen der Popmusik vernähen.

Ein Beispiel gefällig? Wenn ein Steinmetz einen Stein bearbeitet, dann macht er das durch Abtragen. Er trägt solange Teile aus dem zunächst klobigen Stein ab, bis dort eine neue Form entsteht. Ähnliches will „das gegenteil“ auch versuchen – nur mit Musik. Aus undurchsichtigen Noise soll durch das Abtragen von Soundschichten am Ende eine Melodie geschnitten werden.

Ob das erfolgreich sein wird, zeigt sich erst in der Woche von 6. bis 12. Mai. Dann nämlich treffen die Protagonisten, die noch nie zuvor gemeinsam gearbeitet haben, in Scheer aufeinander. Am 11. Mai feiern die zuvor entwickelten Stücke dann in einem Studiokonzert ihre Premiere. Wie das klingen wird, sei heute noch ungewiss.

Die Premiere von „das gegenteil“ findet am Samstag, 11. Mai um 20 Uhr in Scheer statt. Der Eintritt kostet 7 Euro. Am Sonntag, 12. Mai spielt die Band am Turm zur Katz in Konstanz.