Das Sigmaringer Kinderprojekt (unter dem Kürzel: SKIPP) der Suchtberatungsstelle Sigmaringen feiert demnächst sein 25. Jubiläum. Es ist somit eines der ältesten und wichtigsten Konzeptionen. Die Personalstelle wird vom Landkreis bezahlt. Sie ist kompetent besetzt, mit Claudia Binder. Und dies zu seiner vollsten Zufriedenheit, wie Klaus Harter, Leiter der Suchtberatungsstelle, im Gespräch mit dem SÜDKURIER herausstreicht. Claudia Binder ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, sie sei sehr gut vernetzt – mit dem Jugendamt, mit dem Haus Nazareth, mit der Erziehungsberatungsstelle, ebenso mit der psychiatrischen Abteilung im Krankenhaus.

Weshalb die Suchtberatungsstelle ihren Fokus so konzentriert auf die jungen Leute ausgerichtet hat: Kinder spüren manches Mal mehr, als den Erwachsenen lieb sein könne. Gerade, wenn die Suchtproblematik von Vater oder Mutter die ganze Familie überschattet, würden die Kinder ganz besonders darunter leiden. Die Suchtberatungsstelle spielt in ihren grundlegenden Überlegungen von Hilfe auch darauf an, dass sich die Kinder in einer solchen Situation von suchtabhängigen Erziehungsberechtigten oftmals in eine Verantwortungsrolle gedrängt fühlten und Aufgaben der Eltern mitübernehmen müssten. Zudem seien die Nachwachsenden stets bemüht, nach außen hin ihre Familie zu schützen. Dies wiederum führe häufig zu einer Überforderung. Soziale Auffälligkeiten könnten somit die Folge sein. Als Beispiele listen die Suchtberatungsverantwortlichen die aggressive oder extreme Rückzugshaltung der Kinder auf. Auch Bettnässen, Angstzustände oder frühe Ess-Störungen gehören zu solcherlei Symptomen.

Gleichwohl bietet die Institution auch für die erwachsenen Kinder von Suchtkranken ihre Hilfe an. Schließlich könnten die gemachten Erfahrungen aus Kindheit und Jugendzeit den jungen Menschen in einer Beziehungsgestaltung behindern, wird plausibel argumentiert. Um sich dieser Zusammenhänge bewusst zu werden oder sie in positiver Ausrichtung gestalten zu können, wäre ein Kontakt mit der Suchtberatung immer sinnvoll.

Seit 1994 wird vom Team der Suchberatung den Kindern und Jugendlichen von Suchterkrankten ein ganz besonderes Angebot einmal pro Woche unterbreitet. Dafür ist sogar ein Fahrdienst eingerichtet worden, der kreisweit genutzt werden könne. Aktuell kommen zwei Gruppen mit je vier Kindern und Jugendlichen zusammen. In der Runde am Mittwoch sind es die Acht- bis Zwölfjährigen, in der am Freitag die Älteren für jeweils anderthalb Stunden. Dort sollen sie Spaß haben und erfahren, dass sie mit ihrer Lebenssituation nicht alleine sind. Es würde auch ein Lernprozess aufgezeigt, um auf konstruktive Weise zusammen mit anderen die Konflikte lösen zu können. Gleichermaßen würden die Eltern in der Erziehung unterstützt, sie erhielten fachliche Begleitung und Beratung in Erziehungsfragen.

Die größere Schwierigkeit bereite das Finden von Betroffenen. Das Hauptproblem sei die Scham der Eltern, sagt Klaus Harter: „Es ist unsere Aufgabe, als Fachleute die Erwachsenen dafür zu motivieren!“ Darauf zielt auch die Kooperation von Jugend- und Suchthilfe ab. „Wir müssen näher aufeinander zuwachsen“, betont Klaus Harter mit dem Hinweis, dass durch das 2015 ins Leben gerufene Projekt „Schulterschluss“ die Schnittstellen immer besser gepflegt würden.

Natürlich ist die Sigmaringer Suchtberatungsstelle für jede zusätzliche finanzielle Unterstützung dankbar. So hatte das Bekleidungshaus Feineigle in Bingen für dieses Projekt „Skipp“ kürzlich 1000 Euro gespendet. Das Geld war bei der Bewirtung einer jährlichen Schnäppchen-Party zusammengekommen. Den Betrag hatte das Bekleidungshaus aufgerundet und an Klaus Harter, den Leiter der Suchtberatungsstelle, übergeben.

 

Suchtberatung

Offene Substitutions-Sprechstunde (nur für Opiatabhängige Substituierte): jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr, ohne Voranmeldung. Offene Sprechstunde im Projekt Unabhängigkeit und Lebensqualität im Alter (ULA, für Betroffene ab 60 Jahre, Angehörige und Pflegekräfte) jeden dritten Mittwoch von 14 bis 15 Uhr.

Öffnungszeiten: Montag, 8 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, Dienstag, 14 bis 18 Uhr, Mittwoch, 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, Donnerstag, 8 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, Freitag, 10 bis 12 und 13 bis 15 Uhr. Offene Sprechstunde für Angehörige: jeden ersten Montag im Monat ohne Voranmeldung von 16 bis 17 Uhr.

Telefon 0 75 71/41 88, Fax 0 75 71/17 05 oder E-Mail: suchtberatung-sigmaringen@agj-freiburg.de