Große Freude beim „Jungen Theater“ der Waldbühne Sigmaringendorf. Das Ensemble aus 19 Amateurdarstellern wurde mit der Produktion „Anne Frank – in Sicherheit gefangen“ für den Landesamateurtheaterpreis (“Lamathea“) in der Kategorie Kinder- und Jugendtheater nominiert und konnte den zweiten Platz ergattern. „Wir freuen uns sehr, dass wir erneut den zweiten Platz erreichen konnten“, freute sich Theaterpädagogin Nadja Kiesewetter, unter deren Anleitung das szenische Spiel erarbeitet wurde. Bereits 2017 konnte die spielfreudige Truppe mit dem Stück „Die Schwabenkinder“ den zweiten Platz bei „Lamathea“ belegen.

Vergeben wird der Preis vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg. Die Spielerschar des Jungen Theaters der Waldbühne wurde in der Kategorie „Kinder- und Jugendtheater“ nominiert. „Insgesamt gab es 23 Einsendungen in dieser Kategorie“, berichtet Kiesewetter.

Das Ensemble war zum Festival und der Preisträger-Matinée in Winnenden geladen. Beim Festakt wurde die Gruppe mit der Urkunde des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst geehrt. Unser Bild zeigt von links: Maren Bauer, Nadja Kiesewetter , Tobias Droxner, Sven Starost, Helena Pfäffle, Isabell Sobik, Hannah Fanslau, Miriam Holl, Marika Münzer, Romy Fischer, Madeleine Gasser, David Stebich und Jakob Maichle. Bild: Paul Silberberg
Das Ensemble war zum Festival und der Preisträger-Matinée in Winnenden geladen. Beim Festakt wurde die Gruppe mit der Urkunde des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst geehrt. Unser Bild zeigt von links: Maren Bauer, Nadja Kiesewetter , Tobias Droxner, Sven Starost, Helena Pfäffle, Isabell Sobik, Hannah Fanslau, Miriam Holl, Marika Münzer, Romy Fischer, Madeleine Gasser, David Stebich und Jakob Maichle. | Bild: Waldbühne Sigmaringendorf

Alle zwei Jahre bringt die Waldbühne mit dem „Jungen Theater“ ein Winterstück heraus, das natürlich nicht im Freilichttheater, sondern in Theaterräumen aufgeführt wird. „Anne Frank„ zeigten die Schauspieler an sechs Abenden im Alten Schlachthof in Sigmaringen. Bei dem Stück steht die Frage im Mittelpunkt, wie es sich angefühlt haben könnte, seine Jugend eingesperrt und in ständiger Angst verbringen zu müssen. „Ich habe mich dafür intensiv mit Anne Frank und ihrem Schicksal beschäftigt“, erzählt Theaterpädagogin Nadja Kiesewetter.

Recherche in Amsterdam

Neben der Lektüre des berühmten Tagebuchs des Mädchens, habe sie auch vor Ort in Amsterdam für das Theaterstück recherchiert. Dorthin war die Familie Frank unter dem Druck der Judenverfolgung in Deutschland im Jahr 1934 emigriert. 1942 sah sich die Familie Frank gezwungen, ihre Flucht in die Schweiz vorzutäuschen und sich im Hinterhaus der ehemals von Otto Frank geleiteten Firma in der Prinsengracht 263 in Amsterdam zu verstecken. Rund zwei Jahre blieben acht Menschen in diesem Hinterhaus auf engstem Raum untergetaucht, bis sie 1944 entdeckt und verhaftet wurden. Nur Vater Otto Frank überlebte den Holocaust, die anderen Versteckten fanden einen grausamen Tod in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau, Buchenwald, Mauthausen, Bergen-Belsen und Neuengamme.

Spannender Prozess

Die Jugendspieler der Waldbühne interessierte bei ihrer Arbeit an der Thematik besonders, was die drei Jugendlichen im Versteck – Anne, ihre Schwester Margot und Peter van Pels – empfunden haben könnten. Sie erarbeiteten daraus das szenische Spiel, das eine Annäherung an die Gefühlswelt dieser Jugendlichen in einer so außergewöhnlichen und erschreckenden Lebenssituation darstellt. Mit ihrer Darstellung haben die jungen Erwachsenen die Fachjury beeindruckt. Besonders herausragend sei die schauspielerische Leistung der Darsteller, die unter die Haut gegangen sei, gewesen, schildert Nadja Kiesewetter.Die Theaterpädagogin hatte den Schauspielerinnen keine Vorlage geliefert, sondern mit ihnen gemeinsam das Stück entwickelt. Rund vier Monate wurden dafür geprobt, zunächst einmal, in der „heißen Phase“ dann zweimal die Woche, wie Kiesewetter schildert. „Ein spannender Prozess“, zieht sie Bilanz.

Als Neunjährige schon auf der Bühne

Überreicht wurde die Urkunde des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst am vergangenen Sonntag beim Lamathea-Festival und der Preisträger-Matinée in Winnenden. „Sich zwei Mal in Folge so weit vorne wieder zu finden, macht mich stolz und dankbar“ so Kiesewetter, die auch selbst auf der Bühne steht. In diesem Jahr wirkte die 35-jährige aus Sigmaringendorf bei dem erfolgreichen Erwachsenenstück „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ mit. Ihre Bühnenpremiere hatte die Theaterpädagogin schon mit neun Jahren. Damals durfte sich ein Mädchen auf dem Markt beim Stück „Pinocchio“ spielen. „Mein Text bestand aus genau einem Satz“, erinnert sie sich lachend.