Imam erklärt Kampagne

In den nächsten drei Monaten informieren in allen Gemeinden des Landkreises Vertreter der islamischen Religionsgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat über ihre Glaubensgrundsätze, und wollen im Gespräch mit den Menschen Ängste und Vorurteile über den Islam. Bei einer Pressekonferenz erklärte Mansoor Ghuman, der im hessischen Riedstadt zum Imam, sprich Vorbeter ausgebildet wurde, Details zu dieser einmaligen Informationskampagne. „Wir wollen Ängste und Vorurteile gegenüber dem Islam, dem Koran und Muslimen abbauen“, wird Ghuman nicht müde immer wieder auf den grundsätzlich friedlichen Charakter des Islam hinzuweisen. Gewalttaten könnten nicht religiös gerechtfertigt werden. „Im Koran gibt es kein Fundament für Gewalt“, verurteilt er den Missbrauch aus dem Kontext gerissener Passagen des heiligen Buches der Muslime für Krieg, Mord und Verbrechen.

„Kein Fundament für Gewalt“

Zum Pressegespräch hat er mehrere Glaubensbrüder mitgebracht, die allesamt in Deutschland geboren oder als Kinder mit ihren Familien aus Pakistan eingewandert sind. Im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Erde, werden die Angehörigen der Ahmadiyya Muslim Jamaat nach seinen Angaben verfolgt. Ahmadiyya startet auch die Imagekampagne im Landkreis unter dem Motto „Wir sind alle Deutschland„, womit man die Verbundenheit mit dem Land und den Menschen ausdrücken will. Neben Flyern, die in den 25 Kreiskommunen verteilt werden, ist man in Sigmaringen am 13. und 27. Juli mit Infoständen präsent und in zwei Gemeinden sollen Friedensbäume gepflanzt werden.

„Wir sind friedliche Muslime„

Als ein Ziel hat Gründer Mirza Ghulam Ahmad seiner Religionsgemeinschaft vor mehr als 130 Jahren unter anderem die Vorherrschaft des Islams ausgegeben. Für Imam Ghuman klingt diese Beschreibung allzu sehr nach Missionierung, sprich zu negativ. „Wir sind friedliche Muslime„, sagt der Imam, dass jeder Mensch quasi ein gottgegebenes Wahlrecht habe, ob er glaubt oder welcher Religion er angehört. Und der Koran verbiete, Menschen durch Gewalt zu einer bestimmten Religion zu zwingen. Ahmadiyya-Mitglieder glauben, dass es eine spirituelle Wiedergeburt geben wird, und zwar durch eine Person für eine weltweite Glaubensgemeinschaft. In früherer Zeit hätten die Propheten quasi nur jeweils ein Volk mit ihrer Botschaft erreicht. Die SÜDKURIER-Frage, ob der Islam letztlich diese eine Glaubensgemeinschaft sein wird und deshalb auch dessen Regeln gelten, bleibt unbeantwortet.

Friedensbäume sollen gepflanzt werden

Die Frage, ob die Ahmadiyya im Landkreis Sigmaringen einen Moscheebau planen, verneint Imam Ghuman. Es gebe angesichts der geringen Mitgliederzahl auch keinen Bedarf. In Sigmaringen lebten einige Anhänger, und der Vorsteher der Albstädter Gemeinde beziffert deren Anzahl auf etwa 70, die sich aktiv in das Stadtleben einbringen und beispielsweise bei der Frühjahrsputzaktion mitmachen. Gespannt sind Mansoor Ghuman, wie ihre Informations- und Imagekampagne im Kreis Sigmaringen ankommen wird. Nur im Kennenlernen und Gespräch sei es möglich, Vorurteile abzubauen. Dieselbe Dialogbereitschaft erwartet er von den übrigen Muslimen, denn der Islam muss nach seiner Überzeugung reformiert werden.