Ein Glücksmoment muss nicht immer riesengroß sein: Es kann ein Besuch in einem Freizeitpark sein, ein Livekonzert von Roland Kaiser oder ein Tag bei einem Familienfest. Die rund 30 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Organisation „Glücksmomente“ ermöglichen Menschen mit schweren, möglicherweise lebensverkürzenden Erkrankungen solche Momente. Seit etwa einem Jahr gibt es die „Glücksmomente“ im Zollernalbkreis. Die Organisation ist unter dem Dach des Kreisverbandes Zollernalb des Deutschen Roten Kreuzes beheimatet. „Wir können das noch ausweiten“, stellte die Organisation vor kurzem fest, und hat sich auch für Menschen benachbarter Landkreise geöffnet. Nun dürfen auch Menschen im Landkreis Sigmaringen mit der Organisation solche „Glücksmomente“ erleben.

Eigener Transportwagen im Einsatz

Ein Unfall, eine schwerwiegende Diagnose oder eine Behinderung bringen das Leben von Menschen und deren Familien ins Ungleichgewicht. Mit einer lebensbedrohenden Erkrankung gehen Lebens- und Zukunftsängste einher, die vielfältige Belastungen mit sich bringen. Meist erfährt die „Glücksmomente„-Organisation über Hospizgruppen, Palliativteams, Krankenhäuser, Senioren- und Pflegeheime oder auch über Angehörige von den Herzenswünschen schwer kranker Menschen. Dann setzen die ehrenamtlichen Mitarbeiter alles daran, diesen Wunsch zu erfüllen, erforderliche Genehmigungen einzuholen oder Tickets zu organisieren. Speziell für die Begleitung dieser schwer erkrankten Menschen jedes Alters ist der „Glücksmomente“-Krankentransportwagen mit seiner medizinischen Ausstattung konzipiert.

Christine Rösch, Ralf Purrucker und Markus Fiedler begleiteten Ozan mit dem DRK-Glücksmomentebus auf der Fahrt in den Freizeitpark „Tripsdrill“.
Christine Rösch, Ralf Purrucker und Markus Fiedler begleiteten Ozan mit dem DRK-Glücksmomentebus auf der Fahrt in den Freizeitpark „Tripsdrill“. | Bild: Holger Much

Ein Team aus ehrenamtlichen „Glücksmomente“-Mitarbeitern begleitet damit schwerkranke Menschen bei der Erfüllung ihres Wunsches. Das Team von Notfallarzt, Krankenpflegern bis hin zu Menschen mit wenig medizinischen Kenntnissen, ist auf die medizinischen Anforderungen des Fahrgastes abgestimmt. Sogar künstliche Beatmung kann geleistet werden und alle Arten von Rollstühlen können verankert werden, wie Gerhard Schweizer, Koordinator der Gruppe, erklärt.

Angehöriger oder Pfleger ist mit dabei

In der Regel dauert die Erfüllung eines Wunsches einen Tag. Meist begleitet den Fahrgast ein Angehöriger oder ein Pfleger. Für den Fahrgast und die Begleitperson ist die Erfüllung des Wunsches kostenfrei. Die „Glücksmomente“ finanzieren sich ausschließlich aus Spenden-und Sponsorenmitteln sowie über die ehrenamtliche Mitarbeit.

Christine Rösch, Ralf Purrucker und Markus Fiedler begleiteten Ozan auch bei den Fahrgeschäften, wie beim drehenden Weinzuber.
Christine Rösch, Ralf Purrucker und Markus Fiedler begleiteten Ozan auch bei den Fahrgeschäften, wie beim drehenden Weinzuber. | Bild: Holger Much

Jede Fahrt ist auch für die Ehrenamtlichen einzigartig und schenkt ihnen ebenso Glücksmomente. Gerhard Schweizer erinnert sich an eine Fahrt, als ein älterer Mann vom Krankenhaus ins Pflegeheim gebracht werden musste und geäußert habe: „Ich will noch einmal heim.“ Er wollte sein Haus sehen und im Garten sitzen. „Solche Wünsche erfüllen wir natürlich“, betont Schweizer.

Positive Entwicklung der Beziehung in der Familie

Eine besondere Fahrt war die Begleitung einer schwerst kranken Frau, die kaum mehr kommunizieren konnte, mit ihrer Familie in die Wilhelma. Durch dieses Erlebnis habe sich die Beziehung in der Familie positiv entwickelt, freut sich Schweizer. Einen Herzenswunsch wurde auch dem 14-jährigen Ozan aus Tailfingen erfüllt. Die Ökumenische Hospizgruppe Balingen begleitet Ozan und seine Familie seit Jahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Unvergesslicher Tag im Freizeitpark

Ozan ist an einer seltenen Form von Muskeldystrophie erkrankt. Durch das Fortschreiten der Muskelerkrankung ist der Teenager mittlerweile auf den Rollstuhl angewiesen. Mit dem „Glücksmomente„-Begleitteam, Ralf Purrucker, Markus Fiedler, Betreuerin Christine Rösch und Koordinator Eduard Maass von der Hospizgruppe Balingen, verbrachte Ozan im Juni 2019 einen unvergesslichen Tag in einem Freizeitpark. „Er hat den ganzen Tag gestrahlt und noch monatelang davon erzählt“ erinnert sich Eduard Maass.

Ein lebensfroher Mensch

Er beschreibt Ozan als lustigen, lebensfrohen und lebensbejahenden Menschen. Ozan sei ein Vorbild für alle Menschen und habe eine wichtige Botschaft für alle, die mit vierzig Jahren unzufrieden sind, so Maass. Das größte Glück für Ozan ist, wenn seine Betreuerin Christine Rösch mit ihm zu einem Fast-Food-Restaurant geht, erzählt Eduard Maass.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter haben aber auch schon die Situation erlebt, dass alles für die Fahrt organisiert ist, aber der Fahrgast diese nicht mehr erlebt. Deshalb sind sie glücklich über jeden Wunsch, den sie erfüllen können, und spüren die Bereicherung dadurch.