Die Stadt Meßstetten gibt es in ihrer heutigen Einheit erst seit der Kommunalreform in den 70-er Jahren. Danach dauerte es nur wenige Jahre, bis aus dem Hauptort und seinen sechs Ortsteilen 1978 offiziell eine Stadt im Zollernalbkreis wurde. Wann beginnt nun die Geschichte der Kommunalreformstadt? Die Antwort auf diese Frage liegt seit vergangener Woche in Form eines schweren, 400 Seiten starken Buches vor. Aus Sicht der politischen Verantwortungsträger im Rathaus sind bei der Kommunalreform sieben sehr geschichtsträchtige und bis heute selbstbewusste Dörfer unter dem Dach „Meßstetten„ vereint worden. Mit anderen Worten – in dem neuen Band werden sieben Dorfgeschichten erzählt, um daraus ab 1978 eine Stadtgeschichte werden zu lassen.

Wissenschaftliche Ausrichtung

Bürgermeister Jürgen Schroft wies bei der offiziellen Vorstellung des Werkes auf die Bedeutung der einheitlichen Stadtgeschichte hin. Er sieht darin eine weitere Möglichkeit, sich mit der Heimat zu identifizieren. Die Sieben-Dörfer-Stadt hat sich das Projekt einiges kosten lassen. Vor zwei Jahren gab der Gemeinderat insgesamt rund 150 000 Euro frei. Damit diese Summe und das Buch dem Kriterium der Nachhaltigkeit standhalten, setzten die kommunalen Spitzen auf die strikt wissenschaftliche Ausrichtung des Bandes. Deshalb gab die Stadt die Rolle des Herausgebers an das „Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften“ der Universität Tübingen ab. Der neue Meßstettener Stadtband gehört damit zur universitären Reihe „Gemeinde im Wandel“. Das Dreier-Team der Herausgeber suchte dann die Autoren für die einzelnen Beiträge aus.

Wie stark auch die Meßstettener Ortsteile mit ihrer Geschichte verbunden sind, machte Hartheim 2018 mit seinem großen Festumzug zur 1250-Jahr-Feier deutlich
Wie stark auch die Meßstettener Ortsteile mit ihrer Geschichte verbunden sind, machte Hartheim 2018 mit seinem großen Festumzug zur 1250-Jahr-Feier deutlich | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Wer angesichts des akademischen Anspruchs des Bandes eine schwer verdauliche Lektüre gespickt mit Fachausdrücken erwartet, wird schon beim ersten Durchblättern und Querlesen eines Besseren belehrt. Die Texte sind so geschrieben, dass sie allgemein verständlich und interessant zu lesen sind. Manchmal genügt es, die alten Urkunden sprechen zu lassen. So beispielsweise die Beschreibung des Pfarrers Michael Haisch über den Überfall in der Nacht vom 15. auf den 16. Februar 1633, also mitten im 30-jährigen Krieg, auf Meßstetten. Die katholischen Reitknechte und andere Bürger aus Schwenningen und Gutenstein unter dem Kommando des Gutensteiner Obervogts erwiesen sich, so schildert es Haisch, als marodierender Haufen, und „hätten ohne Unterschied jeden erwürgt, den sie angetroffen haben“. Matthias Heppler aus Hossingen war, was die Todesart anbelangte, eine Ausnahme. Der 23-Jährige hatte vergeblich versucht, zu flüchten, und wurde hinter dem Pfarrhaus erschossen.

Ansiedlungen seit der Steinzeit

Am Anfang des Bandes geht Professor Rainer Loose auf eine ebenso einfache wie schwer zu beantwortende Frage ein. Meßstetten und seine Stadtteile gehören bis heute zum kältesten Winkel der Schwäbischen Alb. Warum haben sich angesichts des Klimas hier überhaupt schon in der Steinzeit Menschen angesiedelt? Der emeritierte Universitätslehrer gab bei der Buchvorstellung die Antwort in einem knappen Satz: „Man hatte hier Platz und fand gute Ackerböden vor.“

Mit Großem Zapfenstreich verabschiedete sich die Bundeswehr im Oktober 2010.
Mit Großem Zapfenstreich verabschiedete sich die Bundeswehr im Oktober 2010. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Schriftliche Zeugnisse gibt es erst vom frühen Mittelalter an. Dafür aber ausgesprochen viele Dokumente, wie Manfred Waßner, Mit-Herausgeber und Autor, bei der Buchvorstellung erwähnte. So sei beispielsweise eine Namensliste der leibeigenen Bauern aus Oberdigisheim erhalten „mit Familiennamen, die es teilweise heute noch gibt“.