Auf der Gemarkung Buchheim liegt mit dem Gut Gründelbuch eines der landesweiten Pilotprojekte zur Förderung der Artenvielfalt. Am Freitag wurde der Modellbetrieb offiziell vorgestellt. Welchen Stellenwert die Landesregierung diesen Pilotprojekten zuweist, machte die Anwesenheit von Staatssekretär Andre Baumann aus dem Umweltministerium und der Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer deutlich. In das seit 2018 betriebene Pilotprojekt sind auch Schüler eingebunden, die ein großes Insektenhotel gebaut haben und dafür von Baumann gelobt wurden.

Wirtschaftliche Interessen und Naturschutz unter einem Hut

Wie Baumann in einem Kurzreferat unterstrich, ist der Schutz der Insektenarten vor dem Aussterben eine sehr komplexe Materie. Aus Sicht des grünen Umweltschützers ist ein besonderes Kennzeichen des Guts Gründelbuch der Umstand, dass es hier gelinge, die wirtschaftlichen Interesse der Hofbetreiber mit den Belangen des Naturschutzes unter einen Hut zu bringen. Baumann fasste zusammen: „Gut Gründelbuch macht vor, wie das geht.“ Mittlerweile seien seltene Tier- und Pflanzenarten hier untergekommen vorhanden, dennoch könne der Hof wirtschaftlich betrieben werden.

Damit Insekten wie diese Hummel wieder häufiger in der Natur zu sehen sind, gibt es Pilotprojekte zur Artenvielfalt, wie auf dem Hofgut Gründelbuch.
Damit Insekten wie diese Hummel wieder häufiger in der Natur zu sehen sind, gibt es Pilotprojekte zur Artenvielfalt, wie auf dem Hofgut Gründelbuch. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Biolandbetrieb seit 1998

Das Gut Gründelbuch wird seit 1998 als Biolandbetrieb bewirtschaftet und verfügt über 71 Hektar landwirtschaftliche Fläche, darunter 32 Hektar Grünland. Bis zum Pächterwechsel zur Jahreswende 2018/2019 wurde hier Stutenmilch produziert. Die neuen Pächter betreiben Landwirtschaft und einen Pensionsstall für Reitpferde.

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Modellprojekt seit 2017 aufgebaut

Schon das vorhergehende Pächter-Ehepaar Roland Hördt-Kütner und Angela Kütner fing 2017 gemeinsam mit dem Naturschutzzentrum Obere Donau in Beuron an, den biologisch geführten Hof zu einem der landesweiten Modellprojekte zur Artenerhaltung auszubauen. Das neue Pächterpaar Alexander und Lea Weiß führt die biologische Ausrichtung des Anwesens fort. Zur Finanzierung der Aufwertungsmaßnahmen gehören Geldmittel der Landschaftspflegerichtlinie, des staatlichen Sonderprogramms „Stärkung der biologischen Vielfalt“ und Fördermittel der Stiftung der Landesbank Baden-Württemberg.

Staatssekretär Andre Baumann dankte (von links) den Fridinger Schülern Andre Hoffmann, Robin Käser, Hanna Stehle, Natalie Schilling und Anna-Lena Braun für den Bau des Insektenhotels am Eingang zum Gut Gründelbuch.
Staatssekretär Andre Baumann dankte (von links) den Fridinger Schülern Andre Hoffmann, Robin Käser, Hanna Stehle, Natalie Schilling und Anna-Lena Braun für den Bau des Insektenhotels am Eingang zum Gut Gründelbuch. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Wie Samantha Giering vom Naturschutzzentrum auflistete, gehören zu den Maßnahmen beispielsweise das Anlegen von Drillstreifen. Giering erklärte: „Das sind linienförmige Aussparungen in der Getreidesaat für Ackerwildkräuter und als Lebensraum für Feldlerchen und Wachteln.“ Auch Blühstreifen werden angelegt und Steinriegel für Insekten. Außerdem wird der Waldrand ausgelichtet, um Lebensraum für Baumpieper zu schaffen.

Erfahrungen werden dokumentiert

Im Rahmen des Modellprojekts werden die betrieblichen Erfahrungen dokumentiert. Diese Daten erlauben dann eine Erfolgskontrolle, bei der Rückschlüsse zwischen der Bewirtschaftung, den ökologischen Maßnahmen und der Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt ermittelt werden. Außerdem sollen interessierte Landwirte aus dem Modellprojekt praxisorientierte Tipps zur Umsetzung in ihren eigenen Betrieben erhalten.

EU streicht Zuschüsse bei ungemähten Wiesen

Obwohl die Landesregierung hinter den geschilderten Maßnahmen stehe, gebe es ein bürokratisches Problem. Der Stuttgarter Staatssekretär erklärte dazu, es werde an einer Lösung gearbeitet. Um attraktive Biotope für Insekten zu schaffen, gibt es mehrjährige Blütenmischungen. Damit sich die Pflanzen im Interesse der Insekten voll entwickeln können, darf das Areal nicht gemäht werden. Die Landwirte bekommen aus Brüssel Zuschüsse, die aber nur gewährt werden, wenn ein Grundstück regelmäßig bewirtschaftet wird.

Landesregierung sieht Regelung kritisch

Bei entsprechenden Kontrollen fallen dann die extra für die Insekten angesäten Bereiche auf. Nach den gültigen Bestimmungen bekommt der Landwirt dann weniger Zuschussmittel von der Europäischen Union. Andre Baumann versicherte, dass die Landesregierung für diese Praxis kein Verständnis habe.