Der Sigmaringer Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen hat ein Positionspapier zur Energie und zum Klimaschutz im Kreis verfasst, das sie bei einem Mitgliedertreffen beschlossen haben.

Energie sei essenziell und so selbstverständlich wie die Luft zum Atmen. Ein Leben ohne den Saft aus der Steckdose oder den Kraftstoff an der Zapfsäule sei für viele undenkbar geworden, stellen die Grünen fest. Doch für ihren Kreisverband ist die Zukunft der Energie erneuerbar. Angesichts einer drohenden Klimakatastrophe sei es unabdingbar, den CO2-Ausstoß drastisch zu reduzieren. Verantwortlich für den Anstieg sind nach Meinung der Grünen die fossilen und endlichen Energieträger Kohle, Gas und Öl. Demzufolge gelte es, diese Träger zu reduzieren und durch die Erneuerbaren zu ersetzen. Atomenergie scheide aus Risiko- und Kostengründen aus. Die Folgen einer verfehlten Energiepolitik hätten die jetzige Generation und ihre Nachkommen noch Jahrhunderte zu tragen.

Die umweltfreundlichste und effizienteste Form der Energie sei jene, die nicht benötigt werde: Deshalb gelte es im Kreis, das Potenzial an Energieeinsparungen zu heben. Das Umweltministerium habe hierzu Kernziele formuliert: 50 Prozent weniger Verbrauch als 1990, die restlich benötigte Energie zu 80 Prozent aus erneuerbaren Quellen, wodurch sich Treibhausgase um 90 Prozent verringern sollen, und das bis 2050. Diese Kernziele machen sich die Kreisgrünen zu eigen. Zu den wichtigen erneuerbaren Energien zählen sie die Solar- und Windenergie, Biomasse und Wasserkraft und zum kleinen Teil die Geothermie. Zur Zielerreichung sei ein Umdenken jedes Einzelnen notwendig. Positiv für das Kreisgebiet seien die Anstrengungen der Stadt Sigmaringen und ihr Klimaschutz- und Energiekonzept 2020/2050 zu bewerten.

  • Solarenergie: Das Potenzial für den Strom aus der Sonne sei im Kreis bei weitem nicht ausgeschöpft. Für die Fotovoltaik gäbe es viele geeignete Dächer, im privaten und im gewerblichen Bereich, die genutzt werden könnten. Der Anteil des Stroms aus Fotovoltaik müsse für das Gelingen der Energiewende vervielfacht werden. Leider seien die Rahmenbedingungen drastisch verschlechtert worden. Stattdessen stütze die Bundesregierung Kohlestrom, aber auch Kernenergie mit hohen Subventionen. Die Kosten trügen, wie so oft, die Verbraucher. Dennoch sei die Errichtung einer Fotovoltaikanlage lohnenswert, in Verbindung mit Eigenstromnutzung, so die Grünen. Eigenvermarktung und Vernetzung mit anderen Anlagen (Smart grids) würden neue Möglichkeiten ergeben, was Hausbesitzer und Firmen im Kreis erkannt und darin investiert hätten.
  • Windenergie: Aktuell seien im Kreis etliche Windkraftanlagen in Planung. Richtig sei, dass diese Anlagen das Landschaftsbild verändern. Aber gerade durch die Windkraft könne der Landkreis von einem strombeziehenden zu einem stromexportierenden Kreis werden. Deshalb befürworten die Grünen diesen Ausbau, sofern keine erheblichen Belange des Arten- oder Immissionsschutzes dem entgegenstünden. Eine wichtige Forderung sei hier die Möglichkeit der Beteiligung der Bürger ab einem frühen Planungsstadium. So in Form von finanziellen Anteilen an Bürgerwindkraftanlagen. Ohne deren Bau würde der erwirtschaftete Gewinn der Anlagen zumeist aus dem Kreis ab- und den großen Investoren zufließen.
  • Biomasse: Bevorzugt werden qualitativ hochwertige, möglichst biologisch angebaute Lebensmittel. Ihr Anbau erfordere einen höheren Flächenbedarf als die konventionelle Landwirtschaft. Deshalb sei eine weitere Umwandlung von Agrarflächen für den Anbau von Energiepflanzen (Vermaisung) nicht zielführend. Jedoch würde noch immer ein großer Teil der Reststoffe (Mist und Gülle) keiner energetischen Nutzung in Biogasanlagen zugeführt und wandere direkt auf Wiesen und Felder. Die Förderbedingungen für neue Biogasanlagen müssten so verändert werden, dass nur noch reine und rentable Mist- und Gülleanlagen gebaut werden.
  • Geothermie: Wie die Thermalwasser-Bohrung in Bad Saulgau gezeigt habe, könne Geothermie imKreis sinnvoll eingesetzt werden. Unterstützen wollen die Grünen Pilot-Projekte an sicheren Standorten. Die kleinste Form der Nutzung von Erdwärme sei die Sole-Wasser-Wärmepumpe, welche im Wohnungs- und Gewerbebau eingesetzt werde. In Kombination mit einer Fotovoltaikanlage steigere eine Wärmepumpe den Autarkiegrad eines Gebäudes.
  • Wasserkraft: Sie böte im Kreis gegenwärtig kaum noch Wachstumspotenzial. Ziel sollte es sein, bestehende Turbinen zu erhalten oder zu modernisieren und für zukünftige technische Entwicklungen offen zu halten. Hierbei müsse die Durchlässigkeit für Wassertiere gewährleistet sein.