Der Sachverstand und die Erfahrungen der Hebammen im Kreis Sigmaringen sind in das neue Modellprojekt „Gesundheitszentren mit geburtshilflichem Schwerpunkt“ eingeflossen, die in den Krankenhäusern Sigmaringen und Bad Saulgau eingerichtet werden. Der Kreistag stimmte dem Vorhaben in seiner jüngsten Sitzung einstimmig zu, und der Landkreis beteiligt sich an den zweijährigen Aufbaukosten mit rund 17.000 Euro. Die Finanzierung des Projekts, das 166.000 Euro kostet, wird durch eine Landesförderung gesichert.

Hebammen zeigen Probleme auf

Die Hebammen des Landkreises sehen die frühe Entlassung nach der Geburt, Personalmangel in den Kreißsälen, die verbesserungswürdige Zusammenarbeit mit Frauen- und Kinderärzten und die nicht ausreichende Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung im Wochenbette wenige Tage nach der Entbindung als Hauptprobleme.

Lückenlose Versorgung

Mit den neuen Gesundheitszentren soll mit allen Akteuren ein Versorgungskonzept erarbeitet werden, das lückenlos alle Phasen von der Familienplanung, Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett bis zum Ende der Säuglingszeit umfasst. Eine Hebamme soll federführend die tägliche ambulante Versorgung von Müttern organisieren, die bislang keine Hebamme gefunden haben. Desweiteren soll ein Hebammenkreis aufgebaut , die auch die Wochenendbereitschaft regeln und sich bei Hausbesuchen gegenseitig unterstützen kann. Paralell wird das bereits bestehende System der Hebammensprechstunden so ausgebaut, dass an jedem Werkstag an einem Ort im Landkreis eine offene Sprechstunde angeboten wird.

Dauerhafte Finanzierung möglich?

Nach Angaben von Sozialdezernent Frank Veser prüft die AOK Bodensee-Oberschwaben unter Leitung von Geschäftsführer Roland Beierl, ob dieses neue Versorgungsmodell über die Sozialgesetzgebung dauerhaft finanziert werden kann, wobei 2021 der tatsächliche Kostenumfang ermittelt wird. Insgesamt sollen die Maßnahmen die „Gesundheit rund um die Geburt“ verbessern und vor allem die Versorgungslücke an Tag drei und vier nach der Entbindung schließen.

Sanierung von Geburtsstation gefordert

Doris Schröter, FW-Fraktionsvorsitzende und Bürgermeisterin von Bad Saulgau, wies auf die steigenden Geburtenzahlen in Saulgau und Sigmaringen hin, und dass es Zeit wäre, die Geburtenstationen zu sanieren. Kreistagskollege Hermann Brodmann ergänzte als Ehemann einer Hebamme, dass die SRH Kliniken als Arbeitgeber auch gefordert sei, für die Beschäftigten gute Bedingungen zu bieten.