Die Energieagentur fördert durch die Beratung privater Haushalte, Kommunen und Gewerbebetriebe den effizienten Einsatz von Energie und Ressourcen. Und sie macht das nun schon seit zehn Jahren. Die unabhängigen Energieberater versuchen, für jeden eine passende umweltfreundliche und kostensparende Lösung zu finden. "Umwelt und Klimaschutz hat bei uns eine lange Geschichte. Es ging darum, einen Beitrag zu leisten, um Ökonomie und Ökologie miteinander zu verbinden und dadurch eine Win-Win-Situation zu schaffen", sagte Landrätin Stefanie Bürkle bei einer kleinen Jubiläumsfeier im Landratsamt. Dabei gab es auch einen Ausblick: Derzeit wird an einem landkreisübergreifenden Energie- und Klimaschutzkonzept gearbeitet, bei dem Energieströme und Abwärmepotenziale erfasst und bewertet werden sollen. Und in Sigmaringen entsteht ein Quartierskonzept am Dettingen Berg, das Landkreis und Stadt zusammen stemmen werden.

Der Kreistag hatte einst die Gründung der Energieagentur beschlossen und auch gleich den Beitritt zur großen Energieagentur in Ravensburg. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Über 50 Prozent des Stromverbrauchs werden im Landkreis durch regenerative Energien abgedeckt. Es gibt mittlerweile mehrere Bio-Energie-Dörfer und seit 2014 einen Anbau am Landratsamt mit Niedrigenergiestandard. Auch wurde eine Reihe von "European Energy Award"-Prozessen in Gang gebracht. Seit 2016 gibt es außerdem eine Kompetenzstelle Energieeffizienz, die Betriebe und Kommunen in Energiefragen unterstützt. Die Stadt Pfullendorf sei ein hervorragendes Beispiel: Dort habe man eine Wärmebedarfskarte erstellt. Immer sei man bemüht, Partner zu finden und auch zu schauen, was anderswo gemacht wird. So wie in Vorarlberg: "Ein Raum, von dem wir sehr viel lernen können", sagte die Landrätin.

Vorarlberg als gutes Beispiel

Daher berichtete Christian Vögel, Landesrat der Vorarlberger Landesregierung, über grenzüberschreitende Energiewende und Schritte zur Energieautonomie in Vorarlberg. Dort wird im Jahresmittel bereits gleich viel Energie erzeugt, wie verbraucht wird. Aber: "Im Winter müssen wir Strom importieren und der kommt weitgehend aus Deutschland", sagte Vögel. Bis 2020 will man den Energieverbrauch um 15 Prozent senken, Maßstab sind die Werte von 2005. Wichtigster Energieträger sei dabei die Wasserkraft, das größte Potenzial biete die Solarenergie. Windkraft sei kein großes Thema und bei der Mobilität sei noch keine Trendwende zu beobachten. Vögel: "Unser Hoffnungsträger ist der ÖPNV", demnächst sollen auch Busse mit Strom fahren. In Gewerbe und Industrie sollen die CO²- Emissionen durch die Nutzung von Gas statt Öl reduziert werden. Biogas sei dabei kein Thema – die Bauernhöfe seien schlicht zu klein.

Trotz Erfolgen, etwa dass der Ölverbrauch für Heizungen mehr als halbiert wurde, müsse noch viel passieren – zumal der Stromverbrauch gestiegen sei: Energiesparende Technik in Haushalten, Heizen mit Pellets statt Öl, Wärmedämmungen forcieren sowie mehr Solaranlagen installieren. Und E-Bikes, öffentlicher Nahverkehr sowie zu Fuß zu gehen seien die besten Alternativen, um Energieverbrauch und CO²-Emissionen im Verkehr zu reduzieren. Bis zum Jahr 2050 hat man sich in Vorarlberg sehr hohe Ziele gesetzt. Doch das seien keine Utopien und Vieles sei auch heute schon mit vorhandener Technik machbar, betonte Vögel. Dafür müsse die Politik Anreize schaffen und auch Vorschriften machen, damit die breite Masse der Bevölkerung sich entsprechend verhält. Denn nur mit Freiwilligkeit sei das schwierig.

Da sei auch Überzeugungsarbeit gefragt. Michael Hahn sprach für die beiden Sparkassen im Landkreis: "Warum musste man damals Überzeugungsarbeit leisten? Heute wäre die Gründung einer Energieagentur selbstverständlich." Dass die sich bewährt hat, ist für Walter Göppel als Geschäftsführer der Energieagentur Ravensburg unbestritten. Man habe einen großen Beitrag zur Stromwende im Landkreis Sigmaringen geleistet und in Bezug auf Energieeffizienz und -einsparung sehr viel Informationsarbeit geleistet. "Unser Kapital ist die Unabhängigkeit", betonte Göppel. Die oberschwäbischen Energieagenturen beraten neutral. Träger sind die Kommunen, Landkreis und Banken.

"Der Landkreis ist unter den Top 5"

Walter Göppel ist Geschäftsführer der Energieagentur Ravensburg.

Was haben Sie mit der Energieagentur Sigmaringen zu tun?

Die Energieagentur Sigmaringen ist eine Tochter der Agentur in Ravensburg. Diese war die erste in der Region, 2007 kam Sigmaringen dazu. Wir haben einige Synergieeffekte.

Wo steht der Landkreis?

Man befindet sich unter den Top 5 im Land. 50 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien sind eine hohe Messlatte. 36 Prozent bei der Wärme ist auch relativ hoch. In Baden-Württemberg ist der Durchschnitt bei etwa 15 Prozent.

Wie sehen sie die Windenergie?

Als die Landesregierung das Ziel der Stromabdeckung durch zehn Prozent Windkraft gesetzt hat, gingen die Regionalverbände in die Planung. Ich war damals auch sehr euphorisch. Für die Region Bodensee-Oberschwaben wären 140 Anlagen möglich gewesen. Der Arten- und Naturschutz und ein mangelhafter Windatlas haben das Ganze dann gekippt. Aber in zehn Jahren sieht vielleicht alles wieder ganz anders aus.

Fragen: Karlheinz Fahlbusch