Den Unterschied des pädagogischen Konzepts der Gemeinschaftsschule zum herkömmlichen Lernen in vielen Bereichen kennenzulernen, dazu bot die Sonnenlugerschule beim Informationstag reichlich Gelegenheit. Derzeit finden vielerorts solche Termine statt, um Eltern und Kinder gleichermaßen für die wegweisende Entscheidung zu rüsten: Werkrealschule, Realschule oder Gymnasium? Seit 2012 ist die Empfehlung der Lehrer nicht mehr verbindlich und Eltern können frei wählen, welche Schule ihr Kind besuchen soll. In Mengen ist seit Beginn des laufenden Schuljahres eine weitere Variante möglich: Eine Gemeinschaftsschule.

Eine Schulart für alle, in der die Begabungen des Einzelnen im Mittelpunkt stehe und keine Trennung erfolge, stellte Schulleiter Joachim Wolf in einer Präsentation die Gemeinschaftsschule vor. In allen Fächern haben Gemeinschaftsschüler die Möglichkeit, auf dem für sie passenden Niveau zu lernen – schulartenübergreifend von der Werkrealschule bis zum Gymnasium. Um das zu veranschaulichen, zeigte Wolf das Bild einer Blumenwiese, auf der keine Pflanze mit einer anderen identisch ist. Die Umstellung nannte der Schulleiter einen revolutionären Prozess. Neue Begriffe wie Lernbegleiter und Lerncoach fänden Anwendung. Gelernt wird abwechselnd oder in Gruppen, in traditionellen Unterrichtsformen und in Projektarbeit.

Das sind typische Themen, die an Informationstagen vorgestellt werden. Es geht um Antworten auf die Frage: Was macht genau diese Schule aus? Dafür erklären Tina Buhl und Daniela Resch beispielsweise in den Räumen mit den Einzelarbeitsplätzen den Ablauf des individualisierten Lernens. Wenige Meter weiter lässt sich ein Ehepaar die Aufgabe eines Lerncoaches erklären. Für andere ist die Ganztages-Betreuung wichtig: Für die Tochter von Mathias Schultz steht zum neuen Schuljahr etwa der Schulwechsel an, ihn hat das Konzept der Gemeinschaftsschule überzeugt. Er nennt als Gründe vor allem die individuelle Förderung, auch die Ganztagsbetreuung komme seiner Familie entgegen.

Das Programm, das Schulen für Eltern und Viertklässler auf die Beine stellen, ist umfassend: Häufig gibt es einen Rundgang durch die Räume mit einzelnen Stationen. Bereitwillig gaben Lehrkräfte und Schüler an der Sonnenlugerschule dabei Auskunft, damit halfen sie Eltern wie Kristina Busch. Sie sammelt in der Schule Informationen, um mit ihren Kindern die Entscheidung zu finden, wo sie ab der fünften Klasse unterrichtet werden sollen. Ihr imponieren die Unterrichtsmethoden, die individuelle Förderung und das Lerncoaching.

Zufrieden äußerte sich Schulleiter Joachim Wolf: Die Besucher hätten sich mit dem Konzept auseinandergesetzt und die gute Atmosphäre an der Schule gespürt. Häufig seien inzwischen beide Elternteile vor Ort, ergänzt Armin Masczyk, Leiter des Schulverbunds Bad Saulgau, um sich anschließend besprechen und dann entscheiden zu können.

Das bieten Informationstage

Der Übergang von der vierten in die fünfte Klasse einer weiterführenden Schule ist wegweisend, daher bietet jede Schule im Kreis Sigmaringen einen Informationstag.

  • Was ist Ziel eines Informationstags? An dem Eltern wie Schüler können ihre mögliche spätere Schule kennen lernen. Während die Grundschule meist wohnortgebunden ist, haben Eltern bei der weiterführenden Schule die Qual der Wahl. Viele Schulen haben dafür Führungen und Präsentationen geplant, am Hohenzollern-Gymnasium in Sigmaringen werden dafür beispielsweise Schüler eingebunden, damit Viertklässler direkt ihre Fragen stellen können.
  • Warum ist das so wichtig? Mit Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung haben Eltern laut Armin Masczyk, Leiter des Schulverbunds Bad Saulgau, berechtigterweise Schwierigkeiten bei der Entscheidung, welche Schule ihr Kind künftig besuchen soll. Masczyk schätzt die Experten an den Grundschulen für eine grundlegende Empfehlung, bei den Informationstagen geht es besonders um Details: Mit zunehmender Profilbildung der Schulen gebe es Unterschiede. Allein am Schulverbund Bad Saulgau sind etwa vier Bildungsabschlüsse möglich, außerdem ein bilingualer und ein Musik-Zug. Auch die Betreuungssituation sei von Schule zu Schule verschieden. "Ein Informationstag ist ein wichtiges Puzzleteil bei der Entscheidung", sagt sein Kollege Hoffmann.
  • Was beobachten die Schulleiter? "Man merkt deutlich die Unsicherheit der Eltern", sagt Masczyk. Hoffmann sieht aber keine angstbesetzte Stimmung, sondern vielmehr Interesse und gute Gespräche. Und je mehr Informationen, desto leichter falle die richtige Entscheidung.
  • Wie informieren die Grundschulen? Bereits im Herbst werden an den Grundschulen die weiterführenden Schulen vorgestellt, sagt Martin Hoffmann vom Hohenzollern-Gymnasium in Sigmaringen. Dabei werden aber nur die grundlegenden Schultypen vorgestellt, also Werkrealschule, Realschule und Gymnasium. Dabei nennen sie bereits die Termine für die Informationstage der weiterführenden Schulen im Frühjahr.
  • Wann muss ich mein Kind anmelden? Während die Schulen ihre Informationstage selbst festlegen, sind die Anmeldetage zentral geregelt: Am Dienstag, 4., und Mittwoch, 5. April, müssen Eltern ihre Kinder an der weiterführenden Schule anmelden. (isa)