Bei einer nichtreligiösen Trauerfeier für unseren viel zu früh verstorbenen SÜDKURIER-Mitarbeiter Kurt Loescher vor knapp einem Jahr haben wir ihn in Augenschein nehmen können: Stefan Limbach gestaltete auf einfühlsame Weise den Ablauf in der Hedinger Grabkapelle, er würdigte in freier Rede den Werdegang des geschätzten Sigmaringer Kollegen und vermittelte zugleich auch dessen mahnende Botschaft für die Welt der Zeitungsleute.

Es erfordere viel Feingefühl, um den richtigen Kontakt mit den betroffenen Menschen zu knüpfen, die im engsten Kreis jemanden verloren haben. „Im Grunde genommen ist das seelsorgerische Arbeit“, sagt Limbach. Mit seiner Rolle als Trauer- und Beerdigungsredner fülle er eine Lücke aus, die üblicher Weise ein Geistlicher einnimmt.

„Doch der Klerus ist geschrumpft“, weist der Trauerredner auf die Tatsache hin, dass in vielen kleinen Orten die Pfarrstellen nicht mehr besetzt seien, oder auch wegen des Mitgliederschwunds sich das Betreuungsgebiet der Pfarrer in größeren Dimensionen erweitert hat – zum Nachteil einer sehr persönlichen Ebene. Immerhin hat sich Limbach auf seiner Wanderschaft mit seiner Partnerin für die dörfliche Idylle entschieden. „Mein Herz schlägt für das Landleben“, stellte der 58-Jährige fest und zog nach langer Suche ins ehemalige Pfarrhaus von Magenbuch ein. Im Ostracher Dorf Magenbuch-Lausheim mit seinen 262 Bewohnern fühlt er sich und seine Familie gut integriert.

Trauerredner, die ursprünglich aus den freireligiösen und freigeistigen Bewegungen des 19. Jahrhunderts kamen, sind im Zuge der Aufklärung für die Emanzipation des Denkens geschaffen und in der Weimarer Verfassung von 1920 mit der Trennung von Kirche und Staat gesetzlich verankert worden.

Seinen Beruf habe er sich dennoch nicht ausgesucht, betont Limbach. Vielmehr führt er seine unverhoffte Berufung auf die Begegnung mit einer Heilpraktikerin zurück, die ihm auf den Kopf zugesagt habe: „Du bist der ideale Trauerredner!“ Erst auf ihre Intervention hin habe er sich entschlossen, seine Eignung mit einer längeren Berufsausbildung und einem Zertifikat abzudecken. Und ihm kam zugute, dass er während seiner Studienzeit vier Semester Psychologie studiert hatte. Nun bietet er neben der Trauerbegleitung bei Todesfällen auch psychologische Beratung bei Kündigungen im Betrieb, bei Trennungen und Krisensituationen an.

Stefan Limbach fühlt sich in seiner Dienstleistung wie ein Fels in der Brandung. Sein Prinzip: Sich in den Trauergesprächen mit den Angehörigen ganz tief auf den Menschen einzulassen, der ja auf seine Art immer einzigartig sei. Nur so lasse sich der eigentliche Abschied von einem lieben Menschen vorbereiten. „Der Abschied ist das normalste der Welt. Doch er gelingt nur, wenn die Schmerzpunkte nicht ausgeblendet werden“, gewährt er Einblicke in seine Vorgehensweise.

Es ist ihm dabei wichtig, vor allem lebensbejahende Impulse gegenüber dem Betroffenen zu transportieren. Um so lauter der oder die Trauernde das Ja zum eigenen Leben sprechen würden, desto deutlicher erscheine der Tod als Schimäre: „Wer ganz im Leben steht, für den ist der Tod immer weit entfernt.“ Ein solches Fallspiel bezieht er auf eine 83-Jährige: „Wenn sie ihren Mann betrauert, versuche ich ihr zu vermitteln, dass jedes weitere Jahr für sie Gold wert ist.“

Bildhaft sieht er sich zwar als Fels im Wasser stehend, doch formen lasse er sich nicht. Bei aller Empathie gelte es, die eigene Grenze zu wahren. „Auch ich habe einen Supervisor, der mir hilft“, sagt Limbach.

Bei seiner Tätigkeit kommt ihm entgegen, dass er für sein Leben selbst gerne schreibt. Seine Leitbilder sind Größen der Weltliteratur, er nennt Franz Kafka, Johann Wolfgang von Goethe und den Spanier Javier Marias. Ein weiteres Hobby ist seine musikalische Untermalung bei einer Trauerfeier, die er dezent einzusetzen weiß. Auch islamische und russische Lieder habe er zu passenden Trauerfällen abgespielt. „Das lässt sich sehr subtil einsetzen“, weiß Limbach. Denn der Weg zur letzten Ruhestätte lasse einen weitgespannten Bogen zwischen den verschiedenen Weltbildern zu.