Einst war der Bodensee die Heimat der Kelten, doch irgendwann scheinen sie ohne sichtbare Spuren einfach von der Bildfläche verschwunden zu sein. Die letzte Phase der jüngeren Eisenzeit – also die Zeit von 150 bis 15 vor Christus – ist heute in der Bodenseeregion und im angrenzenden Ausland überraschend lückenhaft vertreten. Jene Kelten lebten einst in ganz Mitteleuropa: Von Anatolien bis nach Irland hinterließen sie Spuren ihrer Kultur. Sie bauten Städte, führten Handel und prägten Münzen, doch schriftliche Überlieferungen gibt es so gut wie keine. Daher ist man auf Ausgrabungen und die antiken Werke römischer und griechischer Autoren angewiesen, um einen Einblick in die keltische Gesellschaft und ihre versunkene Epoche zu bekommen.

Zuerst muss man sich klar machen, dass es "die" Kelten so nicht gegeben hat, vielmehr bestanden sie aus einer Vielzahl von Stämmen und Stammesverbänden, die einige kulturelle Gemeinsamkeiten pflegten, wie beispielsweise das Bestattungswesen und Handarbeiten. Die Bezeichnung Kelten kommt vom griechischen "keltoi" und soll so viel heißen wie "die Tapferen", "die Kühnen". Das Zeitalter der Kelten dauerte etwa von 800 vor Christus bis zum Jahr 0. Tatsächlich sind sie nie einfach so verschwunden, vielmehr gerieten sie zwischen die sich vom Norden her ausbreitenden germanischen Volksstämme und das vom Süden her expandierende römische Imperium.

In den vergangenen Jahren konnten Archäologen eine Reihe von verheißungsvollen Funden machen, die die Epoche der Kelten in der nördlichen Bodenseeregion Stück für Stück sichtbarer macht. Neben der seit den 1950er Jahren bekannten Heuneburg im Landkreis Sigmaringen – ein befestigter Fürstensitz aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus – kamen zudem vermehrt keltische Siedlungsspuren im Bodenseeraum zum Vorschein. Hierzu zählen unter anderem die beiden Viereckschanzen von Aach-Linz bei Pfullendorf, die Hügelgräber von Salem und jüngst die Viereckschanze von Markdorf. Was diese Funde für die Wissenschaft so bedeutend macht, ist vor allem die Tatasche, dass keltische Siedlungsspuren heute meist einige Meter unter der Erdoberfläche verborgen liegen und daher sehr schwer zu finden sind.

Eine archäologische Baugrunduntersuchung im Herbst 2015 zeigte, dass im Erweiterungsbereich des geplanten Gewerbegebietes Riedwiesen in Markdorf vermutlich in spätkeltischer Zeit eine Viereckschanze lag. Auf Luftbildaufnahmen konnte eine auffällige Struktur im Boden ausgemacht werden. Zu sehen war ein rund vier Meter breiter Grünstreifen, der sich in seiner Farbintensität deutlich von der Umgebung unterschied. "Das hat uns damals stutzig gemacht und daher führten wir auch gleich eine Sondage durch", erzählt Frieder Klein vom Landesamt für Denkmalpflege. Mit dieser räumlich sehr begrenzten Grabung sollten erste Erkenntnisse über die Boden- und Befundsituation gewonnen werden. Und die Erkenntnisse hielten, was sie versprachen: "Wir haben unter anderem Pfostengruben freigelegt, die uns wertvolle Informationen liefern", sagt Klein.

Demnach gehen die Experten von einer spätkeltischen Hofanlage aus dem ersten Jahrhundert vor Christus aus, die von einem viereckigen Wall mit Graben, der sogenannten Viereckschanze, eingefasst war. Das vermutete Hauptgebäude war zwischen zehn und 15 Metern lang und etwa sieben bis acht Meter breit.

Im August 2016 begannen die Grabungen und bereits einen Monat später hatten sich die ersten Vermutungen bestätigt: "In der südwestlichen Ecke innerhalb der Viereckschanze befindet sich eine eindeutige Gebäudestruktur, über deren Rolle oder Funktion wir noch nichts Genaues sagen können", erläutert Klein. Zudem wurde der verortete Zeithorizont – zweites bis erstes Jahrhundert vor Christus – durch wenige gefundene Scherben in Verbindung mit der Grabenanlage sehr eindeutig belegt.

Gleich zwei dieser Anlagen konnten bei Pfullendorf freigelegt werden. Ungefähr zwei Kilometer südlich von Aach-Linz in Richtung Herdwangen befindet sich das Gertholz. Bereits 1911 berichtete das Großherzoglich Badische Bezirksamt Pfullendorf dem Landeskonservator in Karlsruhe Ernst Wagner, dass dort ein rechteckiger Wall mit Graben liege. Zirka einen Kilometer weiter in südlicher Richtung liegt das Remser Holz. Hier sind lediglich Böschung und Graben auf einer Länge von rund 70 Metern noch zu erkennen, ansonsten gibt die Anlage nicht viel von sich preis. Im Salemer Hardtwald verbirgt sich ein ganz besonderes Bodendenkmal, nämlich rund 20 große keltische Hügelgräber. Sie werden ins siebte bis Anfang fünfte Jahrhundert vor Christus verordnet. Im Zuge eines wachsenden Interesses an der Geschichte der Region im 19. Jahrhundert wurden bereits 1830 und 1834 auf Veranlassung des Markgrafen Wilhelm von Baden Ausgrabungen der noch sichtbaren Hügelgräber im Hardtwald vorgenommen. Die Funde wurden 1877 an die Großherzogliche Altertümersammlung übergeben und gelangten so nach Karlsruhe, wo sie heute im Badischen Landesmuseum aufbewahrt werden.

Ein Überrest keltischer Sprache hat sich übrigens in der Landschaftsbezeichnung "Linzgau" erhalten. Der Name geht ursprünglich auf eine lateinische Ableitung des keltischen Flussnamens Lentia zurück, der später durch den deutschen Namen Linzer/Seefelder Aach verdrängt wurde.

Keltische Denkmäler zum Erleben

  • Die Heuneburg – ein Denkmal, zwei Museen: Das Freilichtmuseum Heuneburg – Keltenstadt Pyrene bietet mit seinen Rekonstruktionen und 1:1-Nachbauten einen Einblick in die Zeit der Kelten. Von der originalgetreuen Stadtmauer bietet sich bei klarer Sicht der Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Alpen. In den wieder aufgebauten Häusern können die Besucher erleben, wie die Kelten gewohnt, gelebt und gearbeitet haben. Im nahegelegenen Keltenmuseum Heuneburg bieten originale Funde aus den Forschungsgrabungen auf der Heuneburg und ihrem Umfeld, informative Texttafeln sowie eindrucksvolle Inszenierungen einen Einblick in das Alltagsleben, Kunstschaffen sowie die weitverzweigten Handelsbeziehungen der Kelten. www.heuneburg.de
  • Hügelgräber im Hardtwald bei Salem-Neufrach: Das Bodendenkmal befindet sich im Neufracher Hardtwald bei der Kiesgrube und Kreisel.
  • Viereckschanzen von Aach-Linz: Etwa zwei Kilometer südlich in Richtung Herdwangen, im Gertholz, ist die erste Anlage zu finden. Nochmal einen Kilometer weiter, im Remser Holz, liegt die zweite Anlage. www.oberschwaben-tipps.de/viereckschanzen-aach-linz