Nicole Reichardt heißt die junge Frau, die seit knapp einem Jahr als Verkehrsplanerin für den Landkreis Sigmaringen tätig ist. Mit einer Besonderheit: Sie verfügt über zwei Büros, die anteilsmäßig zu 60 Prozent für Sigmaringen und zu 40 Prozent für den Zollernalbkreis aufgeteilt sind. Begründet wird dies mit übergreifenden Verkehrskonzepten, wie beispielsweise der Zollernalbbahn, die in beiden Landkreisen unterwegs ist. Mit Max Stöhr, dem Fachbereichsleiter Kommunales und Nahverkehr im Landratsamt, hat sie ihr Aufgabengebiet in einem Gespräch mit Medienvertretern ausführlich vorgestellt.

  • Bushaltestellen: Es steht für den Landkreis die Umsetzung des novellierten Personenförderungsgesetzes an. Hierbei werden zur Aktualisierung im Abstand von fünf Jahren gerade alle 627 Haltestellen digital erfasst und auf ihren Ist-Zustand überprüft. Als Maßgabe steht das Thema Barrierefreiheit, das sich nicht auf eine Hauptzielgruppe wie die Rollstuhlfahrer beschränkt. Die Haltepunkte müssen auch auf Gehörlose und Familien mit Kinderwagen ausgerichtet sein, manche Haltestellen müssten zudem mit einem Leitstreifen für Sehbehinderte versehen werden. Und die Bordsteine sollten 80 Zentimeter Höhe haben. „Natürlich ist die Kategorie Leopoldplatz in Sigmaringen anders zu bewerten wie mancher Haltepunkt im ländlichen Raum“, erläutert Max Stöhr die unterschiedliche Priorisierung der Haltestellen, die es für den Ausbau nun auszuwerten gilt. Wenn das Haltestellenkataster steht, würden die Straßenbaulastträger (Bund, Land, Kreis und Kommunen) konsultiert, sollte es Gespräche für notwendig gewordene Anpassungen mit Bürgermeistern und Bürgern, aber auch mit den Behinderteneinrichtungen geben. Natürlich säßen genauso die 13 Busunternehmen mit im Boot, da die Fahrzeuge ja zu den erforderlichen Kriterien passen müssten.
    Nicole Reichardt ist die neue Verkehrsplanerin für den Landkreis Sigmaringen.
    Nicole Reichardt ist die neue Verkehrsplanerin für den Landkreis Sigmaringen. | Bild: Jürgen Witt
  • Verkehrskonzept Großer Heuberg: Dieses ist seit 2011 komplett überplant worden und steht genauso auf der Agenda der neuen Verkehrsplanerin. Denn die bestehende Verbindung auf der Strecke Storzingen–Sigmaringen hätte sich durch mehrfache Zugausfälle als sehr unzuverlässig erwiesen. Demzufolge hatte der Kreis Busse eingesetzt. Zur Verbesserung des Angebots hätten Studierende der Hochschule Reutlingen entsprechende Befragungen angestellt, sagte Reichardt. Hier soll nun ein stimmiges Konzept entstehen, das auf Schüler und Freizeitreisende abgestimmt ist. Zielsetzung hierbei: Die Busunternehmen sollten eigenwirtschaftlich fahren können. Parallel dazu gäbe es Nachfragen der Bundeswehr für den Transport von Soldaten von der Kaserne zum Storzinger Bahnhof.
  • Elektrifizierung der Bahnstrecke Hechingen–Burladingen in Erweiterung nach Gammertingen: Die Voruntersuchungen laufen, berichtet Max Stöhr. Nach einem ersten Informationsgespräch im Verkehrsministerium gilt es eine mögliche Unterstützung von Bund und Land auszuloten. Im Laufe des Jahres dürfte das Thema in den Gremien behandelt werden. Stöhr nannte nicht nur etliche Kriterien, die für den notwendigen Lückenschluss sprechen würden, seiner Schätzung nach dürfte aber nicht vor 2025 mit einem Vollzug zu rechnen sein.
  • Naturparkbus: Seit 1. Mai und bis 21. Oktober an Sonn- und Feiertagen verkehrt dieser Bus Obere Donau zwischen Beuron, Hausen im Tal, Burg Wildenstein in Leibertingen, Campus Galli in Meßkirch und Schwenningen. Damit werden gleich mehrere touristische Ziele im Landkreis angesteuert. Zudem bestehen in Beuron und Hausen Zuganschlüsse. In Beuron, Campus Galli und Meßkirch gibt es weitere Busanschlüsse. Einbezüglich des Natur-Expresses mit dem nun erweiterten Angebot bestehen nahezu ideale Anbindungen, stellt die Verkehrsplanerin fest.

Zur Person

Nicole Reichardt ist 24 Jahre alt. Sie hat ein Bachelor-Studium in Betriebswirtschaftslehre und Personennahverkehr an der Hochschule in Heilbronn absolviert. Als Verkehrsplanerin im Landratsamt Sigmaringen ist sie in Sachen Öffentlicher Personennahverkehr zuständig. (jüw)

Donau-Bodensee-Linie verzeichnet 40 000 Fahrgäste mehr als im Vorjahr

Der Regiobus gilt als landesweites Vorzeigemodell und erfreut sich einer weiter steigenden Beliebtheit.

363 000 Fahrgäste haben 2017 die Linie 500 Donau–Bodensee genutzt, wie Nicole Reichardt stolz verkündete. Im Startjahr waren es 323 000 Gäste. Er fährt stündlich und umsteigefrei von Sigmaringen über Pfullendorf nach Überlingen und zurück. Auch die neu installierten Unterwegshaltestellen in Pfullendorf (Theuerbach, Firma Geberit und Kramer) sowie in Herdwangen-Schönach (Bodenseestraße, Buschorn und Vorstadt) haben sich bewährt.

Der Regiobus wird von Pendlern, Schülern, Ausflüglern und Touristen wertgeschätzt, verfügt im Sommer zusätzlich über einen Fahrradheckträger. Der Bus gewährleistet Anschlüsse an die Donaubahn und Zollernalbbahn in Sigmaringen und an die Bodenseegürtelbahn in Überlingen.

Die Bahnstrecke der Zollernalbbahn, hier die Einfahrt des Regio-Shuttles von Tübingen in den Bahnhof von Sigmaringen, soll bis 2025 elektrifiziert werden. Bild: Jürgen Witt
Die Bahnstrecke der Zollernalbbahn, hier die Einfahrt des Regio-Shuttles von Tübingen in den Bahnhof von Sigmaringen, soll bis 2025 elektrifiziert werden. Bild: Jürgen Witt | Bild: Jürgen Witt

Wie die Verkehrsplanerin berichtet, ist der neue Flyer zum Regiobus gut aufgenommen worden. Zudem ist auf Wunsch von Fahrgästen in Zusammenarbeit mit Studierenden der Hochschule Albstadt-Sigmaringen eine Regiobus-Homepage (http://www.regiobus500.de) entstanden. Gleichermaßen verweisen Veranstalter bei ihren Ausflugszielen auf den Regiobus.

Nachdem sich eine zweite Regiobuslinie Sigmaringen-Stockach nicht hatte realisieren lassen, besteht über die Kreisverkehrsbetriebe alternativ ein ähnliches Angebot: Täglich fahren 24 Busse von Meßkirch nach Pfullendorf und von Meßkirch nach Sigmaringen. Darüber hinaus gibt es noch den kleinen „Sigbus“, der auf Bestellung die Linie abfährt. (jüw)