Frühjahrssitzung der IHK

Bei der Frühjahrssitzung der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) warf Wilfried Franke einen Blick in die Zukunft. Der Direktor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben mit den Landkreisen Ravensburg und Sigmaringen sowie dem Bodenseekreis stellte den Wirtschaftsvertretern die Fortschreibung des aus dem Jahr 1996 stammenden Regionalplans vor, der im Jahr 2020 verabschiedet werden soll.

Wohnungsbau ist extrem wichtig

Im Fokus des regionalen Interesses bis 2035 stünden aktuell vor allem die Themen Wohnungsbau, Gewerbeflächen, Kiesabbau und Verkehr, informierte Franke. „Wir bleiben eine wachsende Region, aber nur aufgrund von Zuzug“, sagte er. In den vergangenen Jahren sei zu wenig in Sachen Wohnungsbau getan worden. Nach derzeitigem Stand belaufe sich der prognostizierte Wohnbauflächenbedarf bis 2035 in der Region Bodensee-Oberschwaben auf 32 000 Wohnungen, davon 5000 im Landkreis Sigmaringen. Ziel sei es, den Zustrom in zentrale Orte zu lenken und im Regionalplan Voranggebiete für den Wohnungsbau auszuweisen.

600 bis 1500 Hektar an Gewerbeflächen

Der bis 2035 prognostizierte Bedarf an Gewerbeflächen für die Region belaufe sich aktuellen Studien zufolge auf rund 600 bis 1500 Hektar. Im Landkreis Sigmaringen sei die Lage aufgrund von zwei frei gewordenen Bundeswehrstandorten und klassischer Konversion nicht schlecht. Dort seien interkommunale Gewerbegebiete geplant.

Widerstand gegen Kiesabbau

„Die Gewinnung von Kies und Sand für den Verkehrswegebau, für Baustoffe und Betonzuschlag hat für die Region die mit Abstand größte Bedeutung“, so Franke. Rohstoffe seien für die Entwicklung der Region genauso wichtig wie Wohnungs- und Gewerbeflächen oder die Verkehrsinfrastruktur, gab er zu bedenken. Reserven an Kies und Sand gebe es nur noch für fünf bis sechs Jahre. Vier Abbauschwerpunkte weise der Regionalplan im Gemeindebereich Ostrach auf. Weitere Rohstoffpotenziale seien bei Krauchenwies vorhanden. Gegen die Pläne eines erweiterten Kiesabbaus an bestehenden Gruben sowie gegen die Ausweisung weiterer Abbaustellen gebe es in der ganzen Region vehementen Widerstand. „Wir können uns aber leider nicht aussuchen, wo wir geeignete Rohstoffvorkommen haben“, so Franke. „Die Wirtschaft ist auf die Versorgung mit Kies und Sand dringend angewiesen. Der Export der Rohstoffe spielt nur eine untergeordnete Rolle“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Peter Jany.

Lastwagenverkehr wird zunehmen

In Sachen Verkehr werde die bestehende Infrastruktur der wirtschaftlichen Stärke der Region nicht gerecht, kritisierte Verbandsdirektor Wilfried Franke. Es gebe zu wenige Autobahnkilometer, und das Netz der Bundes- und Landstraßen weise enorme Defizite auf. „Wenn wir jetzt Überlingen bequem umfahren, stehen wir nur schneller im Stau bei Hagnau“, so Franke. Für zwölf Straßenbau-Maßnahmen seien im aktuellen Bundesverkehrswegeplan zwar die Bedarfe anerkannt, aber es fehle an Planern. In den Landkreisen Sigmaringen, Ravensburg und Bodenseekreis gebe es daher Überlegungen, eine eigene Planungsgesellschaft ins Leben zu rufen. Sicher sei derzeit nur, dass der Verkehr nicht weniger werde. Prognosen zufolge werde das Aufkommen an Privatautos bis 2030 um rund zehn Prozent steigen, beim Lastwagenverkehr sogar um 39 Prozent.