Das Buch war ein Bestseller, der Film bekam das Prädikat „Besonders wertvoll“ und am Samstagabend feierte die Bühnenfassung Premiere auf der Waldbühne. „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ ist eine skurrile Krimikömödie mit Einblick in die Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg und ein Wiedersehen mit Gerold Rebholz, der von 1997 bis 2007 die Kinder- und Jugendstücke inszeniert hat. Nach mehrjähriger Pause kehrte er nun am Samstag als der hundertjährige Allan Karlsson zurück. Es war eine glanzvolle Rückkehr. Denn obwohl Rebholz von seinem 100-jährigen Geburtstag noch ein großes Stück entfernt ist, scheint diese Rolle wie eine zweite Haut auf den Mann zugeschnitten zu sein, der im richtigen Leben Bäckermeister ist.

Gerold Rebholz ist der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg.
Gerold Rebholz ist der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg. | Bild: Stefan Höhn

„Heute spielen wir vermutlich das Stück mit dem längsten Titel in der Geschichte der Waldbühne“, stellte Theatervereinsvorsitzender Walter Kordovan fest und versprach zweieinhalb unterhaltsame Stunden. Die Geschichte um den Mann, der an seinem 100. Geburtstag aus dem Altenheim flieht, dauerte bei der Premiere zwar etwas länger, aber bei diesem tollen Theatervergnügen wollte man keine Minute missen.

Leichentransport (von links): Allan Karlsson, der tote Gangster und Julius Jonsson.
Leichentransport (von links): Allan Karlsson, der tote Gangster und Julius Jonsson. | Bild: Stefan Höhn

Es war auch ein Wiedersehen mit bekannten Waldbühnengrößen (allen voran Esther Rebholz, die diesmal nicht als Päpstin, sondern als Kommissarin glänzte), mit vormals Nachwuchstalenten, die sich mittlerweile fest etabliert haben (Luna Selle hat bereits Hauptrollen gespielt und Regie geführt und betätigte sich jetzt als Gangsterbraut) und Neulingen wie Matthias Hahn, der sich als der ewige Student Benny Ljundberg nicht nur die Herzen der Zuschauer, sondern auch das von Gunilla erobert.

Nadja Kiesewetter, die mit zahlreichen Helfern für die Maske zuständig ist und mit der Theaterjugend schon bemerkenswerte Projekte auf die Beine gestellt hat, zeigt hier, dass sie das aktive Spiel auf der Bühne nicht verlernt hat. Und sie hat bei dem ganzen Hin und Her um 50 Millionen schwedische Kronen aus Drogengeschäften noch eine wirklich sehr gewichtige Helferin: Elefantendame Sonja. Die erweist sich auch als Publikumsliebling. Klar, Sonja ist nicht echt. Aber was macht das schon? Selbst in Sigmaringendorf bekommt man keinen lebenden Elefanten her.

Hat ihr Talent nicht verlernt: Esther Rebholz war wieder einmal auf der Bühne zu sehen. Diesmal als Kommissarin.
Hat ihr Talent nicht verlernt: Esther Rebholz war wieder einmal auf der Bühne zu sehen. Diesmal als Kommissarin. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Dafür hat man aber Schauspieler, die jedes Jahr auf der Bühne stehen. So wie Volker Badouin als Gelegenheitsdieb Julius Jonsson oder Alexander Ziser als Staatsanwalt, der sich die Pressemeute vom Hals halten muss. Beide gehen in ihren Rollen voll auf. Und das gilt auch für Fabian Felbick, der in zeitlichen Rückblenden den jungen Allan Karlsson spielt. Und das mit Können, Einfühlungsvermögen und genau der richtigen Verschmitztheit, die es bedarf, wenn man Personen der Zeitgeschichte trifft. Und das nur, weil man von Beruf Sprengmeister ist und solche Spezialisten überall gebraucht werden.

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In Spanien trifft er General Franco, in Los Alamos gibt er dem Physiker Robert Oppenheimer hilfreiche Anregungen, wie man eine Atombombe zünden kann und natürlich trifft er auch den Russen Josef Stalin. Mao Tse-tung in China? Charles de Gaulle in Frankreich? Den amerikanischen Präsidenten Harry S. Truman? Er kennt sie alle. Besonders skurril ist Herbert, unverkennbar als Bruder von Albert Einstein zu identifizieren. Und dann natürlich Amanda, die Botschafterin von Bali. Zum Schluss des Stücks schaut sie verliebt mit dem Hundertjährigen in die indonesische Sonne. Die ist auch auf einer Leinwand zu sehen, die immer wieder Eindrücke von Originalschauplätzen zeigt und auch die Reiseroute des jungen Karlsson darstellt. Solche Dinge gehören bei der Waldbühne mittlerweile dazu und da ist es nur folgerichtig, dass auch ein echtes Cabrio zum Einsatz kommt.

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Es beginnt alles mit einem Koffer, mit 50 Millionen Kronen, einer gefrorenen Leiche und Josef Stehle als Gangsterchef, der sein Geld zurückhaben will. Rückblenden, Kulissenwechsel durch Lichteffekte und eine Drehbühne, das Waldbühnenteam hat nichts ausgelassen, um dem Publikum einen amüsanten, stellenweise nachdenklichen Abend, zu bieten. Regisseur Frank Speh und seine 60 Akteure haben ganze Arbeit geleistet. Hätten die ausländischen Politgrößen mit dem entsprechenden Akzent gesprochen, dann wäre das noch ein kleines Bonbon gewesen. Aber auch so war die Premiere eine Geburtstagstorte für einen Hundertjährigen.

Das Publikum war wieder einmal begeistert und feierte die Schauspieler mit donnerndem Applaus.
Das Publikum war wieder einmal begeistert und feierte die Schauspieler mit donnerndem Applaus. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz