In der nächsten Woche werden 1916 junge Frauen und Männer eine Ausbildung im Handwerk beginnen. Zahlreiche Lehrstellen sind unbesetzt geblieben, teilt die Handwerkskammer Reutlingen mit. Ihre Lehrstellenbörse verzeichnet aktuell 291 offene Lehrstellen. Insgesamt würde die Zahl der Neuverträge auf dem Vorjahresniveau liegen. Die bis zum 31. August eingetragenen 1916 Neuverträge bedeuten einen Rückgang von 1,1 Prozent. 2017 wurden noch 1937 Neuverträge registriert. Rainer Neth, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kammer, rechnet damit, dass in den nächsten Wochen zahlreiche Nachzügler ihre Ausbildung beginnen werden. „Erfahrungsgemäß tut sich im Herbst noch einiges“, so Neth. Eine ausgeglichene Bilanz zum Jahresende sei also durchaus möglich.

Die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) rechnet gleichermaßen mit einem leichten Rückgang bei den neu eingetragenen Ausbildungsverträgen. Die Region verfügt laut IHK durch ihre wirtschaftliche Stärke über ein breites Angebot von Ausbildungsplätzen. Die sinkenden Schülerzahlen würden zu einem noch stärkeren Wettbewerb der Betriebe um geeignete Bewerber führen. So verzeichnet die IHK mit dem Stichtag 28. August insgesamt 2159 neu eingetragene Ausbildungsverträge. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 5,3 Prozent. „Derzeit gehen aber täglich weitere Verträge bei uns ein, und bis Ende September rechnen wir mit rund 200 weiteren neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Trotzdem werden wir in diesem Jahr ein leichtes Minus – vor allem bei den kaufmännischen Berufen – verzeichnen“, sagt Professor Peter Jany, IHK-Hauptgeschäftsführer. Die Unternehmen der Region würden eine große Auswahl von Ausbildungsmöglichkeiten anbieten. Doch durch die gesunkenen Bewerberzahlen könnten nicht mehr alle Plätze besetzt werden. „Die Betriebe setzen verstärkt auf die Duale Ausbildung, um ihren hohen Fachkräftebedarf zu decken. Für alle, die sich jetzt noch überlegen eine Ausbildung zu beginnen, stehen die Chancen gut, einen Platz zu finden“, gibt sich Jany zuversichtlich. Allein auf der IHK-Lehrstellenbörse (siehe Infokasten) seien für einen sofortigen Ausbildungsbeginn derzeit über 70 freie Plätze eingetragen. Weitere offene Ausbildungsplatzstellen vermittelt auch die Agentur für Arbeit in Balingen. Die Suche lohne sich in jedem Fall.

Dass gerade in den Berufen mit hohem Bedarf der Rückgang der Zahl der Ausbildungsverträge nicht noch stärker ausgefallen ist, führt Jany auf die über 70 Flüchtlinge im Herbst 2018 (zum Stichtag 73, im Vorjahr 76) zurück, die sich für eine Duale Berufsausbildung entschieden haben. Sie kämen aus den Ländern Syrien (38), Afghanistan (13), Irak (9), Gambia (7), Eritrea (2), Somalia (2), Nigeria (1) und Iran (1).Die Flüchtlinge beginnen ihre Ausbildung in insgesamt 27 verschiedenen Ausbildungsberufen. Besonders stark vertreten seien dabei die Berufe Koch (9) und Verkäufer sowie Kaufmann/-frau im Einzelhandel (9). Großen Anklang fänden auch die Metall- und Elektronikberufe sowie der Bereich der Logistikberufe. „Wir setzen verstärkt auf das Erfolgsmodell der Teilqualifikationen, bei denen die Flüchtlinge zunächst nur einen Teil der regulären Ausbildungsinhalte absolvieren. Zum Bereich Logistik sollen neu die Bereiche Gastronomie und Metall hinzukommen“, so Jany. Auch für die Zukunft rechne man fest mit Geflüchteten für den Ausbildungsmarkt.

Während die Reutlinger Handwerkskammer in den Kreisen Sigmaringen und Zollernalb konstatiert, dass die Zahl der neuen Ausbildungsverträge gesunken ist, verzeichnet die IHK im Landkreis Sigmaringen bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen wenig Veränderung. Der Rückgang von insgesamt 470 auf 463 Verträge im Vorjahr (1,5 Prozent) falle eher gering aus. Sowohl in den technischen Berufen (247, Vorjahr 252), in den kaufmännischen Berufen (200 wie im Vorjahr) als auch in den Hotel- und Gaststättenberufen (16, Vorjahr 18) seien die Vertragszahlen stabil geblieben. Die zahlenmäßig am stärksten vertretenden Ausbildungsberufe im Landkreis Sigmaringen nennt die IHK in dieser Reihenfolge: Industriemechaniker (86), Industriekaufleute (45), Kaufmann oder -frau im Einzelhandel (37) und Zerspanungsmechaniker (35).