Vor Gericht hat jeder Beschuldigte das berühmte letzte Wort: "Ist ok", hörte Richterin Elisbetta Carbotta von einem 42-Jährigen, bevor sie sich nach halbstündiger Verhandlung zur Urteilsfindung zurückzog. Der Mann, ohne Schul- und Berufsabschluss, dafür mit 24 Eintragungen im Bundeszentralregister und einigen Jahren Knasterfahrung, war angeschuldigt, im Februar 2018 zwei Polizisten mit ausgestrecktem Arm und dem Gruß "Heil Hitler" beleidigt zu haben. Angeklagt war der Obdachlose, der die Tat unumwunden zugab, deshalb wegen "Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" wie Paragraf 86 des Strafgesetzbuches die Erinnerungsgeste an das Dritte Reich definiert. Entgegen dem staatsanwaltschaftlichen Vorwurf, dass er zur Tatzeit nur angetrunken gewesen sei, beharrte der zweifache Vater darauf, dass er an jenem Februarabend, wie die Monate zuvor und danach betrunken war. Es tue ihm leid, was er in besoffenem Zustand ("Ich hatte 10 bis 15 Flaschen Bier getrunken") gesagt habe, entschuldigte er sich bei dem als Zeugen geladenen Polizisten. "Ich weiß es selber nicht. Ich war nicht ich selbst", antwortete er auf die Frage von Richterin Carbotta, warum er den Hitlergruß verwendet und sich als Nichtbeteiligter in eine Personenkontrolle der Polizei beim Sigmaringer Bahnhof eingemischt hatte. Nach seiner Beleidigung kontrollierten die Beamten seine Papiere und sprachen einen Platzverweis aus, den der Mann auch befolgte. Der als Zeuge geladene Polizist gab an, dass der Beschuldigte angetrunken war, aber keine Ausfallerscheinungen zeigte und wusste, was er tat.

Auf die Frage von Richterin Carbotta nach seinen Lebensumständen, erfuhren die Prozessbeobachter, dass der Mann weder über einen Schul- noch einen Berufsabschluss verfügt und sich mit Gelegenheitsarbeiten, auch europaweit, über Wasser gehalten hat. Für seine zwei Kinder zahlt der Hartz IV-Empfänger keinen Unterhalt, und nach seinem Auszug aus der Unterkunft der Wohnungslosenhilfe in Sigmaringen kampiert er im Freien. Länger als die Anklageerhebung dauerte die Verlesung seiner Eintragungen im Bundeszentralregister, wo neben gefährlicher Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Hehlerei immer wieder Erschleichung von Leistungen und insgesamt drei Mal eine Verurteilung wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen aufgeführt waren. Immer wieder wurden Bewährungsstrafen widerrufen und der 42-Jährige musste ins Gefängnis, zuletzt für ein Jahr. Aufgrund seines Vorstrafenregisters und, weil er keine Besserung erkennen könne, plädierte der Staatsanwaltsvertreter für eine sechsmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung, auch wenn er das Eingeständnis und die Entschuldigung als schuldmindernd bewertete. Dann hatte der Beschuldigte das berühmte "letzte Wort" und grummelte "Ist ok".

In ihrem Urteil folgte Richterin Carbotta dem Antrag der Staatsanwaltschaft, auch mit Hinweis auf die einschlägigen Vorstrafen. Weil der Beschuldigte Alkohol gewohnt war, habe er trotz seines angetrunkenen Zustandes gewusst, was er tat. Zudem wies sie darauf hin, dass der Mann derzeit keine gefestigten Lebensverhältnisse habe. Sie appellierte an den ruhig dasitzenden Mann während seiner Haftzeit die Suchtberatungsangebote im Gefängnis in Anspruch zu nehmen, und nach der Entlassung möglichst schnell einen Therapieplatz zu suchen.