Größere Volksaufläufe oder Demonstrationen gab es in der Kreisstadt im historischen Kontext eher selten. Zur Kundgebung des Radikaldemokraten Carl Otto Würth hatten sich in den Revolutionswirren von 1848/49 rund 3000 Sigmaringer versammelt. Zum Ende des Ersten Weltkriegs am 1. Februar 1919 waren es zwischen 800 und 1200 geschätzte Demonstranten, alles Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die vor das Sigmaringer Schloss zogen. Ihre Forderung an den Schlossherren: 5000 Reichsmark sollten für jeden Kriegsinvaliden zur Verfügung gestellt werden.

Fürst Wilhelm von Hohenzollern bot eine Spende von zwei Millionen Reichsmark für die baldige Wiederaufrichtung der Existenz heimkehrender Kriegsbeschädigter an. Dies allerdings nur auf Einwirkung einer Delegation mit dem Reichstagsabgeordneten und Zentrumspolitiker Emil Belzer, den Landtagsabgeordneten Camillo Brandhuber und Germann Eger, die ebenfalls der Zentrumspartei angehörten sowie dem Hechinger Verleger Friedrich Wallishauser von der Liberalen Hohenzollerischen Volkspartei, die bei ihm am 13. November 1918 vorsprachen. Sie alle trieb die Angst vor Übergriffen durch linksradikale Spartakisten an, die sich angeblich gebildet hätten. „Die Spende soll ein Baustein sein, auf dem die neue Zukunft errichtet werden soll, die die geschlagenen Wunden lindern wird“, so zitiert Historiker Rolf Vogt die Wünsche des Fürsten und weiß über jene Vorgänge in detaillierter Form zu berichten.

Klar, diese Millionenspende war gewissermaßen mit der Hoffnung verbunden, einem bewaffneten Ansturm von Arbeitern und Bauern vorzubeugen. Die Bevölkerung hatte aufgrund ihrer engen dynastischen Bindung an das preußische Königshaus besonders hohe Menschenverluste im Ersten Weltkrieg zu beklagen. Es drohte ein tiefgreifender sozialer Bruch in der hohenzollerischen Gesellschaft in einem staatsrechtlich instabilen Gebilde. So beschreibt der geschichtswissenschaftlich tätige Florian Brückner, im historischen Institut der Uni Stuttgart, jene Epoche. Der Regierungsbezirk gehörte seit 1850 zu Preußen und war von deren monarchischen Regenten verwaltet worden. Doch im November 1918 hatten sich auch in Sigmaringen und im ganzen Hohenzollernlande Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. Sie machten es sich zur Aufgabe, für die Aufrechterhaltung der Sicherheit, für die Kontrolle der Behörden und die Sicherstellung der Ernährung zu sorgen. In Hechingen wurden tatsächlich rote Fahnen geschwungen, hörten sich die Forderungen der rund 800 Bauern radikal an: „Fort mit den Preußen! Ra mit dem schwarzen Vogel!“ Damit war das Wappen des preußischen Adlers gemeint.

In Sigmaringen hatte der Reichsbund die Demonstranten ins Gasthaus „Saalbau“ in die Karlstraße zur Kundgebung gerufen. Für Empörung unter den Versammelten sorgte ein anonym verfasster Artikel in der „Hohenzollerischen Zeitung“. Diese behauptete, dass der Reichsbund „eine von sozialistischer Seite geschaffene Gründung“ sei, die „Köder und Lockmittel auswirft, um die Kriegsbeschädigten vor den sozialistischen Karren zu spannen.“ Ein Affront, denn der Reichsbund hatte zuvor in einer Anzeige in jener Zeitung seine politische und religiöse Neutratlität bekundet. Den Artikel las ihnen Hermann Friedrich, Sozialdemokrat und Vorsitzender des gerade gegründeten SPD-Ortsvereins, entrüstet vor. Erhitzte Gemüter, zum Teil stark alkoholisiert, stürmten daraufhin das Redaktionsgebäude und verwüsteten es. Auch die im Prinzenpalais stationierte Sicherheitswache des Soldatenrats mischte unter dem Kommando Friedrichs an der Aktion tatkräftig mit.

Friedlicher ging es dann beim Marsch zum Schloss zu. Eine Delegation verhandelte mit dem Fürsten über die Verteilung der von ihm gestifteten Zweimillionenspende, die am Ende über den Ausschuss des Hohenzollerischen Kommunallandtags nur in Nuancen zur Auszahlung kommen sollte.

Als Fazit bleibt festzuhalten: Die revolutionären Umtriebe auf dem Weg zur Weimarer Republik blieben 1918/19 in Hohenzollern überschaubar. Der Soldatenrat Sigmaringen löste sich am 21. Februar wieder auf. Viel diskutiert, aber nicht realisiert wurde die Konstituierung eines Landes Großschwaben, dem sich die Hohenzollern wohl nicht hätten entziehen können.